Während sich in der Villa vieles veränderte, verschlechterte sich Annas finanzielle Lage.

Ihr Vermieter hatte die Miete erhöht. Falls sie die zusätzlichen Kosten nicht tragen konnte, musste sie sich innerhalb weniger Wochen eine andere Wohnung suchen.

Anna rechnete jeden Abend nach.

Sie nahm weitere Reinigungsarbeiten an, achtete auf ihre Ausgaben und versuchte, möglichst viel für Sofia zurückzulegen.

Trotzdem reichte das Geld kaum aus.

Eines Abends saß sie vor einem Stapel Rechnungen, als Sofia aus ihrem Zimmer kam.

„Mama, bist du traurig?“

Anna sah auf.

„Nein, Liebling. Ich bin nur müde.“

Sofia kletterte auf ihren Schoß.

„Liegt es an den Briefen?“

Anna schwieg.

„Du guckst immer so, wenn du die Briefe ansiehst“, erklärte das Mädchen.

Anna nahm sie in die Arme.

„Wir haben gerade ein paar Schwierigkeiten. Aber ich kümmere mich darum.“

Am nächsten Arbeitstag bemerkte Alexander, dass Anna ungewöhnlich schweigsam war.

„Ist etwas passiert?“

„Nein, Herr Romano.“

„Sie wirken besorgt.“

Anna wollte zunächst ausweichen.

Doch schließlich erzählte sie von der Mieterhöhung und ihrer Angst, mit Sofia die Wohnung zu verlieren.

Alexander hörte zu.

„Warum haben Sie nichts gesagt?“

„Weil ich nicht möchte, dass Sie glauben, ich erwarte Geld von Ihnen.“

Alexander dachte nach.

„Ich möchte Ihnen auch keine Almosen anbieten.“

Anna nickte erleichtert.

„Das würde ich nicht wollen.“

„Allerdings wird in unserer Hausverwaltung eine Stelle frei. Die Aufgaben sind umfangreicher, aber die Arbeitszeiten sind geregelter, und das Gehalt ist höher.“

Anna sah ihn überrascht an.

„Sie würden mich dafür in Betracht ziehen?“

„Ja.“

„Aber ich habe noch nie in einer solchen Position gearbeitet.“

„Das lässt sich lernen. Sie haben sich hier als zuverlässig erwiesen und zeigen jeden Tag, dass Sie Verantwortung übernehmen können.“

Anna konnte kaum sprechen.

„Das wäre eine große Chance für mich.“

„Dann sollten Sie sich die Stelle ansehen und mit unserer Personalabteilung über die Bedingungen sprechen.“

Anna nickte.

„Sehr gern.“

Als sie später die Villa verließ, war ihre Sorge nicht vollständig verschwunden.

Aber sie hatte wieder eine Perspektive.

## Kapitel 7 – EIN ALTER GESCHÄFTSPARTNER

Nicht jeder betrachtete Alexanders neue Entscheidungen mit Wohlwollen.

Roberto Falcone, ein langjähriger Geschäftspartner, erschien eines Abends unangemeldet in der Villa.

Er betrat Alexanders Arbeitszimmer und bemerkte sofort die Kinderzeichnung.

„Seit wann dekorierst du dein Büro mit solchen Bildern?“

Alexander blickte kurz auf.

„Seit ich eines geschenkt bekommen habe.“

Roberto lachte.

„Du veränderst dich, Alexander.“

„Das ist möglich.“

Roberto setzte sich ihm gegenüber.

„Mir wurde erzählt, du willst einige unserer gemeinsamen Geschäfte beenden.“

„Ja.“

„Du machst Witze.“

„Nein.“

Robertos Lächeln verschwand.

„Nach all den Jahren willst du plötzlich aussteigen?“

Alexander schloss die Mappe vor sich.

„Ich habe Entscheidungen getroffen, die ich nicht länger fortsetzen möchte.“

„Du weißt, dass so etwas nicht ohne Folgen bleibt.“

„Deshalb werde ich die Angelegenheiten mit meinen Anwälten und den zuständigen Behörden aufarbeiten.“

Roberto betrachtete ihn misstrauisch.

Dann fiel sein Blick erneut auf das Kinderbild.

„Hat diese Frau mit ihrer Tochter etwas damit zu tun?“

Alexander antwortete mit fester Stimme:

„Anna und Sofia haben mit unseren Geschäften nichts zu tun.“

Roberto hob beschwichtigend die Hände.

„Ich habe nur gefragt.“

Doch als er die Villa verließ, war ihm deutlich anzusehen, dass ihm Alexanders Veränderung nicht gefiel.

Er war daran gewöhnt, mit einem Mann zusammenzuarbeiten, der seine Entscheidungen vor allem nach Macht und Vorteil traf.

Nun schien Alexander andere Prioritäten zu haben.

Und Roberto hielt diese neue Seite seines Geschäftspartners für eine Schwäche.

## Kapitel 8 – EINE WARNUNG IM BRIEFKASTEN

Zwei Tage nach Robertos Besuch fand Anna einen Umschlag ohne Absender.

Er lag zwischen den gewöhnlichen Briefen in ihrem Briefkasten.

Als sie ihn öffnete, entdeckte sie eine kurze Nachricht:

Halten Sie sich von Alexander Romano fern. Sie wissen nicht, mit wem Sie es zu tun haben.

Anna las den Satz mehrfach.

Ihr wurde unbehaglich.

Im Wohnzimmer saß Sofia und malte. Anna faltete das Blatt zusammen, ohne ihrer Tochter davon zu erzählen.

Am folgenden Morgen nahm sie den Brief mit zur Arbeit.

Alexander bemerkte ihren angespannten Gesichtsausdruck, als sie ihm den Umschlag überreichte.

„Woher haben Sie das?“

„Er lag gestern in meinem Briefkasten.“

„Hat sich sonst jemand ungewöhnlich verhalten? Hat Sie jemand angesprochen?“

„Nein.“

Alexander betrachtete das Papier.

„Es tut mir leid, Anna.“

Sie blickte ihn überrascht an.

„Wofür?“

„Dafür, dass meine Angelegenheiten offenbar Auswirkungen auf Ihr Leben haben.“

Anna verschränkte nervös die Hände.

„Ich muss an Sofia denken. Ich kann nicht zulassen, dass sie in Gefahr gerät.“

„Das verstehe ich.“

„Vielleicht ist es besser, wenn ich nicht mehr hier arbeite.“

Alexander blieb einen Moment still.

Dann nickte er.

„Sie müssen die Entscheidung treffen, mit der Sie sich sicher fühlen. Ich werde Ihnen deswegen keine Vorwürfe machen.“

Anna hatte mit einer anderen Reaktion gerechnet.

Sie hatte befürchtet, er würde wütend werden oder sie zum Bleiben überreden.

Doch Alexander sagte lediglich:

„Ich werde den Brief sichern lassen und rechtlich prüfen, was dahintersteckt. Wichtig ist, dass Sie und Ihre Tochter geschützt sind.“