„Und Sie?“, fragte die Ermittlerin. „Was wollten Sie?“

Daniel schwieg lange.

Dann gab er zu, Laura am Unfallabend gesucht zu haben. Er behauptete jedoch, sie nach dem Gespräch nicht verfolgt zu haben.

Die Polizei überprüfte seine Angaben. Noch war nicht geklärt, ob seine Darstellung stimmte.

Aber eine Sache stand inzwischen fest: Daniel hatte wichtige Informationen zurückgehalten.

TEIL 10 – DIE NACHRICHT AUF LAURAS TELEFON

Im Krankenhaus erhielt Miriam währenddessen einen Anruf von der Polizei.

Bei der Auswertung von Lauras gesichertem Handy war eine Nachricht entdeckt worden, die kurz vor dem Unfall verschickt worden war.

Sie war an Miriam gerichtet.

Der Text lautete:

„Wenn ich mich morgen nicht melde, gib bitte niemandem das blaue Notizbuch. Warte auf die Person, die den Schlüssel hat.“

Miriam las die Nachricht mehrmals.

„Welchen Schlüssel?“, fragte sie verwirrt.

Sie dachte nach.

Dann erinnerte sie sich an ein kleines silbernes Schlüsselchen, das Laura ihr Monate zuvor anvertraut hatte.

Damals hatte Laura gesagt, es gehöre zu einem Schließfach. Miriam hatte nicht weiter nachgefragt.

Sie suchte in ihrer Wohnung danach und fand es schließlich in einer kleinen Schachtel.

Auf dem Schlüssel stand eine Nummer.

Als sie diese der Polizei mitteilte, wurde ein Schließfach bei einer Bank ausfindig gemacht. Die Ermittler beantragten die notwendigen Schritte zur Sicherung des Inhalts.

Darin befanden sich mehrere Kopien von Geschäftsunterlagen, ein USB-Stick und ein Brief.

Der Brief begann mit den Worten:

„Falls jemand anderes diese Unterlagen findet, soll er wissen, dass ich nicht freiwillig geschwiegen habe.“

Miriam musste sich setzen.

Laura hatte offenbar schon lange versucht, die Wahrheit zu sichern.

TEIL 11 – EIN ERSTER MOMENT DES ERWACHENS

Während die Polizei die Unterlagen untersuchte, veränderte sich im Krankenhaus die Situation.

Laura reagierte bei einer neurologischen Untersuchung deutlicher als zuvor. Sie öffnete für einen kurzen Moment die Augen, konnte ihren Blick jedoch noch nicht gezielt ausrichten.

Mark informierte Miriam sofort.

„Das ist ein wichtiger Fortschritt“, erklärte er. „Aber wir dürfen nicht erwarten, dass sie sofort sprechen oder alles verstehen kann. Ihre Erholung braucht Zeit.“

Miriam trat ans Bett.

„Laura? Ich bin es. Miriam.“

Sie nahm vorsichtig die Hand ihrer Freundin.

„Du musst keine Angst haben. Die Polizei kümmert sich um die Unterlagen. Und dein Kind wird medizinisch betreut.“

Laura bewegte ihre Finger.

Dann öffnete sie erneut die Augen.

Diesmal blieb ihr Blick für einen kurzen Augenblick bei Miriam.

Miriam begann zu weinen, doch sie sprach ruhig weiter.

„Du bist nicht allein. Wir sind hier.“

Mark beobachtete die Situation aufmerksam und bat Miriam anschließend, Laura nicht zu überfordern.

Noch am selben Abend wurden weitere Untersuchungen geplant.

TEIL 12 – DER BRIEF, DER ALLES IN EINEM ANDEREN LICHT ZEIGTE

Zwei Tage später rief die Ermittlerin im Krankenhaus an.

Die Unterlagen aus dem Schließfach hatten eine neue Spur ergeben.

Der USB-Stick enthielt Dokumente, die Tobias mit mehreren verdächtigen Überweisungen in Verbindung brachten. Außerdem gab es Nachrichten, aus denen hervorging, dass er Laura wiederholt aufgefordert hatte, sich aus der Angelegenheit herauszuhalten.

Doch eine Datei überraschte die Ermittler besonders.

Es war eine Tonaufnahme von einem Gespräch zwischen Laura und Daniel.

Daniel sagte darin:

„Du verstehst nicht, was passiert, wenn du diese Unterlagen weitergibst.“

Laura antwortete:

„Dann wird endlich jemand erfahren, was ihr getan habt.“

Die Aufnahme endete kurz darauf.

Sie bewies nicht, wer für den Unfall verantwortlich war. Aber sie zeigte, dass Laura vor ihrem Unfall unter erheblichem Druck gestanden hatte.

Die Polizei leitete weitere Ermittlungen ein und suchte gezielt nach zusätzlichen Beweisen.

Daniel wurde erneut vorgeladen.

Tobias war inzwischen nicht mehr erreichbar.

Als Miriam diese Nachricht hörte, blickte sie durch die Glasscheibe in Lauras Zimmer.

Ihre Freundin lag noch immer im Krankenhaus. Ihr Zustand war weiterhin ernst, und niemand konnte sagen, wie lange die Erholung dauern würde.

Doch jetzt gab es etwas, das vorher gefehlt hatte:

Beweise. Menschen, die Laura glaubten. Und eine Chance, dass ihre Geschichte gehört werden würde.

In diesem Moment bewegte Laura langsam die Lippen.

Miriam beugte sich vorsichtig zu ihr.

„Laura? Kannst du mich hören?“

Laura versuchte erneut, etwas zu sagen.

Es kam nur ein leises, kaum verständliches Wort.

Mark trat näher und bat sie, sich nicht anzustrengen.

Miriam hielt ihre Hand.

„Ganz langsam. Du musst nichts erzwingen.“

Laura sammelte ihre Kräfte.

Dann formte sie zwei Worte.

„Nicht … Daniel.“

Miriam erstarrte.

Mark sah sie überrascht an.

Denn wenn Laura Daniel nicht meinte, wer war dann die Person, vor der sie solche Angst gehabt hatte?

Und warum hatte sie ausgerechnet jetzt versucht, diese Warnung auszusprechen?