„Sie können mich nicht einfach—“

„Doch“, unterbrichst du ihn. „Ich kann dafür sorgen, dass diese Angelegenheit nach den geltenden Verfahren untersucht wird.“

Er starrt dich an.

Dann sagt er leise:

„Sie haben keine Ahnung, wie weit das reicht.“

Du bleibst stehen.

„Dann wird es Zeit, dass ich es herausfinde.“

## KAPITEL 7 – DAS MÄDCHEN MIT DEM ROTEN RUCKSACK

Es ist fast Mitternacht, als du in die Hotellobby zurückkehrst.

Die meisten Gäste sind inzwischen auf ihren Zimmern.

Das Licht ist gedämpft.

Die Musik spielt leise.

In einer Ecke sitzt Ximena neben Teresa.

Ihr roter Rucksack liegt auf ihrem Schoß.

Als sie dich sieht, springt sie auf.

„Wo ist Mama?“

Du gehst zu ihr.

„Sie wird gerade von einer Ärztin untersucht. Danach kommt sie zu dir.“

Ximena sieht dich aufmerksam an.

„Ist sie krank?“

„Sie war sehr erschöpft. Wir möchten sicher sein, dass es ihr gut geht.“

Das Mädchen nickt.

Dann fragt es:

„Bekommt Mama jetzt ihr Geld?“

Du spürst einen Stich.

Fünf oder sechs Jahre alt, denkst du.

Ein Kind, das sich eigentlich über Bilderbücher, Spiele und Schulfreunde Gedanken machen sollte.

Stattdessen sorgt es sich darum, ob seine Mutter bezahlt wird.

„Wir überprüfen die Abrechnungen“, antwortest du. „Und alles, was ihr rechtmäßig zusteht, soll sie bekommen.“

Ximena betrachtet dich lange.

„Bist du der Chef von dem bösen Mann?“

Teresa hält kurz den Atem an.

Du lächelst schwach.

„Ich bin für das Hotel verantwortlich.“

„Dann musst du besser aufpassen.“

Die Worte treffen dich unerwartet.

Du nickst langsam.

„Ja, Ximena. Das muss ich.“

Sie denkt einen Moment nach.

Dann öffnet sie ihren Rucksack.

„Ich habe etwas für dich.“

Sie zieht ein zerknittertes Blatt Papier hervor.

Darauf ist ein großes Gebäude gezeichnet.

Vor dem Gebäude stehen mehrere Menschen.

Ein kleines Mädchen hält die Hand einer Frau.

Daneben steht ein Mann im dunklen Anzug.

„Wer ist das?“, fragst du.

„Das bist du.“

Du betrachtest die Zeichnung.

„Und warum stehe ich neben euch?“

Ximena lächelt.

„Weil du Mama geholfen hast.“

Du weißt nicht sofort, was du sagen sollst.

Schließlich antwortest du:

„Danke, Ximena.“

Sie nickt zufrieden.

Dann fragt sie:

„Darf Mama morgen ausschlafen?“

Du lächelst traurig.

„Ja. Ich glaube, das hat sie verdient.“

## KAPITEL 8 – DER MANN, DEM DU VERTRAUT HAST

Am nächsten Morgen sitzt du in deinem Büro in der Firmenzentrale.

Vor dir liegt ein vorläufiger Bericht der internen Revision.

Ricardo Salazar, dein Finanzdirektor, hat eine dringende Besprechung verlangt.

Als er eintritt, trägt er denselben ruhigen Gesichtsausdruck wie immer.

„Gabriel“, sagt er. „Ich habe gehört, es gab gestern Schwierigkeiten im Hotel.“

Du deutest auf den Stuhl.

„Setz dich.“

Ricardo nimmt Platz.

„Esteban hat mich angerufen. Er behauptet, du hättest ihn ohne Grund freigestellt.“

Du öffnest den Ordner.

„Kennst du Valdés Strategic Consulting?“

Ricardos Gesicht verändert sich kaum.

„Der Name sagt mir etwas.“

Du schiebst ihm eine Kopie der Unterlagen zu.

„Deine Unterschrift steht auf mehreren Zahlungsfreigaben.“

Er blickt auf die Papiere.

„Das waren gewöhnliche Beratungsleistungen.“

„Welche Leistungen?“

„Strategische Unterstützung.“

„Für was genau?“

Ricardo zögert.

Du wartest.

Schließlich sagt er:

„Gabriel, wir sollten das intern regeln.“

Du siehst ihn an.

„Das tun wir gerade.“

„Du weißt, wie empfindlich die Öffentlichkeit auf solche Dinge reagiert.“

„Mich interessiert zuerst, ob unsere Mitarbeiter korrekt bezahlt wurden und ob Unternehmensgelder ordnungsgemäß verwendet worden sind.“

Ricardo lehnt sich zurück.

„Du riskierst den Ruf der gesamten Gruppe.“

Du schüttelst den Kopf.

„Nein. Der Ruf unserer Gruppe wird durch das gefährdet, was tatsächlich geschehen ist.“

Ricardo schweigt.

Dann fragt er:

„Was willst du von mir?“

„Eine vollständige Erklärung. Sämtliche Unterlagen. Und deine Zusammenarbeit mit der unabhängigen Untersuchung.“

Er sieht dich lange an.

„Du misstraust mir.“

Du antwortest ruhig:

„Ich habe dir viele Jahre vertraut. Jetzt brauche ich überprüfbare Fakten.“

Eine halbe Stunde später verlässt Ricardo dein Büro.

Am Nachmittag wird auch er bis zur Klärung der Vorwürfe von seinen Aufgaben freigestellt.

Doch kurz vor Feierabend erhält Rafa eine Nachricht.

Ein ehemaliger Buchhalter der Hotelgruppe möchte mit dir sprechen.

Er behauptet, schon vor zwei Jahren versucht zu haben, die Unternehmensleitung vor Unregelmäßigkeiten zu warnen.

Und er besitzt Kopien der damaligen Unterlagen.

## KAPITEL 9 – DIE BESCHWERDEN, DIE NIEMALS ANKAMEN

Der ehemalige Buchhalter heißt Daniel Ortega.

Er ist Mitte vierzig, trägt eine einfache Brille und wirkt nervös, als er dein Büro betritt.

„Herr Mendoza“, beginnt er, „ich habe lange überlegt, ob ich mich melden soll.“

Du deutest auf den Stuhl.

„Danke, dass Sie gekommen sind.“

Daniel setzt sich und legt eine Mappe auf den Tisch.

„Vor zwei Jahren habe ich mehrere Unregelmäßigkeiten in den Personalkosten festgestellt.“

„Welche?“

„Die tatsächlich geleisteten Stunden stimmten nicht mit den abgerechneten Stunden überein.“

Du nickst.

„Wir haben inzwischen ähnliche Hinweise.“

Daniel öffnet seine Mappe.

„Ich habe damals einen Bericht geschrieben.“

Er schiebt dir ein Dokument zu.

Oben steht:

INTERNE MELDUNG – VERDACHT AUF FEHLERHAFTE LOHNABRECHNUNGEN

Darunter befindet sich ein Datum von vor zwei Jahren.

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