Sie verglich ihre Wohnung mit den Häusern ihrer Vorgesetzten.

Und schließlich begann sie, ihren Mann selbst mit den Männern zu vergleichen, die sie bei Geschäftsveranstaltungen kennenlernte.

Daniel hatte es bemerkt.

Er hatte versucht, mit ihr darüber zu sprechen.

Doch Laura hatte jedes Mal behauptet, er sei unsicher und wolle sie bremsen.

Nun saß er in seinem Büro und betrachtete die Unterlagen vor sich.

Neben ihm stand Richard Coleman, der Vorstandsvorsitzende der Unternehmensgruppe.

Richard war Anfang sechzig, hatte graues Haar und einen Ruf, der selbst erfahrene Investoren vorsichtig werden ließ.

Er kannte Daniel seit dessen ersten Geschäftsjahren.

„Bist du sicher, dass du das tun willst?“, fragte Richard.

Daniel blickte aus dem Fenster.

„Welche Entscheidung meinst du?“

Richard deutete auf die Personalakte.

„Du weißt genau, welche.“

Daniel schwieg.

„Laura ist eine gute Führungskraft“, fuhr Richard fort. „Sie hat die Marketingabteilung neu organisiert und mehrere wichtige Kunden gewonnen. Sie ist ehrgeizig. Manchmal zu ehrgeizig, aber das allein ist kein Grund, jemanden zu entlassen.“

„Ich weiß.“

„Dann geht es also nicht nur um das, was gestern Abend passiert ist.“

Daniel legte die Hände auf den Schreibtisch.

„Nein. Es geht darum, dass Laura für eine Position ausgewählt wurde, in der sie nicht nur ihre eigenen Interessen vertreten darf. Sie soll Entscheidungen treffen, die Tausende Mitarbeiter betreffen. Und ich muss wissen, ob sie versteht, was Verantwortung bedeutet.“

Richard musterte ihn.

„Und wenn sie sich ändern kann?“

Daniel sah auf die Personalakte.

„Dann wird sie eine faire Chance bekommen, das zu beweisen.“

Richard nickte langsam.

„Gut. Denn wenn du diesen Schritt gehst, darf niemand behaupten, du hättest deine private Beziehung benutzt, um eine berufliche Entscheidung zu rechtfertigen.“

„Deshalb werden alle Unterlagen geprüft. Ihre Beförderung wurde vom zuständigen Ausschuss beschlossen. Die Entscheidung über ihre Position muss ebenfalls nach den geltenden Regeln erfolgen.“

Richard schloss die Akte.

„Dann sollten wir uns an die Arbeit machen.“

Daniel nickte.

Doch als Richard das Büro verlassen hatte, blieb Daniel noch lange sitzen.

Er wusste, dass dieser Tag nicht nur Lauras Karriere verändern würde.

Er würde auch entscheiden, ob von ihrer Ehe überhaupt noch etwas zu retten war.

Kapitel 3: Der neue Titel

Um 8:55 Uhr betrat Laura die Lobby des Unternehmensgebäudes.

Die Rezeptionistin lächelte höflich.

„Guten Morgen, Frau Bennett.“

Laura blieb kurz stehen.

Normalerweise hätte sie sich über die Anrede gefreut.

Heute störte sie sich daran.

„Frau Bennett-Co-Geschäftsführerin“, korrigierte sie scherzhaft.

Die Rezeptionistin lachte unsicher.

Laura ging weiter, ohne sich umzudrehen.

Im Aufzug standen zwei Mitarbeiter aus der Finanzabteilung. Als sie sie erkannten, begrüßten sie sie respektvoll.

„Herzlichen Glückwunsch zur Beförderung“, sagte einer von ihnen.

„Vielen Dank.“

„Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.“

„Das werden Sie auch“, erwiderte Laura mit einem selbstbewussten Lächeln.

Als die Aufzugtüren sich öffneten, trat sie in den Korridor der Geschäftsführung.

Dort war alles still.

Einige Mitarbeiter standen vor den Büros und unterhielten sich leise. Als Laura vorbeiging, verstummten sie kurz.

Sie interpretierte ihre Reaktion als Respekt.

Erst als sie an ihrem neuen Büro ankam, bemerkte sie, dass ihr Name noch nicht an der Tür stand.

Sie runzelte die Stirn.

Auf dem Schreibtisch lag lediglich eine Mappe.

Darin befand sich ein Schreiben der Personalabteilung.

Sehr geehrte Frau Bennett,

bitte finden Sie sich um 9:30 Uhr im Konferenzraum A ein. Die Geschäftsführung hat eine außerordentliche Sitzung einberufen.

Laura runzelte die Stirn.

Eine Sitzung am ersten Arbeitstag?

Das war ungewöhnlich.

Doch sie beschloss, es als Zeichen ihrer neuen Verantwortung zu betrachten.

Sie setzte sich, öffnete ihren Laptop und begann, ihre erste Präsentation vorzubereiten.

Um 9:20 Uhr erhielt sie eine Nachricht von einer Kollegin.

Weißt du, was heute los ist? Richard ist schon seit sieben Uhr da. Auch die Rechtsabteilung wurde einbestellt.

Laura antwortete:

Wahrscheinlich geht es um die neue Organisationsstruktur.

Sie legte das Telefon weg.

Doch ein ungutes Gefühl machte sich in ihr breit.

Als sie um 9:30 Uhr den Konferenzraum betrat, waren fast alle Plätze besetzt.

Richard saß am Kopfende des Tisches.

Neben ihm saßen zwei Mitglieder des Aufsichtsgremiums, die Leiterin der Personalabteilung und ein Mann aus der Rechtsabteilung.

Laura lächelte.

„Guten Morgen zusammen.“

Niemand erwiderte ihr Lächeln.

Richard deutete auf den freien Platz gegenüber von ihm.

„Bitte setzen Sie sich, Frau Bennett.“

Sie setzte sich.

„Geht es um meine Beförderung?“

Richard faltete die Hände.

„Unter anderem.“

Die Tür öffnete sich erneut.

Daniel trat ein.

Laura erstarrte.

Für einen Augenblick vergaß sie, wo sie war.

„Was machst du hier?“

Daniel nahm auf dem Platz neben Richard Platz.

„Guten Morgen, Laura.“

„Ich habe dich etwas gefragt.“

Richard räusperte sich.

„Frau Bennett, bevor wir beginnen, sollten Sie wissen, dass Daniel Bennett nicht nur ein externer Berater ist, wie Sie möglicherweise angenommen haben.“

Laura sah zwischen den beiden Männern hin und her.

„Was soll das heißen?“

Richard schob ein Dokument über den Tisch.

„Daniel ist Gründer und Mehrheitseigentümer der Bennett International Group.“

Es wurde vollkommen still.

Laura blickte auf das Dokument.