Sie las den Namen.

Dann las sie ihn noch einmal.

„Nein“, flüsterte sie.

Daniel sagte nichts.

„Das ist ein Scherz.“

„Nein“, antwortete er ruhig.

Sie lachte nervös.

„Du willst mir erzählen, dass du diese Firma besitzt?“

„Ja.“

„Seit wann?“

„Seit ihrer Gründung.“

Laura spürte, wie ihr Gesicht heiß wurde.

„Du hast mich belogen.“

Daniel sah sie ernst an.

„Ich habe dir nie erzählt, dass ich arm bin. Ich habe dir nie gesagt, dass ich nicht erfolgreich bin. Du hast nur angenommen, dass mein Leben weniger wert ist, weil ich nicht mit meinem Geld geprahlt habe.“

„Du hättest es mir sagen müssen!“

„Vielleicht hätte ich das tun sollen. Aber meine finanzielle Situation ändert nichts an dem, was gestern Abend passiert ist.“

Laura öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder.

Richard unterbrach sie.

„Wir sind heute nicht hier, um Ihre Ehe zu besprechen. Wir sind hier, um eine Personalentscheidung zu überprüfen.“

Die Leiterin der Personalabteilung öffnete ihre Mappe.

„Frau Bennett, die Beförderung zur Co-Geschäftsführerin wurde auf Grundlage Ihrer bisherigen Leistungen beschlossen. Diese Leistungen stehen nicht infrage. Allerdings wurden seit gestern Abend neue Informationen vorgelegt, die eine Prüfung Ihrer Eignung für die Position erforderlich machen.“

Laura richtete sich auf.

„Welche Informationen?“

Die Personalchefin sah sie direkt an.

„Es geht um Ihre Äußerungen über Mitarbeiter, Ihre Kommunikation mit Geschäftspartnern und mehrere Beschwerden, die in den vergangenen Monaten eingegangen sind.“

Laura wurde blass.

„Das ist lächerlich.“

„Wir haben die Beschwerden dokumentiert“, sagte Richard. „Bislang wurden sie nicht als ausreichend angesehen, um weitere Maßnahmen einzuleiten. Jetzt werden sie erneut geprüft.“

„Weil mein Mann der Eigentümer ist?“

Daniel antwortete sofort.

„Nein. Weil eine Führungskraft für ihr Verhalten Verantwortung tragen muss.“

Laura schlug die Hand auf den Tisch.

„Das ist Rache! Du kannst mich nicht einfach entlassen, nur weil ich gesagt habe, dass wir nicht mehr zusammenpassen!“

Daniel blieb ruhig.

„Ich werde dich nicht aufgrund eines privaten Streits entlassen. Aber ich werde auch nicht zulassen, dass persönliche Beziehungen verhindern, dass die Unternehmensleitung berechtigte Beschwerden prüft.“

Die Rechtsberaterin schob ein weiteres Dokument nach vorn.

„Bis zum Abschluss der Prüfung werden Sie von Ihren geschäftsführenden Aufgaben freigestellt. Diese Maßnahme ist vorläufig und wird gemäß den geltenden Unternehmensregeln umgesetzt.“

Laura starrte auf das Papier.

„Freigestellt?“

„Ja.“

„Ihr könnt das nicht tun! Ich bin die neue Co-Geschäftsführerin!“

Richard antwortete ruhig:

„Die Ernennung zu einer Führungsposition ist keine Garantie dafür, dass man unabhängig von späteren Erkenntnissen dauerhaft in dieser Funktion bleibt.“

Laura wandte sich an Daniel.

„Du kannst nicht zulassen, dass sie mir das antun.“

Er sah sie lange an.

„Ich kann nicht für dich entscheiden, welche Konsequenzen dein Verhalten hat.“

„Daniel, bitte.“

Es war das erste Mal seit dem Vorabend, dass sie seinen Namen ohne Verachtung aussprach.

Doch Daniel senkte den Blick auf die Unterlagen.

„Die Sitzung ist beendet.“

Laura blieb sitzen.

Alle anderen standen auf und verließen den Raum.

Als die Tür sich schloss, waren nur noch sie und Daniel dort.

Sie sah ihn an, als würde sie ihn zum ersten Mal erkennen.

„Du hast alles geplant.“

„Nein.“

„Du wusstest, dass das passieren würde.“

„Ich wusste, dass du heute hierherkommen würdest. Ich wusste auch, dass die Personalabteilung eine Prüfung durchführen wollte. Aber ich habe nicht jedes Ergebnis im Voraus bestimmt.“

„Und jetzt? Was willst du noch von mir?“

Daniel nahm einen Umschlag aus seiner Mappe.

Er legte ihn vor sie.

„Die Scheidungspapiere. Mein Anwalt wird sie dir noch einmal offiziell zustellen lassen, damit alles korrekt abgewickelt wird.“

Laura blickte auf den Umschlag.

„Du meinst das wirklich.“

„Ja.“

Sie stand so abrupt auf, dass ihr Stuhl zurückrutschte.

„Ich habe dich geliebt!“

Daniel sah sie an.

„Ich habe dich auch geliebt.“

„Dann kämpf um mich!“

Seine Stimme wurde leiser.

„Ich habe jahrelang versucht, mit dir zu reden. Ich habe versucht, dir zu erklären, dass ich nicht dein Gegner bin. Ich habe deine Erfolge gefeiert, selbst wenn du angefangen hast, dich für etwas Besseres zu halten. Ich habe gehofft, dass du irgendwann erkennst, dass eine Ehe kein Wettbewerb ist.“

Laura schüttelte den Kopf.

„Das ist unfair.“

„Vielleicht fühlt es sich für dich unfair an. Aber ich werde nicht länger so tun, als wäre nichts passiert.“

Er stand auf und ging zur Tür.

Laura folgte ihm.

„Daniel!“

Er blieb stehen, drehte sich aber nicht um.

„Wenn du jetzt gehst, ist alles vorbei!“

Er antwortete erst nach einigen Sekunden.

„Laura, gestern Abend hast du mir gesagt, dass ich nicht mehr zu deinem Leben gehöre.“

Dann öffnete er die Tür.

„Ich glaube, ich sollte dir glauben.“

Er ging hinaus.

Und diesmal war Laura diejenige, die allein im Raum zurückblieb.

Kapitel 4: Die Nachricht auf dem Schreibtisch

Um 11:40 Uhr saß Laura in ihrem Büro und starrte auf die Personalakte, die man ihr überlassen hatte.

Sie konnte nicht glauben, wie schnell sich alles verändert hatte.

Am Morgen hatte sie geglaubt, sie würde die mächtigste Phase ihres Lebens beginnen.