Dann flüsterte Helen:
„Ich dich auch, Margaret.“
Lana senkte den Blick.
Sie hatte gehofft, Helen eines Tages sagen zu können, was genau mit ihrer Schwester geschehen war.
Noch konnte sie das nicht.
Aber sie hatte ihr zumindest einen Teil der Wahrheit zurückgeben können.
## Kapitel 13 – DER BUS, DER NICHT VERGESSEN WERDEN DURFTE
Einige Monate später wurde entschieden, dass der alte Schulbus nach Abschluss der kriminaltechnischen Untersuchungen nicht einfach verschrottet werden sollte.
Stattdessen entstand der Plan, einen Teil des Fahrzeugs in einer Gedenkausstellung zu bewahren.
Die Ausstellung sollte nicht die Täter in den Mittelpunkt stellen.
Sondern die Kinder.
Ihre Familien.
Und die Menschen, die über Jahrzehnte nach Antworten gesucht hatten.
Lana besuchte die Ausstellung kurz vor ihrer Eröffnung.
In einem großen Raum hing das Klassenfoto von 1986.
Daneben standen die Namen aller fünfzehn Kinder.
Einige Namen waren inzwischen mit den neuen Identitäten der gefundenen Erwachsenen ergänzt worden, soweit diese einer Veröffentlichung zugestimmt hatten.
Andere blieben unverändert.
Auf einer kleinen Tafel stand:
„Fünfzehn Kinder verschwanden. Ihre Geschichten wurden nicht vergessen.“
Lana blieb lange davor stehen.
Sie dachte an den Tag zurück, an dem die Bauarbeiter das rostige Dach des Busses entdeckt hatten.
An die erste Untersuchung.
An die leeren Sitze.
An die alten Schulranzen.
Und an den Zettel am Armaturenbrett.
Sie sind nicht im Bus gestorben. Schaut, wohin wir gezwungen wurden zu gehen.
Damals hatte niemand gewusst, wie viel Wahrheit in diesen wenigen Worten steckte.
Nun waren zwölf der Kinder gefunden worden.
Mehrere Familien hatten Antworten erhalten.
Und ein jahrzehntelang verborgenes Verbrechen war aufgedeckt worden.
Doch für Lana war die Arbeit noch nicht beendet.
Drei ehemalige Schulkinder wurden weiterhin gesucht.
Und das Schicksal von Margaret Wilson und dem Busfahrer blieb ungeklärt.
Als sie die Ausstellung verlassen wollte, klingelte ihr Telefon.
Es war Daniel.
„Lana, bist du noch im Museum?“
„Ja. Warum?“
Seine Stimme klang aufgeregt.
„Wir haben eine neue Nachricht erhalten.“
Lana blieb stehen.
„Von wem?“
„Von einem Mann in Norwegen. Er behauptet, als Kind in einem Heim gelebt zu haben, das 1986 mehrere Kinder aus dem Ausland aufgenommen hat.“
Lana spürte, wie ihr Herz schneller schlug.
„Hat er irgendwelche Unterlagen?“
„Ja. Und auf einem alten Foto erkennt man möglicherweise eines der drei Kinder, die wir noch suchen.“
Lana blickte noch einmal auf das Klassenfoto.
Fünfzehn Gesichter.
Fünfzehn Kinder, die an einem Frühlingsmorgen voller Vorfreude in einen gelben Schulbus gestiegen waren.
Zwölf von ihnen waren inzwischen gefunden worden.
Drei fehlten noch.
„Schick mir alles“, sagte sie.
„Sofort.“
Lana steckte das Telefon ein und ging zum Ausgang.
Draußen schien die Sonne.
Die Stadt war ruhig.
Menschen gingen einkaufen, Kinder spielten im Park, und Autos fuhren durch die Straßen.
Es war ein ganz gewöhnlicher Nachmittag.
Doch für Lana hatte gerade ein neues Kapitel begonnen.
Denn der Fund des alten Schulbusses hatte zwar das größte Geheimnis von Green Valley aufgedeckt, aber noch längst nicht jede Frage beantwortet.
Und irgendwo, Tausende Kilometer entfernt, könnte ein Mensch leben, der nicht ahnte, dass sein Gesicht seit vierzig Jahren auf einem vermissten Klassenfoto zu sehen war.
Die Geschichte der fünfzehn Kinder war noch nicht zu Ende.
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