„Ich weigerte mich, die Ergebnisse zu verbergen. Kurz darauf verschwand ich bei einer Erkundung. Ich konnte meine Unterlagen nicht mitnehmen. Sombra sollte sie zu einem sicheren Ort bringen.“
Mateo sah auf das Medaillon.
„Deshalb hat er das Zeichen.“
Auf dem Bildschirm erschien eine neue Nachricht.
„Die vollständigen Aufzeichnungen befinden sich im Archivraum.“
Daniel sah wieder in die Kamera.
„Mateo, wenn du hier bist, hast du Sombra befreit. Das bedeutet, dass jemand versucht hat, ihn daran zu hindern, zu seinem Ausgangspunkt zurückzukehren.“
Dann sagte er einen Satz, den Mateo niemals vergessen würde:
„Vertraue nicht jedem, der behauptet, mich zu kennen. Und gehe niemals allein weiter, wenn du nicht weißt, wem du gegenüberstehst.“
Die Aufnahme endete.
Der Bildschirm wurde schwarz.
Mateo stand regungslos da.
Sein Vater war vielleicht noch am Leben.
Und Sombra hatte ihn möglicherweise genau zu dem Ort geführt,
an dem die Suche beginnen musste.
Die Männer erreichen die Höhle
Plötzlich hörte Mateo Schritte.
Mehrere Menschen näherten sich dem Eingang.
„Sie müssen hier hineingegangen sein!“, rief eine Männerstimme.
Sombra sprang auf.
Sein Fell stellte sich auf, und er stellte sich schützend vor Mateo.
Der Junge schaltete die Taschenlampe aus.
Aus der Dunkelheit drangen Stimmen.
„Findet das Archiv!“, befahl jemand. „Wir dürfen nicht zulassen, dass der Junge die Daten mitnimmt.“
Mateo hielt den Atem an.
Er erinnerte sich an die Worte seines Vaters.
Vertraue nicht jedem, der behauptet, mich zu kennen.
Einer der Männer betrat den Raum.
Es war derselbe Mann, der den Wolf an die Kette gelegt hatte.
Er blickte auf den eingeschalteten Computer und fluchte leise.
„Er hat die Nachricht gesehen.“
Ein zweiter Mann trat hinter ihm hervor.
„Dann ist es jetzt zu spät. Wenn er die Unterlagen findet, erfahren alle, was damals wirklich passiert ist.“
„Nicht, wenn wir sie zuerst finden.“
Mateo wich langsam zurück.
Dabei stieß er mit dem Fuß gegen eine kleine Metallkiste.
Das Geräusch hallte durch den Raum.
Sofort drehten sich die Männer um.
„Wer ist da?“
Sombra knurrte.
Der erste Mann hob beschwichtigend die Hände.
„Ganz ruhig, Junge. Wir wollen dir nichts tun.“
Mateo antwortete nicht.
„Wir kannten deinen Vater“, sagte der Mann. „Wir können dir helfen, ihn zu finden.“
Mateo dachte an die Aufnahme.
Vertraue nicht jedem, der behauptet, mich zu kennen.
„Wenn Sie meinen Vater kannten“, fragte er, „warum haben Sie dann Sombra angekettet?“
Der Mann schwieg einen Augenblick.
Dann setzte er ein Lächeln auf.
„Wir mussten ihn daran hindern, wegzulaufen.
“
Mateo sah ihn an.
„Ein Wolf, der seit Tagen in der Sonne liegt, kann nicht einfach weglaufen.“
Das Lächeln des Mannes verschwand.
Sombra stellte sich noch dichter neben den Jungen.
In diesem Moment ertönte aus dem hinteren Teil der Höhle ein lauter Alarm.
Rotes Licht flackerte über die Wände.
Auf dem Computer erschien eine neue Meldung:
„Archivzugang geöffnet. Notfallaufzeichnung verfügbar.“
Die Männer drehten sich erschrocken um.
„Nein!“, rief der ältere von ihnen. „Das darf nicht passieren!“
Mateo erkannte seine Chance.
Er lief mit Sombra durch einen schmalen Seitengang, den er zuvor hinter einer Reihe von Kisten entdeckt hatte.
Der Gang führte tiefer in den Felsen.
Hinter ihnen riefen die Männer durcheinander.
Doch Mateo lief weiter.
Schließlich erreichten sie eine kleine Kammer.
In ihrer Mitte stand ein Metallkasten.
Darauf klebte ein vergilbtes Etikett mit den Worten:
„Für Mateo – von deinem Vater.
“
Mit zitternden Händen öffnete der Junge den Verschluss.
Im Inneren lagen ein Notizbuch, eine kleine Speicherkarte und ein gefalteter Brief.
Mateo öffnete zuerst den Brief.
Die Schrift war dieselbe wie auf dem Foto.
„Mein lieber Mateo,
wenn du dies liest, hast du wahrscheinlich Sombra gefunden. Er ist ein treuer Freund. Bitte vergiss niemals, dass auch die stärksten Wesen Hilfe brauchen können.
Ich weiß nicht, ob ich dich jemals wiedersehen werde. Aber ich möchte, dass du eines Tages verstehst, warum ich gegangen bin.
Die Entdeckung unter dieser Wüste gehört nicht mir. Sie gehört den Menschen, die hier leben. Und niemand darf ihnen die Hoffnung nehmen, nur weil er daraus Gewinn machen möchte.
Wenn du die Wahrheit erfahren willst, suche nach dem Ort, an dem drei Sterne aufeinanderzeigen.
Dort wirst du herausfinden, was mit mir geschehen ist.
In Liebe, dein Papa.“
Mateo drückte den Brief an seine Brust.
Dann sah er zu Sombra.
Der Wolf stand vor einer Felswand am Ende der Kammer.
Dort waren drei Sterne in den Stein geritzt.
Und genau zwischen ihnen befand sich ein schmaler Spalt.
Mateo schob die Hand hinein und entdeckte einen verborgenen Hebel.
Als er ihn bewegte, begann die Felswand langsam zur Seite zu gleiten.
Dahinter lag ein schmaler Tunnel.
Aus der Tiefe kam ein Geräusch.
Ein Husten.
Dann eine heisere Stimme.
„Wer ist da?“
Mateo trat näher.
„Ich heiße Mateo Ramírez.“
Lange antwortete niemand.
Dann hörte er drei Worte, die ihm den Boden unter den Füßen wegzuziehen schienen.
„Mateo … mein Sohn?“
Der Junge begann zu weinen.
„Papa?“
Eine Gestalt bewegte sich im Halbdunkel.
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