„Wenn jemand wegen Ihrer Familie hinter mir her ist, muss ich Lucía von hier wegbringen.“

„Ich werde dafür sorgen, dass Sie beide sicher nach Hause kommen“, sagte Damián.

„Ich will keine bewaffneten Männer vor meiner Tür.“

„Dann werden keine bewaffneten Männer vor Ihrer Tür stehen. Wir werden eine andere Lösung finden.“

„Und ich will nicht, dass Sie meiner Tochter etwas über Ihre Familie erzählen, bevor wir die Wahrheit kennen.“

„Einverstanden.“

Marisol atmete langsam aus.

Zum ersten Mal hatte sie das Gefühl, dass er ihr tatsächlich zuhörte.

Doch gerade als sie sich zum Gehen wandte, klingelte sein Telefon.

Damián nahm ab.

„Ja?“

Er hörte zu.

Sein Gesicht wurde ausdruckslos.

„Wann?“

Eine Pause.

„Sind Sie sicher?“

Dann legte er auf.

Marisol sah ihn an.

„Was ist passiert?“

Damián antwortete nicht sofort.

Stattdessen öffnete er die Mappe erneut und zog ein Dokument heraus, das Rafael offenbar erst jetzt entdeckt hatte.

Es war eine alte Geburtsurkunde.

Der Name des Kindes war kaum lesbar, aber das Geburtsdatum stimmte mit dem Datum auf dem Foto überein.

Und unter dem Namen der Mutter stand:

Isabel Vega.

Marisol spürte, wie ihre Beine nachgaben.

Damián fing das Dokument auf, bevor es zu Boden fiel.

„Marisol“, sagte er vorsichtig, „ich glaube, Ihre Mutter hat uns all die Jahre etwas verschwiegen.“

Sie schüttelte den Kopf.

„Nein. Das ist unmöglich.“

Doch dann bemerkte sie etwas am unteren Rand der Urkunde.

Eine handschriftliche Notiz.

Damián las sie zuerst.

Und zum ersten Mal sah Marisol, wie der mächtige Mann wirklich die Fassung verlor.

Auf dem Papier stand:

„Das Kind darf niemals erfahren, wer seinen Vater getötet hat.“

Marisol hob den Blick.

„Wer hat Esteban Salvatierra getötet?“

Damián antwortete nicht.

Denn in diesem Moment öffnete sich die Tür.

Ein Wachmann trat hastig ein und sagte:

„Señor, Mateo ist hier. Er behauptet, er müsse dringend mit Ihnen sprechen.“

Damián schob die Geburtsurkunde in die Mappe.

Seine Stimme war eiskalt.

„Lassen Sie ihn herein.“

Marisol stellte sich neben den Tisch.

Wenige Sekunden später erschien Mateo Salvatierra in der Tür. Er trug einen eleganten Anzug und ein freundliches Lächeln, als wäre nichts geschehen.

Doch als er Marisol sah, verschwand das Lächeln.

Sein Blick wanderte zu dem Foto auf dem Tisch.

Dann zur Geburtsurkunde.

Und schließlich zu Damián.

„Du hast sie also gefunden“, sagte Mateo leise.

Damián stand auf.

„Wen meinst du?“

Mateo schluckte.

Für einen kurzen Moment sah er aus wie ein Mann, der begriffen hatte, dass seine letzte Lüge gerade zerbrochen war.

Dann sah er Marisol direkt an.

„Sie hätten niemals in diese U-Bahn steigen dürfen.“

Marisol wurde eiskalt.

Damián trat zwischen die beiden.

„Was weißt du über sie?“

Mateo wich zurück.

„Mehr, als du dir vorstellen kannst.“

Dann blickte er wieder zu Marisol und sagte die Worte, die alles veränderten:

„Lucía ist nicht nur die Tochter deines Bruders, Damián. Sie ist der einzige Mensch, der beweisen kann, wer Esteban wirklich getötet hat.“

Marisol konnte kaum atmen.

Damián stand regungslos da.

Und Mateo lächelte plötzlich wieder.

Denn er wusste etwas, das die beiden noch nicht wussten.

Der Mann, der Esteban Salvatierra getötet hatte, war noch immer am Leben. Und er befand sich bereits innerhalb der Mauern des Anwesens.

Fortsetzung folgt in Teil 3 …

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