„Wir möchten noch keine voreiligen Schlüsse ziehen. Aber es gibt einige Nachrichten und Finanztransaktionen, die wir genauer überprüfen müssen.“

Daniel blickte zu Max hinunter.

Der Hund hatte sich wieder neben seinen Stuhl gelegt.

„Wann soll ich kommen?“

„So bald wie möglich.“

Kapitel 3 – DIE NACHRICHTEN AUF DEM ZWEITEN TELEFON
Zwei Stunden später saß Daniel in einem kleinen Besprechungsraum der Polizeidienststelle.

Detective Miller legte eine Mappe auf den Tisch. Neben ihm saß eine Ermittlerin namens Sarah Collins, die sich auf Finanzdelikte spezialisiert hatte.

„Mr. Weber“, begann Miller, „wir haben im Haus Ihrer Frau ein zweites Mobiltelefon gefunden.“

Daniel runzelte die Stirn.

„Ein zweites Telefon? Emma hatte nur eines.“

„Zumindest war das Ihr Kenntnisstand.“

Sarah schob ihm ein ausgedrucktes Foto über den Tisch.

Darauf war ein kleines schwarzes Smartphone zu sehen.

„Dieses Gerät wurde in einer verschlossenen Schublade in Ihrem gemeinsamen Schlafzimmer gefunden“, erklärte sie. „Es war nicht mit dem Mobilfunkvertrag verbunden, den Sie beide nutzten.“

Daniel betrachtete das Bild.

Er hatte diese Schublade nie geöffnet.

Emma hatte dort persönliche Unterlagen aufbewahrt und stets darauf bestanden, dass niemand ihre Sachen durchsuchte.

„Was war darauf?“, fragte er.

Miller faltete die Hände.

„Unter anderem Nachrichten an eine Person, die unter dem Namen Alex gespeichert war.“

Daniel schüttelte den Kopf.

„Ich kenne keinen Alex.“

„Wir versuchen noch, die Identität dieser Person zweifelsfrei festzustellen.“

Sarah legte einen weiteren Ausdruck auf den Tisch.

„In den Nachrichten wurde wiederholt über Ihre finanziellen Verhältnisse gesprochen. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Ihre Frau ihre Schulden gegenüber dieser Person verheimlichen wollte.“

Daniel spürte, wie seine Hände kalt wurden.

„Hat Emma eine Affäre gehabt?“

„Das können wir bisher nicht bestätigen“, antwortete Miller. „Aber wir wissen, dass sie regelmäßig Kontakt zu dieser Person hatte.“

Daniel lehnte sich zurück.

Er fühlte sich, als würde sein gesamtes Leben Stück für Stück auseinandergenommen.

Zuerst hatte er erfahren, dass seine Frau ihn hintergangen hatte.

Dann, dass sie seine Gesundheit absichtlich gefährdet hatte.

Und nun stand die Möglichkeit im Raum, dass noch jemand von ihren Plänen gewusst haben könnte.

„Was steht in den Nachrichten?“, fragte er schließlich.

Sarah blickte kurz zu ihrem Kollegen.

„Eine Nachricht hat unsere besondere Aufmerksamkeit erregt.“

Sie zeigte auf den Ausdruck.

Dort stand:

Der Hund wird langsam zum Problem. Er reagiert jedes Mal, wenn ich in die Küche gehe. Daniel glaubt mir noch nicht, aber ich werde ihn überzeugen, Max wegzugeben.

Daniel las den Satz zweimal.

Dann ein drittes Mal.

Er konnte kaum glauben, wie nüchtern Emma über den Hund gesprochen hatte, den sie jahrelang als Teil ihrer Familie bezeichnet hatte.

„Sie wollte ihn wirklich loswerden“, sagte er leise.

Miller nickte.

„Offenbar.“

Sarah zeigte auf eine zweite Nachricht.

Du musst vorsichtiger sein. Wenn er Verdacht schöpft, ist alles vorbei.

Daniel hob den Blick.

„Wer hat das geschrieben?“

„Alex.“

„Dann wusste diese Person davon?“

„Es ist ein wichtiger Hinweis“, erklärte Miller. „Wir müssen allerdings noch feststellen, worauf sich die Nachricht genau bezog.“

Daniel starrte auf die Unterlagen.

Plötzlich erinnerte er sich an einen Abend vor ungefähr zwei Monaten.

Emma hatte damals einen Anruf erhalten und war sofort auf die Terrasse gegangen. Als Daniel nach draußen gekommen war, hatte sie das Gespräch abrupt beendet.

Auf seine Frage, wer angerufen habe, hatte sie geantwortet, es sei eine alte Freundin gewesen.

Damals hatte er keinen Grund gehabt, ihr zu misstrauen.

Heute erschien ihm diese Erinnerung wie ein weiteres Teil eines Puzzles, dessen vollständiges Bild er noch nicht kannte.

„Detective“, sagte er langsam, „ich glaube, ich habe diese Person vielleicht schon einmal gesehen.“

Miller richtete sich auf.

„Erzählen Sie.“

Kapitel 4 – DER UNBEKANNTE VOR DEM HAUS
Daniel erinnerte sich an einen regnerischen Dienstagabend.

Er war früher als gewöhnlich von der Arbeit zurückgekehrt und hatte vor seinem Haus einen dunklen Wagen bemerkt.

Ein Mann saß am Steuer.

Als Daniel in die Einfahrt gefahren war, hatte der Fremde sofort den Motor gestartet und war davongefahren.

Emma hatte behauptet, es sei ein Lieferfahrer gewesen, der sich in der Adresse geirrt habe.

„Haben Sie das Kennzeichen gesehen?“, fragte Miller.

Daniel schüttelte den Kopf.

„Nein. Aber ich erinnere mich an das Auto. Es war eine dunkelgraue Limousine mit einer auffälligen Beschädigung an der hinteren Stoßstange.“

Sarah notierte die Beschreibung.

„Können Sie sich an den Fahrer erinnern?“

„Nur ungefähr. Er trug eine schwarze Jacke und hatte kurze dunkle Haare.“

Miller nickte.

„Das könnte hilfreich sein. Wir werden prüfen, ob die Aufnahmen Ihrer Außenkameras noch vorhanden sind.“

Daniel sah ihn überrascht an.

„Die Außenkameras?“

„Ihre Frau hat angegeben, dass das Sicherheitssystem vor einigen Monaten ausgefallen sei. Stimmt das?“

Daniel nickte.

„Ja. Sie sagte, die Anlage funktioniere nicht mehr richtig.“

Miller wechselte einen kurzen Blick mit Sarah.

„Wir haben bei der Durchsuchung festgestellt, dass die Kameras nicht defekt waren. Ihre Aufzeichnung war lediglich deaktiviert worden.“

Daniel schloss die Augen.

Noch eine Lüge.

Noch ein Hinweis darauf, dass die Ereignisse der vergangenen Monate kein Zufall gewesen waren.