Als ihre fünfzigjährige Tochter den Raum betrat, brachte die Mutter zunächst kein Wort heraus.

Sie starrte sie nur an, dann brach sie in Tränen aus und umarmte sie fest.

Die Ermittlungen brachten jedoch ein weiteres erschreckendes Detail ans Licht.

Die Lehrerin, die die Kinder begleitet hatte, hatte versucht, die Entführung zu verhindern. Sie war es, die es geschafft hatte, den Zettel im Bus zu hinterlassen, bevor sie abgeführt wurde.

Ihr Schicksal blieb ungewiss.

Die Ermittler stellten später fest, dass der Bus auf Millers Anweisung hin vergraben worden war, um das wichtigste Beweisstück zu verbergen. Mehrere Polizisten waren zudem bestochen worden, um die Suche abzubrechen.

Am Ende wurden drei überlebende Mitglieder der kriminellen Vereinigung festgenommen.

Doch für die Eltern, die fast vierzig Jahre lang geglaubt hatten, ihre Kinder seien tot, war etwas anderes von weit größerer Bedeutung.

Schließlich erfuhren sie, was an jenem Frühlingstag geschehen war.

Und der alte gelbe Bus, der 39 Jahre lang unter der Erde gelegen hatte, wurde zum wichtigsten Beweisstück in einem Verbrechen, von dem viele gehofft hatten, es würde für immer ein Geheimnis bleiben.

## Kapitel 2 – DAS SECHZEHNTE GEHEIMNIS

Der alte gelbe Schulbus stand inzwischen in einer gesicherten Halle der Kriminalpolizei.

Neununddreißig Jahre lang hatte er tief unter der Erde gelegen. Jetzt war er von grellem Licht umgeben, während Spezialisten jedes noch so kleine Detail untersuchten.

Detective Lana Morgan stand vor dem rostigen Fahrzeug und betrachtete die verblasste Aufschrift an seiner Seite.

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Sie hatte in ihrer Karriere viele schwierige Fälle bearbeitet, aber dieser war anders.

Fünfzehn Kinder waren 1986 verschwunden.

Neun von ihnen waren inzwischen gefunden worden.

Sechs wurden weiterhin vermisst.

Und niemand wusste, was mit der Lehrerin und dem Busfahrer geschehen war.

Lana hatte gehofft, dass die Festnahme der drei überlebenden Mitglieder des kriminellen Netzwerks endlich Antworten liefern würde.

Doch alle drei schwiegen.

Einer behauptete, sich an nichts erinnern zu können.

Ein anderer erklärte, er habe lediglich Büroarbeiten erledigt.

Der dritte verlangte einen Anwalt und verweigerte jede weitere Aussage.

Am späten Nachmittag betrat ein junger Ermittler die Halle.

„Detective Morgan?“

Lana drehte sich um.

„Ja, Daniel?“

„Wir haben etwas gefunden.“

Er hielt einen kleinen durchsichtigen Beutel hoch.

Darin befand sich ein alter, stark beschädigter Schlüssel.

„Woher stammt er?“, fragte Lana.

„Er lag hinter einer Verkleidung unter dem Fahrersitz.“

„Ein Fahrzeugschlüssel?“

Daniel schüttelte den Kopf.

„Nein. Die Spezialisten glauben, dass er zu einem älteren Schließfach gehört.“

Lana betrachtete den Gegenstand.

Auf dem Metall war eine Zahl eingraviert.

17

Darunter standen drei kaum noch erkennbare Buchstaben.

R.M.C.

Lana runzelte die Stirn.

„Robert Miller Camp?“

„Das war auch mein erster Gedanke.“

Sie nahm den Beutel entgegen.

„Dann müssen wir herausfinden, was dieser Schlüssel geöffnet hat.“

Noch ahnte sie nicht, dass dieser unscheinbare Fund die gesamte Untersuchung in eine neue Richtung lenken würde.

## Kapitel 3 – DAS ZIMMER HINTER DER WAND

Zwei Tage später kehrte Lana mit ihrem Team zum ehemaligen Kinderlager zurück.

Die Gebäude waren seit Jahrzehnten verlassen.

Die Fenster waren zerbrochen, die Dächer teilweise eingestürzt, und dichter Efeu bedeckte die Außenwände.

Der ehemalige Hausmeister, Henry Collins, hatte den Ermittlern einen alten Lageplan übergeben.

Darauf waren mehrere Gebäude eingezeichnet, die längst nicht mehr existierten.

Doch ein Detail fiel Lana sofort auf.

Hinter dem Hauptgebäude war ein kleiner Raum markiert.

ARCHIV 17

„Das muss es sein“, sagte Daniel.

Die Ermittler betraten das Gebäude vorsichtig, nachdem Fachleute es für die Untersuchung freigegeben hatten.

Im Inneren roch es nach feuchtem Holz.

Alte Möbel lagen umgestürzt auf dem Boden.

An den Wänden hingen vergilbte Fotografien von Kindern, die früher ihre Ferien in diesem Lager verbracht hatten.

Lana betrachtete eines der Bilder.

Lächelnde Jungen und Mädchen standen vor einem großen Speisesaal.

Sie wirkten glücklich.

Nichts deutete darauf hin, welche dunklen Geheimnisse dieser Ort später verbergen würde.

„Hier entlang“, rief Daniel.

Er hatte am Ende eines Flurs eine Tür entdeckt.

Darauf befand sich eine verblasste Nummer.

17\.

Doch die Tür war verschlossen.

Ein Spezialist untersuchte das Schloss und stellte fest, dass der alte Schlüssel tatsächlich dazugehörte.

Wenig später öffnete sich die Tür.

Dahinter befand sich ein kleiner Raum.

Ein Schreibtisch.

Mehrere Metallregale.

Und ein großer Aktenschrank.

Lana trat langsam hinein.

Auf dem Tisch lag eine dicke Staubschicht.

An der Wand hing ein Kalender aus dem Jahr 1986.

Der Monat April war aufgeschlagen.

Ein bestimmter Tag war mit rotem Stift eingekreist.

Der Tag, an dem der Schulbus verschwunden war.

„Mein Gott“, flüsterte Daniel.

Lana öffnete vorsichtig eine Schublade.

Darin lagen mehrere alte Umschläge.

Auf jedem stand ein Name.

Sie nahm den ersten heraus.

Emily Parker.

Lana erstarrte.

Emily Parker war eines der sechs Kinder, die noch immer nicht gefunden worden waren.

## Kapitel 4 – DIE BRIEFE, DIE NIEMAND LESEN SOLLTE

Die Ermittler sicherten sämtliche Dokumente aus dem Archiv.

Es dauerte mehrere Tage, bis die alten Papiere sortiert und digitalisiert waren.

Dann machte Lana eine Entdeckung, die sie tief erschütterte.