Daniel nahm sein Telefon und rief Detective Miller an.
„Ich habe etwas gefunden.“
„Was genau?“
„Eine alte Kameraaufnahme. Der Mann, von dem ich Ihnen erzählt habe, war tatsächlich bei uns.“
„Ist sein Gesicht zu erkennen?“
„Nicht vollständig. Aber sein Auto ist deutlich zu sehen.“
„Bitte verändern Sie die Originaldatei nicht“, sagte Miller. „Wir schicken jemanden vorbei, um die Aufnahme zu sichern.“
Daniel nickte, obwohl der Ermittler ihn nicht sehen konnte.
„Es gibt noch etwas.“
„Was?“
„Die Kamera hat auch einen Teil des Gartens aufgenommen. Ich glaube, ich habe verstanden, warum Max nachts immer wieder gebellt hat.“
Miller schwieg.
„Erzählen Sie.“
Daniel öffnete eine zweite Aufnahme.
Sie stammte von derselben Nacht.
Die Uhrzeit lautete 02:13 Uhr.
Auf dem Bildschirm war der hintere Garten zu sehen.
Zunächst bewegte sich nichts.
Dann erschien eine Gestalt am Gartentor.
Der Mann von der Einfahrt.
Er ging zur Hintertür.
Wenige Sekunden später öffnete Emma.
Daniel spürte, wie ihm kalt wurde.
Die beiden verschwanden gemeinsam im Haus.
Und fast unmittelbar danach begann Max im Inneren laut zu bellen.
Daniel hielt die Aufnahme an.
„Detective“, sagte er langsam, „dieser Mann war mitten in der Nacht in meinem Haus.“
Miller antwortete sofort.
„Bleiben Sie ruhig. Wir werden die Aufnahme überprüfen.“
Daniel blickte auf die eingefrorene Gestalt.
„Ich war damals zu Hause.“
Eine kurze Pause.
„Ich habe geschlafen.“
Und plötzlich erinnerte Daniel sich an den folgenden Morgen.
Er war mit starken Kopfschmerzen aufgewacht.
Seine Beine hatten sich schwer angefühlt.
Emma hatte ihm erklärt, er habe vermutlich zu wenig geschlafen.
Damals hatte er ihr geglaubt.
Jetzt fragte er sich, was in jener Nacht wirklich geschehen war.
Kapitel 7 – DIE IDENTITÄT VON ALEX
Zwei Tage später erhielt Daniel erneut einen Anruf von Detective Miller.
Diesmal bat der Ermittler ihn, sofort zur Dienststelle zu kommen.
Als Daniel den Besprechungsraum betrat, lagen mehrere Fotos auf dem Tisch.
Miller deutete auf einen Stuhl.
„Setzen Sie sich bitte.“
Daniel setzte sich.
„Haben Sie den Mann gefunden?“
Miller nickte.
„Wir haben die Fahrzeugdaten und weitere Aufnahmen ausgewertet. Außerdem konnten wir die Person identifizieren, die mit Ihrer Frau über das zweite Telefon kommuniziert hat.“
Daniel hielt den Atem an.
„Wer ist es?“
Sarah Collins schob ihm ein Foto zu.
Darauf war ein Mann Anfang vierzig zu sehen.
Kurze dunkle Haare.
Schwarze Jacke.
Ein selbstbewusstes Lächeln.
Daniel erkannte ihn sofort.
„Das ist er.“
„Sind Sie sicher?“, fragte Miller.
„Ja. Das ist der Mann aus der Aufnahme.“
Sarah nickte.
„Sein Name ist Alexander Reed.“
Daniel wiederholte den Namen leise.
„Alexander Reed.“
„Kennen Sie ihn?“
Daniel schüttelte den Kopf.
„Nein.“
Miller legte eine zweite Mappe auf den Tisch.
„Er arbeitet als unabhängiger Finanzberater. Nach unseren bisherigen Erkenntnissen hatte er in den vergangenen Monaten regelmäßig Kontakt zu Ihrer Frau.“
Daniel starrte auf das Foto.
„War er ihr Liebhaber?“
„Wir haben Hinweise auf eine persönliche Beziehung“, antwortete Sarah. „Aber für unsere Ermittlungen ist zunächst entscheidend, welche Rolle er bei den finanziellen Vorgängen gespielt hat.“
Sie zeigte Daniel eine Übersicht mehrerer Banktransaktionen.
„Ein Teil der Schulden Ihrer Frau steht offenbar mit Investitionen in Verbindung, die über Unternehmen abgewickelt wurden, mit denen Reed geschäftlich verbunden war.“
Daniel runzelte die Stirn.
„Was für Investitionen?“
„Hochriskante Geschäfte. Wir prüfen noch, ob dabei falsche Angaben gemacht wurden.“
Miller beugte sich vor.
„Außerdem haben wir festgestellt, dass Reed kurz vor Abschluss der Lebensversicherung mehrfach mit Ihrer Frau telefoniert hat.“
Daniel schloss die Augen.
Er hatte sieben Jahre lang geglaubt, Emma zu kennen.
Nun saß er in einem Polizeibüro und hörte, dass sie möglicherweise ein Doppelleben geführt hatte.
„Wusste er von dem, was sie mir angetan hat?“, fragte Daniel.
Miller antwortete vorsichtig.
„Das ist Gegenstand der Untersuchung. Die Nachrichten begründen einen Verdacht, aber wir müssen seine tatsächliche Beteiligung noch nachweisen.“
Daniel nickte langsam.
Er wollte Antworten.
Doch er wusste inzwischen, dass die Wahrheit nicht immer sofort vollständig sichtbar wurde.
„Was passiert jetzt?“
„Wir werden Reed befragen und die finanziellen Verbindungen weiter untersuchen.“
Sarah schob ihm das Foto noch einmal näher.
„Es gibt allerdings einen Punkt, der uns besonders beschäftigt.“
Daniel blickte auf.
„Welchen?“
„Reed hat bereits vor mehreren Jahren mit Ihrer Frau zusammengearbeitet.“
Daniel erstarrte.
„Vor mehreren Jahren?“
„Ja.“
„Aber Emma hat mir erzählt, sie hätte ihn erst vor Kurzem kennengelernt.“
Miller schüttelte den Kopf.
„Nach unseren Unterlagen kannten die beiden sich bereits, bevor Sie und Emma geheiratet haben.“
Daniel starrte auf das Foto.
Und in diesem Moment stellte er sich eine Frage, die ihn mehr erschreckte als alles andere.
Wie viel von seiner Ehe war wirklich so gewesen, wie er es geglaubt hatte?
Kapitel 8 – EIN NEUES LEBEN MIT MAX
Die Wochen vergingen langsam.
Die Ermittlungen dauerten an, und Daniel musste lernen, mit einer Wahrheit zu leben, die sein Vertrauen zutiefst erschüttert hatte.
Er nahm sich eine Auszeit von der Arbeit und begann, sein Haus Stück für Stück neu zu gestalten.
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