„Das weiß ich noch nicht“, antwortete Claire. „Aber ich glaube, wir haben erst die Oberfläche gesehen.“

„Haben Sie einen Namen?“

„Laurent Maréchal.“

Wieder eine Pause.

Dann hörte Claire die Stimme der Ermittlerin, diesmal deutlich ernster.

„Claire, hör mir gut zu. Wenn es um Maréchal geht, müssen wir besonders vorsichtig sein.“

„Warum?“

Die Antwort ließ Claire erstarren.

„Weil sein Name schon einmal in einem internen Bericht aufgetaucht ist. Und weil dieser Bericht damals auf mysteriöse Weise aus dem System verschwunden ist.“

Claire hielt das Handy fester.

„Wann?“

„Am 14. März.“

Sie schloss die Augen.

Es war also kein Zufall.

Der Bericht, die Geldforderungen und die Angst der Beamten könnten Teile derselben Geschichte sein.

Doch bevor Claire weitere Fragen stellen konnte, fügte die Ermittlerin hinzu:

„Es gibt noch etwas, das du wissen musst. Damals wurde die Untersuchung nicht eingestellt, weil die Beweise fehlten.“

„Warum dann?“

Die Antwort kam leise.

„Weil jemand aus der Direktion persönlich dafür gesorgt hat.“

Claire blickte auf die Lichter des Festsaals.

Sie war zur Hochzeit ihres Bruders gekommen, um für einen Tag die Verantwortung abzugeben.

Stattdessen hatte sie einen Fall entdeckt, der möglicherweise bis in die Führungsebene reichte.

Und nun stand sie vor einer Frage, die gefährlicher war als alles, was Laurent ihr an diesem Nachmittag angedroht hatte:

Wer innerhalb der Polizei hatte so viel Macht, dass sogar ein offizieller Ermittlungsbericht verschwinden konnte?

Claire verabschiedete sich von der Ermittlerin und steckte das Handy ein.

Am Montag würde sie die Untersuchung in Gang setzen.

Diesmal würde sie dafür sorgen, dass jeder Schritt dokumentiert wurde.

Denn Laurent Maréchal hatte geglaubt, er könne eine unbekannte Frau in einem roten Kleid einschüchtern und in einer Zelle zum Schweigen bringen.

Er hatte nicht gewusst, wer sie war.

Aber noch wichtiger war etwas anderes:

Er hatte nicht verstanden, dass Gerechtigkeit nicht davon abhängen darf, welchen Namen jemand trägt – und dass selbst eine Polizeikommissarin manchmal erst zuhören muss, bevor sie handeln kann.

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