Diesmal gab es keine Musik, keine Kellner und keine anderen Gäste.

Nur einen langen Tisch, zwei Stühle und einen verschlossenen Aktenschrank.

Victor legte eine weitere Mappe auf den Tisch.

„Ich habe die ursprüngliche Vereinbarung gefunden“, sagte er.

Laura setzte sich.

„Die echte Vereinbarung?“

„Eine beglaubigte Kopie.“

Er öffnete die Mappe und zeigte ihr die letzte Seite.

Dort standen mehrere Unterschriften.

Eine gehörte Daniels Vater.

Eine gehörte Victors Vater.

Und eine dritte war mit einem Namen versehen, den Laura noch nie gehört hatte.

„Wer ist das?“

Victor antwortete nicht sofort.

„Ein früherer Treuhänder der Familie Bennett.“

„Warum ist seine Unterschrift wichtig?“

„Weil er wenige Monate nach der Unterzeichnung verschwunden ist.“

Laura hob den Blick.

„Verschwunden?“

„Er verließ das Land. Niemand weiß genau, wohin er ging. Doch bevor er verschwand, hinterließ er eine schriftliche Erklärung.“

Victor zog ein weiteres Blatt hervor.

„In dieser Erklärung behauptete er, dass ein Teil der Beteiligungsvereinbarung verändert worden sei, nachdem alle Parteien unterschrieben hatten.“

Laura las die Zeilen langsam.

Wenn die Behauptung stimmte, könnte sie erklären, warum die Eigentumsverhältnisse des Unternehmens so kompliziert waren.

Doch sie konnte nicht erkennen, ob das Dokument echt war.

„Warum hat Daniel das nicht öffentlich gemacht?“

Victor lächelte schmal.

„Vielleicht, weil er wusste, dass es Fragen aufwerfen würde.“

„Oder vielleicht, weil die Erklärung gefälscht ist.“

Sein Lächeln verschwand.

„Sie sollten vorsichtig sein, Frau Bennett.“

„Ich bin vorsichtig. Deshalb frage ich.“

Victor schloss die Mappe.

„Sie wollen Antworten? Dann müssen Sie verstehen, dass Antworten ihren Preis haben.“

Laura stand auf.

„Ich werde die Unterlagen von einem unabhängigen Anwalt prüfen lassen.“

Victor blieb ruhig.

„Tun Sie das.“

Sie nahm ihre Tasche.

„Und ich werde Daniel nicht hintergehen, nur weil ich wütend auf ihn bin.“

Victor sah sie mit einem Ausdruck an, den sie nicht deuten konnte.

„Sie sind immer noch in ihn verliebt.“

Laura antwortete nicht.

Sie ging zur Tür.

Hinter ihr sagte Victor:

„Dann hoffe ich, dass Sie rechtzeitig herausfinden, wer er wirklich ist.“

Als sie das Gebäude verließ, fühlte sie sich nicht mehr so sicher wie zuvor.

Victor hatte ihr Antworten versprochen.

Doch jedes neue Dokument brachte weitere Fragen hervor.

Und eine davon ließ sie nicht los.

Wenn Daniel tatsächlich der rechtmäßige Eigentümer des Unternehmens war, warum schien Victor so überzeugt davon, dass er seine Kontrolle verlieren könnte?

Laura wusste, dass sie den nächsten Schritt nicht allein machen durfte.

Am nächsten Morgen würde sie einen unabhängigen Anwalt aufsuchen.

Nicht, um Daniel zu schaden.

Sondern um herauszufinden, ob jemand versuchte, sie beide zu manipulieren.

Denn vielleicht war der größte Fehler ihres Lebens nicht nur gewesen, ihren Mann zu unterschätzen.

Vielleicht hatte sie auch den falschen Menschen vertraut.

Fortsetzung folgt …

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