KAPITEL 1 – DAS FILMMATERIAL, DAS DIE PERFEKTE EHE ZERSTÖRTE
Das Erste, was Khloe Thorne spürte, war der kalte Marmor unter ihren Fingerspitzen.
Nicht der Schmerz.
Nicht die Angst.
Die Kälte.
Denn irgendwie weigerte sich ihr Verstand in diesem erschreckenden Moment, das Geschehene zu akzeptieren.
Ihr Körper war gefallen.
Ihre Schulter hatte den Rand des Marmortisches angeschlagen.
Das Kristallglas neben ihr war zerbrochen.
Aber der einzige Gedanke, der in ihrem Kopf existierte, galt nicht ihr selbst.
Es ging um den winzigen Herzschlag unter ihrer Hand.
Ihr Baby.
Sieben Monate des Wartens.
Sieben Monate voller Träume.
Sieben Monate, in denen sie sich ein kleines Gesicht, winzige Finger und den ersten Moment vorstellte, in dem sie endlich das Kind halten würde, für das sie und Marcus so hart gekämpft hatten.
“Bitte…”
Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
“Bitte sei in Ordnung.”
Die luxuriöse Krankenhaussuite war still.
Zu still.
Die Art von Stille, die kommt, wenn etwas Unwiderrufliches passiert ist.
Die Art von Stille, bei der jeder die Wahrheit kannte, bevor jemand es wagte, sie auszusprechen.
Auf der anderen Seite des Raumes stand Isabella Rossi vollkommen still.
Ihr karminrotes Abendkleid blieb unberührt.
Ihre Diamantohrringe fingen immer noch das Licht des Kronleuchters ein.
Ihr Haar war immer noch perfekt gestylt.
Sie sah genauso aus wie die Frau, die vor dreißig Minuten den Raum betreten hatte.
Elegant.
Wunderschön.
Mächtig.
Nur konnten jetzt alle etwas anderes sehen.
Die Zufriedenheit in ihren Augen.
Die völlige Abwesenheit von Reue.
Khloe hob langsam den Blick.
Jahrelang hatten die Leute ihr gesagt, Isabella sei gefährlich.
Aber Khloe hatte ihnen nie geglaubt.
Denn Isabella Rossi hatte die Kunst gemeistert, harmlos zu erscheinen.
Sie war die Frau, die zu warm umarmte.
Die Frau, die nach Streitigkeiten Blumen schickte.
Die Frau, die immer genau wusste, was sie sagen musste.
Die Frau, die bei Wohltätigkeitsveranstaltungen weinte, während die Kameras zusahen.
Alle liebten Isabella.
Alle vertrauten Isabella.
Außer Khloe.
Denn Khloe hatte die Momente gesehen, die sonst niemand bemerkte.
Das leichte Lächeln, wenn Marcus mit ihr stritt.
Wie Isabella seinen Arm eine Sekunde zu lange berührte.
Das stille Selbstvertrauen, das sie ausstrahlte, wann immer sie einen Raum betrat.
Als gehöre sie schon dorthin.
Als würde sie darauf warten, dass jemand anderes geht.
Und jetzt verstand Khloe es endlich.
Isabella hatte nie Freundschaft gewollt.
Sie wollte ihr Leben.
“Sieh dich an.”
flüsterte Isabella.
Ihre Stimme war ruhig.
Fast sanft.
“Du verstehst es immer noch nicht.”
Khloe legte eine Hand auf den Boden.
Ihre andere Hand blieb auf ihrem Bauch.
“Was hast du getan?”
Isabella legte den Kopf schief.
Der Ausdruck in ihrem Gesicht wirkte fast wie Mitleid.
“Ich habe dir eine Chance gegeben.”
Khloe starrte sie an.
“Eine Chance?”
“Ja.”
Isabella ging langsam durch den Raum.
Ihre Absätze klackten auf dem Marmorboden.
“Ich habe versucht, geduldig zu sein.”
“Ich habe versucht, höflich zu sein.”
“Ich habe versucht, dich leise verschwinden zu lassen.”
Khloes Augen verengten sich.
“Du bist verrückt.”
Ein kleines Lächeln erschien auf Isabellas Lippen.
“Nein.”
Sie sah sich in der Suite um.
Bei den teuren Möbeln.
Die Blumen.
Der private Krankenhausraum, der nur den wohlhabendsten Patienten vorbehalten war.
Die ganze Welt, die Khloe gehörte.
“Nein, Khloe.”
“Ich bin endlich ehrlich.”
Sie blieb ein paar Schritte entfernt stehen.
“Du solltest nie dauerhaft werden.”
Die Worte treffen härter als der Fall.
Khloe starrte sie an.
“Wovon redest du?”
Isabella verschränkte die Arme.
“Deine Rolle war einfach.”
Eine Pause.
“Heirate Marcus.”
Noch eine Pause.
“Gib ihm das Kind, das alle erwartet haben.”
Ihre Augen wurden kälter.
“Lass die Familie Thorne perfekt aussehen.”
Khloe spürte, wie sich ihre Brust zusammenzog.
“Und danach?”
Isabella lächelte.
“Danach…”
Sie beugte sich leicht vor.
“Du hättest deinen Platz kennen müssen.”
Einen Moment lang konnte Khloe nicht sprechen.
Denn sie hat endlich die Wahrheit erkannt.
Es ging nie um Eifersucht.
Es ging nie um Anziehung.
Es ging um Macht.
Isabella glaubte, sie verdiene alles, was Khloe hatte.
Die Ehe.
Der Name.
Die Familie.
Die Zukunft.
Khloe drückte sich langsam nach oben.
“Du musst gehen.”
Ihre Stimme war schwach.
Aber beständig.
“Jetzt.”
Isabella lachte leise.
Dieses Lachen war schlimmer als Wut.
Denn Wut bedeutete Gefühle.
Das war etwas anderes.
Selbstvertrauen.
“Du glaubst immer noch, Marcus wird dich wählen?”
Khloe erstarrte.
Isabella bemerkte es.
Und lächelte.
“Das ist der Teil, den ich niedlich finde.”
Sie trat näher.
“Du denkst, schwanger zu sein macht dich unantastbar.”
Khloes Hand zog sich fester um ihren Bauch.
“Nicht.”
Isabella ignorierte die Warnung.
“Du glaubst, ihm ein Kind zu schenken, bedeutet, dass er dir gehört.”
Ihre Stimme wurde leiser.
“Aber Männer wie Marcus bleiben nicht aus Liebe.”
“Sie bleiben aus Bequemlichkeit.”
Khloe sah sie an.
“Du weißt nichts über meine Ehe.”
Isabellas Gesichtsausdruck veränderte sich.
Nur ein wenig.
Aber genug.
Ein Anflug von Wut.
Ein Riss in der perfekten Maske.
“Oh, Khloe.”
“Ich weiß mehr über Marcus, als du je wissen wirst.”
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