Sie konnte nicht erkennen, wer darin saß.
Als sie sich bewegte, setzte sich auch der Wagen in Bewegung.
Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken.
Sie beschleunigte ihre Schritte.
Der Wagen fuhr langsam hinter ihr her.
Evelyn griff nach ihrem Telefon und wählte Sophies Nummer erneut.
Diesmal nahm niemand ab.
Sie bog in eine belebte Straße ein, stellte sich vor ein Café und versuchte, ruhig zu atmen.
Der Wagen fuhr vorbei.
Doch bevor er an der nächsten Kreuzung verschwand, senkte sich das hintere Fenster ein Stück.
Eine Hand legte etwas auf den Gehweg.
Dann fuhr der Wagen davon.
Evelyn wartete, bis er außer Sicht war.
Erst dann ging sie zu dem Gegenstand.
Es war ein weißer Umschlag.
Auf der Vorderseite stand ihr Name.
Darunter waren drei weitere Worte geschrieben.
Wir wissen es. Beide.
Evelyn spürte, wie ihr Herz schneller schlug.
Sie öffnete den Umschlag mit zitternden Fingern.
Darin lag ein Foto.
Es zeigte sie vor wenigen Minuten beim Verlassen der Klinik.
Auf der Rückseite stand eine Nachricht:
Du glaubst, du kannst verschwinden und alles mitnehmen, was uns gehört.
Du irrst dich.
Die Zwillinge verändern alles.
Du hast sieben Tage, um dich zu entscheiden.
Es gab keine Unterschrift.
Doch Evelyn erkannte die Handschrift sofort.
Victoria.
INT. DANIELS BÜRO – NACHMITTAG
Daniel hatte seit sechs Wochen kaum geschlafen.
Er arbeitete länger als je zuvor, beantwortete keine privaten Anrufe und vermied jeden Ort, an dem er Evelyn hätte begegnen können.
Doch das machte die Gedanken nicht leiser.
Jeden Morgen wachte er auf und griff nach seinem Telefon.
Jeden Abend fragte er sich, ob Evelyn sicher war.
Und jeden Tag wurde ihm klarer, dass er nicht nur seine Verlobte verloren hatte.
Er hatte die Möglichkeit verloren, von Anfang an der Mann zu sein, den sie verdient hätte.
An diesem Nachmittag klopfte seine Assistentin an die Tür.
„Mr. Hayes? Ihre Anwältin ist hier.“
Daniel blickte von seinen Unterlagen auf.
„Ich habe keinen Termin mit meiner Anwältin.“
„Sie sagte, es sei dringend.“
Wenige Sekunden später betrat eine Frau in einem grauen Hosenanzug das Büro. Sie trug eine lederne Aktentasche und wirkte ungewöhnlich ernst.
„Daniel, wir müssen reden.“
Er stand auf.
„Was ist passiert?“
Sie legte einen Umschlag auf den Tisch.
„Ich habe heute eine Anfrage erhalten, die mit Evelyn Carter zusammenhängt.“
Sein Herz begann zu rasen.
„Sie haben Evelyn gefunden?“
„Nein. Aber jemand hat versucht, Informationen über ihre medizinischen Unterlagen zu beschaffen.“
Daniel erstarrte.
„Was?“
„Die Anfrage wurde abgelehnt. Trotzdem ist klar, dass jemand nach ihr sucht.“
„Wer?“
„Das wissen wir noch nicht.“
Daniel griff nach dem Umschlag.
Darin lagen Kopien von Dokumenten und eine kurze Notiz.
Die Schwangerschaft wurde bestätigt. Zwei Kinder.
Er musste sich am Tisch festhalten.
Seine Kinder.
Er hatte sechs Wochen lang nicht gewusst, ob Evelyn in Sicherheit war. Er hatte nicht gewusst, ob sie eine Unterkunft hatte, ob sie medizinisch versorgt wurde oder ob sie nachts weinte, während er in seinem leeren Schlafzimmer saß und sich selbst bemitleidete.
Und jetzt wusste er, dass jemand anderes nach ihr suchte.
„Ich muss sie finden“, sagte er.
Die Anwältin sah ihn eindringlich an.
„Daniel, hören Sie mir gut zu. Wenn Evelyn den Kontakt abgebrochen hat, müssen Sie ihre Entscheidung respektieren. Sie dürfen nicht versuchen, sie unter Druck zu setzen.“
„Das will ich nicht.“
„Dann müssen Sie sich zuerst fragen, warum Sie sie finden wollen. Um ihr zu helfen? Oder weil Sie Ihre Schuld nicht länger ertragen?“
Die Frage traf ihn härter, als er erwartet hatte.
Er blickte auf das Dokument.
„Ich weiß es nicht“, gab er zu. „Vielleicht beides.“
Die Anwältin nickte langsam.
„Dann sollten Sie herausfinden, wer diese Informationen gesammelt hat, bevor Sie irgendetwas unternehmen.“
Daniel hob den Kopf.
„Können Sie das?“
„Ich werde es versuchen.“
Sie nahm ihre Aktentasche und ging zur Tür.
Dort blieb sie stehen.
„Noch etwas. Die Anfrage wurde über eine Firma gestellt, die Victoria gehört.“
Daniel sagte nichts.
Die Tür schloss sich.
Und zum ersten Mal seit sechs Wochen war seine Reue nicht mehr das Einzige, was ihn wach hielt.
Da war auch Angst.
Nicht vor dem Verlust seines Geldes.
Nicht vor seinem Ruf.
Sondern vor dem Gedanken, dass die Frau, die er verletzt hatte, nun von jemandem bedroht wurde, der genau wusste, was sie ihm bedeutete.
Er griff nach seinem Telefon und wählte Victorias Nummer.
Sie nahm beim zweiten Klingeln ab.
„Daniel?“
Seine Stimme war kalt.
„Warum suchst du nach Evelyn?“
Am anderen Ende entstand eine lange Pause.
Dann lachte Victoria leise.
„Du solltest dich lieber fragen, warum sie vor dir weggelaufen ist.“
„Ich habe dich nach der Firma gefragt.“
„Und ich habe dir geantwortet.“
„Du hast kein Recht, ihre medizinischen Daten anzufordern.“
„Vielleicht nicht“, sagte Victoria. „Aber ich habe jedes Recht, mich um meine Zukunft zu kümmern.“
Daniel schloss die Augen.
„Was willst du von ihr?“
„Nichts, was sie mir nicht selbst geben könnte.“
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