„Die Beweise. Und vermutlich auch den Brief.“

Er blickte nervös über die Schulter in die Dunkelheit.

„Hören Sie mir gut zu, Madame Vasseur. Ihr Mann hat damals nicht alles allein herausgefunden. Ich habe ihm geholfen. Aber ich hatte Angst. Und als er starb, habe ich geschwiegen.“

Madeleine spürte, wie ihre Knie weich wurden.

„Wollen Sie damit sagen, dass Sie wussten, was passiert war?“

Der Mann senkte den Blick.

„Ich weiß nicht, ob sein Tod mit den Ermittlungen zusammenhing. Aber ich weiß, dass jemand kurz danach alle Unterlagen verschwinden lassen wollte. Und ich habe zugelassen, dass die Wahrheit begraben wurde.“

Dann zog er einen zweiten Umschlag aus seinem Mantel.

„Darin steht, wem das Grundstück nach dem ursprünglichen Vertrag tatsächlich gehörte. Wenn Sie das lesen, werden Sie verstehen, warum Étienne Morel so verzweifelt versucht, Sie aus Ihrem Haus zu vertreiben.“

Madeleine nahm den Umschlag.

Auf der Vorderseite stand ein einziger Name.

Julien Vasseur.

Ihr Sohn.

Doch bevor sie den Umschlag öffnen konnte, vibrierte das Telefon des ehemaligen Notars.

Er blickte auf das Display – und verlor jede Farbe aus seinem Gesicht.

„Sie wissen, dass ich hier bin“, flüsterte er.

Von draußen ertönte das Knirschen einer zweiten Autotür.

Dann eine Stimme, die Madeleine nur zu gut kannte.

Sophies Stimme.

„Machen Sie die Tür auf. Wir wissen, dass Madeleine bei Ihnen ist.“

Der ehemalige Notar wich zurück.

„Sie dürfen ihnen den Umschlag nicht geben“, sagte er. „Denn wenn Étienne erfährt, was darin steht, wird er nicht nur das Haus verlieren.“

Er sah Madeleine direkt in die Augen.

„Dann wird auch Ihre Familie erfahren, wer Julien wirklich ist.“

Madeleine blickte auf den Umschlag in ihrer Hand.

Zum ersten Mal seit Marcels Tod begriff sie, dass die Wahrheit über ihr Zuhause nur der Anfang gewesen war.

Denn das größte Geheimnis lag nicht unter dem Dach des alten Bauernhauses – sondern in der Herkunft ihres eigenen Sohnes.

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