„Die Entscheidung liegt bei dir. Wir können dich dabei unterstützen, den Vorfall zu dokumentieren und dich über die Möglichkeiten zu informieren. Du musst nicht warten, bis jemand anderes entscheidet, ob das Geschehene ernst genug war.“

Ich sah auf meine Hände.

Dann auf den Diamantring, den ich nicht mehr trug.

„Ich möchte, dass der Vorfall dokumentiert wird.“

Nina nickte.

„Dann kümmern wir uns darum.“

## Die Nachricht aus dem Hotel

Kurz vor sechs Uhr abends verließ ich das Verwaltungsgebäude gemeinsam mit meinem Vater.

Auf dem Weg zum Wagen erhielt ich eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.

*Grant weiß jetzt, dass du die Mehrheit kontrollierst. Er wird versuchen, dich zu erreichen. Bitte geh nicht allein zu ihm.*

Ich zeigte meinem Vater die Nachricht.

„Wer ist das?“, fragte er.

„Ich weiß es nicht.“

Nina hatte uns bereits gesagt, dass wir keine unbekannten Behauptungen ungeprüft übernehmen sollten. Trotzdem ließ ich die Nachricht sichern und leitete sie an sie weiter.

Dann klingelte mein Telefon.

Grant.

Ich sah auf den Bildschirm.

Mein Vater sagte nichts. Er wartete, bis ich selbst entschied.

Ich nahm ab.

„Mara.“

Seine Stimme klang nicht mehr wie die des Mannes, der vor wenigen Stunden am Altar gestanden hatte.

„Was willst du?“

„Wir müssen reden.“

„Dann sprich mit Nina.“

„Hör auf, dich hinter deiner Anwältin zu verstecken.“

„Ich verstecke mich nicht. Ich lasse mich beraten.“

Er atmete scharf aus.

„Du hast dem Vorstand erzählt, dass du einundfünfzig Prozent kontrollierst.“

„Das stimmt.“

„Du hast mich glauben lassen, du hättest nur zwölf.“

„Ich habe dir nie versprochen, dir meine gesamten Vermögensverhältnisse offenzulegen.“

„Wir wollten heiraten!“

Ich sah meinen Vater an.

„Und du hast versucht, meine Anteile unter die Heiratsurkunde zu schieben.“

„Das war eine Formalität!“

„Dann hättest du sie mir vorher zeigen können.“

Er schwieg.

Dann sagte er: „Mara, du weißt nicht, was Vivian getan hat.“

Ich richtete mich auf.

„Was soll das heißen?“

„Sie hat die Vereinbarung vorbereitet. Ich sollte nur dafür sorgen, dass du unterschreibst.“

Mein Vater trat näher.

Grant fuhr fort:

„Sie sagte, nach der Hochzeit wäre es einfacher. Ich hätte die Kontrolle über die Stimmrechte bekommen, und du hättest dich um die gesellschaftlichen Dinge kümmern können.“

„Und deshalb hast du mich geschlagen?“

„Ich habe die Kontrolle verloren.“

„Nein, Grant. Du hast die Entscheidung getroffen.“

Er sagte nichts mehr.

Ich beendete das Gespräch.

Mein Vater öffnete die Wagentür.

Doch bevor ich einstieg, kam eine weitere Nachricht.

Diesmal von Nina.

*Wir haben gerade eine ältere Vereinbarung gefunden. Sie wurde vor drei Monaten bei Northstar eingereicht. Darin geht es nicht um deine Anteile.*

Ich las weiter.

*Es geht um die Übertragung bestimmter Vermögenswerte aus dem Familientreuhandfonds. Als vorgesehene Begünstigte ist eine Person eingetragen, die du sehr gut kennst.*

Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug.

„Wer?“, fragte mein Vater, als er mein Gesicht sah.

Ich zeigte ihm den Bildschirm.

Unter der Überschrift stand ein Name.

**Vivian Mercer.**

Ich blickte auf die dunklen Fenster des Verwaltungsgebäudes zurück.

Grant hatte geglaubt, die Hochzeit würde ihm die Kontrolle über Northstar verschaffen.

Doch möglicherweise hatte Vivian längst einen anderen Weg vorbereitet.

Und plötzlich verstand ich, warum sie an diesem Morgen gelächelt hatte.

**Sie hatte nicht nur darauf gewartet, dass ich unterschrieb. Sie hatte offenbar darauf gesetzt, dass ich niemals herausfinden würde, was bereits vor der Hochzeit in meinem Namen vorbereitet worden war.**

→

Recently Viewed

Stories you read recently will appear here.