„Nach einer vorläufigen Schätzung mehrere Millionen Pesos. Die genaue Summe steht noch nicht fest.“
Lucía blätterte durch die Unterlagen.
„Diese Firma kenne ich“, sagte sie plötzlich.
Alejandro sah auf.
„Woher?“
Sie zögerte.
„Der Name taucht in einem alten Bericht auf. Damals wurden die Zahlungen freigegeben, obwohl die Rechnungen unvollständig waren.“
„Wer hat sie freigegeben?“, fragte ich.
Lucía legte die Papiere hin.
„Herr Robles.“
Niemand sagte etwas.
Ich dachte an sein Gespräch mit mir an diesem Morgen. An seine Warnung, ich solle vorsichtig sein. An die unbekannte Nachricht.
„Vielleicht gibt es eine harmlose Erklärung“, sagte Alejandro.
Seine Stimme klang sachlich, aber sein Blick verriet, dass auch er daran zweifelte.
„Wir sollten keine voreiligen Anschuldigungen erheben“, fügte ich hinzu. „Wir brauchen Beweise, keine Vermutungen.“
Alejandro nickte.
„Genau deshalb wollte ich mit Ihnen sprechen.“
Als wir das Café verließen, bemerkte ich einen Mann auf der anderen Straßenseite. Er hielt sein Handy in unsere Richtung.
Sobald er merkte, dass ich ihn ansah, drehte er sich um und ging davon.
Ich wollte ihm folgen, doch Alejandro hielt Abstand und sagte nur:
„Lassen Sie ihn gehen. Wir dokumentieren, was passiert ist, und überlassen die Sache den zuständigen Stellen.“
Diesmal widersprach ich nicht.
## Kapitel 4: Die Frau, die plötzlich Angst bekam
Am nächsten Morgen erschien Lucía nicht zur Arbeit.
Zunächst dachte ich, sie sei krank. Doch als sie auch auf meine Nachrichten nicht reagierte, begann ich mir Sorgen zu machen.
Gegen Mittag erhielt ich endlich einen Anruf.
„Camila“, flüsterte sie. „Ich muss dir etwas sagen.“
„Wo bist du?“
„Zu Hause. Bitte hör mir einfach zu.“
Ihre Stimme zitterte.
Sie erzählte mir, dass sie am Vorabend einen Umschlag vor ihrer Wohnungstür gefunden hatte. Darin befanden sich Kopien alter Rechnungen und ein Zettel mit einer kurzen Nachricht:
Du hast eine Tochter. Denk daran, bevor du die falschen Menschen gegen dich aufbringst.
Lucía hatte eine zehnjährige Tochter.
„Sie haben meine Familie erwähnt“, sagte sie weinend. „Ich weiß nicht, ob sie mir wirklich etwas antun wollen. Aber ich habe Angst.“
„Du musst damit nicht allein bleiben“, sagte ich. „Bewahre den Umschlag auf. Verändere nichts daran. Wir können den Vorfall melden und uns Unterstützung holen.“
„Und wenn es wirklich Robles war?“
„Dann müssen die Beweise das zeigen.“
Ich versprach ihr, sie nicht unter Druck zu setzen. Sie sollte selbst entscheiden können, wie sie weiter vorgehen wollte.
Noch am selben Nachmittag erfuhr ich, dass Alejandro eine unabhängige Untersuchung durch eine externe Kanzlei veranlasst hatte. Die zuständigen Stellen sollten außerdem die mutmaßlichen Drohungen und den Vorfall mit Mauricio prüfen.
Doch dann geschah etwas, womit niemand gerechnet hatte.
Die interne IT-Abteilung meldete, dass jemand versucht hatte, sich mit einem fremden Zugang auf den Prüfungsserver einzuloggen.
Das Ziel: meine Arbeitsdateien.
Jemand wollte nicht nur verhindern, dass ich die Unregelmäßigkeiten entdeckte.
Jemand wollte wissen, was ich bereits herausgefunden hatte.
## Kapitel 5: Der Name auf dem Bildschirm
Am Abend blieb ich länger im Büro, um meine Notizen zu sichern und meine bisherigen Feststellungen ordnungsgemäß zu dokumentieren.
Ich hatte alle relevanten Dateien auf dem dafür vorgesehenen geschützten System abgelegt. Außerdem erstellte ich eine Übersicht der auffälligen Rechnungen und hielt fest, welche Informationen noch überprüft werden mussten.
Kurz nach 20 Uhr erschien eine neue Meldung auf meinem Bildschirm.
Ein Zugriff auf einen Ordner war blockiert worden.
Das System zeigte den verwendeten internen Benutzernamen an.
Ich starrte auf den Bildschirm.
Es war der Benutzername von Herrn Robles.
Doch ich wusste, dass ein Benutzername allein nicht bewies, wer tatsächlich vor dem Computer gesessen hatte. Zugangsdaten konnten missbraucht worden sein.
Ich meldete den Vorfall sofort an die IT-Sicherheit und bat darum, die Zugriffsprotokolle zu sichern.
Dann klingelte mein Telefon.
Alejandro war am Apparat.
„Camila, wir haben etwas gefunden.“
„Was?“
„Die Firma, die die verdächtigen Rechnungen ausgestellt hat, ist mit einer weiteren Gesellschaft verbunden. Diese Gesellschaft hat vor Monaten eine Zahlung an ein Konto geleistet, das mit Mauricio in Verbindung steht.“
Ich schloss die Augen.
„Also hat er nicht nur versucht, mich zu erpressen. Er könnte Geld von denselben Leuten bekommen haben, die hinter den Rechnungen stehen.“
„Das ist eine Möglichkeit“, sagte Alejandro. „Aber wir müssen den Zusammenhang noch nachweisen.“
Ich war dankbar, dass er keine voreiligen Schlüsse zog.
„Was passiert jetzt?“
„Die Unterlagen werden gesichert. Die externen Prüfer und die zuständigen Behörden übernehmen die weiteren Schritte.“
Ich blickte auf die Liste der Zahlungen.
Plötzlich fiel mir ein Betrag auf, der mir bisher nicht aufgefallen war. Er war klein genug, um zwischen den großen Summen unterzugehen, aber er tauchte regelmäßig auf.
Jeden Monat.
Über fast drei Jahre hinweg.
Der Empfänger war keine Transportfirma.
Es war eine Stiftung.
Eine Stiftung, deren Namen ich schon einmal gehört hatte.
Ich öffnete die öffentlich zugänglichen Unterlagen und prüfte die eingetragenen Verantwortlichen.
Dann stockte mir der Atem.
Einer der Namen gehörte zu einem Mitglied des Aufsichtsrats der Grupo Cárdenas.
Zu dem Unternehmen, in dem ich arbeitete.
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