Elena wartete auf der Veranda.

Joaquín stand einige Schritte hinter ihr.

Ramiro stieg ab und zog seinen Hut.

„Señora Valdés. Ich habe gehört, dass Sie eine Entscheidung getroffen haben.“

„Das haben Sie richtig gehört.“

Sein Blick glitt zu Joaquín.

„Und das ist also Ihr neuer Ehemann.“

„Das ist Joaquín Mendoza“, sagte Elena. „Er arbeitet auf der Ranch.“

„Wie rührend.“ Ramiro lächelte. „Ein Cowboy, der plötzlich glaubt, ein Geschäftsmann zu sein.“

Joaquín blieb ruhig.

„Ich glaube nicht, dass ich ein Geschäftsmann bin. Ich glaube nur, dass Vereinbarungen eingehalten werden sollten.“

Ramiro lachte leise.

„Dann werden Sie hier viel zu lernen haben.“

Er wandte sich wieder Elena zu.

„Ich bin gekommen, um Ihnen ein letztes Angebot zu machen. Sie verkaufen mir die Ranch einschließlich der Wasserrechte, und ich übernehme Ihre Schulden. Sie erhalten genug Geld, um irgendwo in der Stadt ein neues Leben anzufangen.“

„Nein.“

Ramiro schien die Antwort nicht erwartet zu haben.

„Sie sollten darüber nachdenken.“

„Ich habe lange genug darüber nachgedacht.“

Sein Gesicht wurde härter.

„Ihr verstorbener Mann hat Ihnen ein schwieriges Erbe hinterlassen. Sie sind eine junge Frau ohne Familie, ohne ausreichende Mittel und ohne Erfahrung in Verhandlungen dieser Größenordnung. Sie müssen verstehen, dass Sie nicht alles allein schaffen können.“

Elena hob das Kinn.

„Ich habe diese Ranch geführt, seit mein Mann gestorben ist. Ich habe meine Arbeiter bezahlt, meine Tiere versorgt und meine Schulden nicht ignoriert. Sie verwechseln meine Schwierigkeiten mit meiner Unfähigkeit.“

Einen Augenblick lang war es vollkommen still.

Dann sah Ramiro Joaquín an.

„Und Sie? Wie lange glauben Sie, wird Ihr kleines Abenteuer dauern? Sechs Monate? Ein Jahr? Glauben Sie wirklich, dass eine Unterschrift Sie zum Herrn dieses Landes macht?“

„Nein“, antwortete Joaquín. „Die Unterschrift macht mich zu jemandem, der seine Verpflichtungen erfüllen muss.“

„Dann sollten Sie sich um Ihre eigenen Verpflichtungen kümmern.“

Ramiro setzte seinen Hut auf.

„Ich gebe Ihnen bis zum Ende des Monats, Elena. Danach werde ich andere Wege finden, die Angelegenheit zu regeln.“

„Ist das eine Drohung?“, fragte sie.

„Nennen Sie es einen freundlichen Hinweis.“

Er stieg auf sein Pferd und ritt mit seinen Begleitern davon.

Elena blieb auf der Veranda stehen, bis die Männer hinter dem Hügel verschwunden waren.

Erst dann ließ sie die Schultern sinken.

„Er wird nicht aufgeben“, sagte sie.

„Nein“, antwortete Joaquín. „Das glaube ich auch nicht.“

„Sie könnten noch immer gehen. Sie haben Ihren Lohn für den ersten Monat noch nicht einmal erhalten.“

Joaquín betrachtete sie.

„Wenn ich gehen wollte, wäre ich heute Morgen gegangen.“

Elena sah ihn lange an.

„Warum bleiben Sie?“

Die Frage traf ihn unerwartet.

Er hätte von seinem Gehalt sprechen können. Von der Unterkunft. Von der Möglichkeit, endlich Geld zu sparen und vielleicht eines Tages ein kleines Stück Land zu kaufen.

Doch keine dieser Antworten fühlte sich vollständig an.

„Weil ich es leid bin, immer weiterzuziehen, sobald etwas schwierig wird“, sagte er schließlich. „Und weil Sie mich um Hilfe gebeten haben, ohne mir vorzumachen, dass Sie mich brauchen, um gerettet zu werden.“

Elena blickte auf ihre Hände.

„Ich weiß nicht, ob ich diese Ranch retten kann.“

„Dann finden wir es heraus.“

„Und wenn wir scheitern?“

Joaquín sah über die Weiden hinweg, wo die Rinder langsam zum Wasser zogen.

„Dann werden wir wenigstens wissen, dass wir nicht aufgegeben haben, bevor wir es versucht haben.“

## Das Geheimnis im alten Kontobuch

In den folgenden Tagen arbeitete Joaquín von Sonnenaufgang bis zum Abend. Er reparierte den Zaun, untersuchte die Wasserleitung und begann, den Viehbestand neu zu zählen. Elena kümmerte sich um die Rechnungen, die Lieferanten und die Verhandlungen mit den Händlern in San Jerónimo.

Langsam wurde aus zwei Menschen, die eine Vereinbarung geschlossen hatten, ein Team.

Sie stritten gelegentlich über Ausgaben. Elena hielt Joaquín für zu großzügig, wenn es um Reparaturen ging, während er fand, dass sie zu lange versuchte, kaputte Dinge mit kleinen Ausbesserungen am Leben zu halten.

Doch sie hörten einander zu.

Und das war für beide neu.

An einem Abend, als ein heftiger Wind über die Berge zog, saßen sie gemeinsam im Büro. Elena sortierte alte Rechnungen, während Joaquín die Zahlen des Viehbestands mit den Einträgen im Kontobuch verglich.

Plötzlich hielt er inne.

„Elena, kommen Sie bitte einmal her.“

Sie legte ihre Feder ab.

„Was ist?“

Er deutete auf einen Eintrag, der fast ein Jahr zurücklag.

Neben einer Zahlung an einen Händler war eine zusätzliche Summe vermerkt, die nicht zu den übrigen Ausgaben passte. Es gab keine Quittung, keine Erklärung und keine Unterschrift, die sie eindeutig zuordnen konnten.

Elena runzelte die Stirn.

„Diese Zahlung kenne ich nicht.“

Joaquín blätterte einige Seiten zurück.

Dort fand er zwei weitere Einträge mit ähnlichen Beträgen.

Alle drei Zahlungen waren kurz vor wichtigen Fälligkeitsterminen erfolgt. Und alle drei hatten das verfügbare Geld der Ranch genau so weit verringert, dass Elena ihre Rechnungen nur noch mit Verzögerung bezahlen konnte.

„Wer hat damals die Bücher geführt?“, fragte Joaquín.