Darunter stand eine Adresse.

Und ein Name.

Tomás Salgado.

Valeria hob langsam den Kopf.

„Wer ist Tomás Salgado?“

Gabriel sah aus, als hätte ihm jemand die Luft aus der Brust geschlagen.

„Mein engster Vertrauter.“

## 3. Der Verräter sitzt am selben Tisch

Für einige Sekunden sagte niemand ein Wort.

Dann nahm Gabriel sein Handy heraus.

„Rafael“, befahl er, als jemand abhob. „Sperre den Zugang zu sämtlichen alten Lagerakten. Niemand darf etwas entfernen. Niemand.“

Er hörte zu.

Sein Gesicht wurde härter.

„Und finde Tomás.“

Er beendete das Gespräch.

Valeria beobachtete ihn aufmerksam.

„Sie glauben, Ihr eigener Mann steckt dahinter?“

„Ich glaube nicht an Zufälle.“

„Das ist keine Antwort.“

„Tomás arbeitet seit zwölf Jahren für mich. Er kennt meine Geschäfte, meine Mitarbeiter und meine privaten Angelegenheiten. Wenn jemand die Untersuchungen damals sabotieren konnte, dann jemand, dem ich vertraut habe.“

„Und Sie haben ihm zwölf Jahre lang vertraut.“

„Ja.“

„Dann sollten Sie vielleicht Ihre Menschenkenntnis überprüfen lassen.“

Ein leises, unerwartetes Lachen entwich Gabriel.

Valeria starrte ihn an.

„Was ist daran lustig?“

„Nichts. Ich versuche nur herauszufinden, wie Sie es schaffen, mich gleichzeitig zu beleidigen und mir zu helfen.“

„Das ist ein Talent. Sie sollten es sich leisten können.“

Er lächelte kurz, doch seine Augen blieben ernst.

„Valeria, hören Sie mir zu. Wenn Ihr Vater damals Beweise gegen Tomás gesammelt hat, könnte es gefährlich werden, sie zu finden.“

„Für Sie oder für mich?“

„Für uns beide.“

„Ich bin nicht Ihre Partnerin.“

„Noch nicht.“

„In Ihren Träumen, Serrano.“

Diesmal lachte er nicht.

Stattdessen schob er ihr die Metallbox hin.

„Nehmen Sie sie mit. Aber zeigen Sie niemandem, was darin liegt.“

Valeria nahm die Box an sich.

„Ich lasse mich von Ihnen nicht herumkommandieren.“

„Das habe ich inzwischen verstanden.“

„Und ich werde Ihnen nicht blind vertrauen.“

„Das verlange ich nicht.“

Er zog eine Karte aus seiner Tasche und legte sie auf den Tisch.

„Das ist die Adresse des alten Depots. Dort wurden die Fahrzeuge geprüft, bevor Ihr Vater starb. Vielleicht finden Sie dort weitere Unterlagen.“

Valeria betrachtete die Karte, ohne sie anzufassen.

„Warum geben Sie mir das?“

„Weil Ihr Vater die Wahrheit verdient.“

Sie musterte ihn lange.

„Und was verdienen Sie?“

Gabriel antwortete erst nach einigen Sekunden.

„Eine Gelegenheit, herauszufinden, ob ich damals versagt habe.“

Valeria steckte die Karte ein.

„Eine Gelegenheit. Mehr nicht.“

„Mehr verlange ich nicht.“

Sie drehte sich um und ging.

Doch kurz bevor sie die Halle verließ, hörte sie Gabriel hinter sich sprechen.

„Valeria.“

Sie blieb stehen, ohne sich umzudrehen.

„Wenn Tomás Sie kontaktiert, treffen Sie ihn nicht allein.“

„Und wenn ich es trotzdem tue?“

„Dann werde ich sehr wütend sein.“

Valeria drehte sich nun doch um.

„Oh nein. Bitte nicht. Was soll ich nur tun, wenn der mächtige Gabriel Serrano wütend wird?“

Er sah sie mit diesem schwer zu deutenden Ausdruck an.

„Sie sollten sich Sorgen machen, wenn ich aufhöre, wütend zu werden.“

Zum ersten Mal antwortete Valeria nicht sofort.

Denn sie glaubte ihm.

## 4. Ein Anruf, der alles veränderte

Zurück in ihrer Werkstatt legte Valeria die Metallbox auf die Werkbank.

Sie hatte Gabriel nicht geglaubt, als er behauptete, ihr Vater habe für ihn gearbeitet. Doch das Foto und der Brief waren Beweise, die sie nicht ignorieren konnte.

Sie musste wissen, was damals geschehen war.

Zuerst rief sie Iván an.

Keine Antwort.

Sie versuchte es erneut.

Wieder nichts.

Valeria fluchte leise und ging in sein Zimmer. Das Bett war unberührt. Auf dem Nachttisch lag sein Handy-Ladegerät, aber sein Schlüsselbund war verschwunden.

Ihr Herz begann schneller zu schlagen.

Dann bemerkte sie einen Zettel unter der Tür.

„Vale, ich muss etwas klären. Bitte such nicht nach mir. Es tut mir leid.“

Sie zerknüllte das Papier.

„Idiot“, murmelte sie. „Du verdammter Idiot.“

Doch ihre Wut konnte die Angst nicht vertreiben.

In diesem Moment klingelte ihr Telefon.

Eine unbekannte Nummer.

„¿Bueno?“

Zunächst hörte sie nur Atemgeräusche.

Dann eine Männerstimme.

„Sie haben die Box gefunden.“

Valeria erstarrte.

„Wer ist da?“

„Das spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass Sie verstehen, was Ihr Vater damals getan hat.“

„Wenn Sie etwas wissen, sagen Sie es.“

Der Mann lachte leise.

„Ihr Vater war kein unschuldiger Zuschauer. Er hat Beweise gesammelt, die mächtige Menschen zerstören konnten. Und er hat sie nicht alle Gabriel Serrano gegeben.“

Valeria griff fester nach dem Telefon.

„Wo sind die restlichen Beweise?“

„Fragen Sie Ihren Bruder.“

„Was haben Sie mit Iván gemacht?“

„Noch nichts.“

Die Antwort ließ ihr Blut gefrieren.

„Wenn Sie ihm etwas antun—“

„Dann sollten Sie dafür sorgen, dass Gabriel Serrano die Wahrheit niemals erfährt.“

Die Verbindung brach ab.

Valeria stand reglos in der Werkstatt.

Dann sah sie auf den Messingschlüssel in der geöffneten Box.

Auf seiner Rückseite war eine winzige Zahl eingraviert.

214\.

Sie erinnerte sich an die Adresse auf dem Brief.

Das alte Depot.

Dort gab es einmal Schließfächer für technische Dokumente. Ihr Vater hatte sie als Kind gelegentlich dorthin mitgenommen, wenn er Ersatzteile abholte.