# 😱 TEIL 2: Der Vorstand erfuhr die Wahrheit

Um 10:42 Uhr erreichten wir das Verwaltungsgebäude von Northstar Hotels.

Der Regen hatte inzwischen nachgelassen. Auf den Stufen vor dem Eingang standen zwei Sicherheitsmitarbeiter, die sich sofort aufrichteten, als sie mich aus dem Wagen steigen sahen.

„Ms. Bennett“, sagte einer von ihnen. „Ihr Vater wartet bereits im Konferenzraum.“

Ich nickte.

Cole nahm mir den Blumenstrauß ab. Das blaue Band war inzwischen zerknittert, und einige weiße Lilien hatten ihre Blütenblätter verloren.

„Soll ich Sie begleiten?“, fragte er.

„Nein. Aber bleiben Sie bitte hier.“

Ich ging durch die Drehtür.

In der Lobby wurde es still. Einige Mitarbeiter erkannten mich sofort. Andere blickten auf meine Wange und wandten schnell die Augen ab.

Ich wollte nicht, dass jemand Mitleid mit mir hatte.

Ich wollte, dass sie verstanden, warum ich gekommen war.

Im Aufzug rief Nina an.

„Der Eilantrag ist vorbereitet“, sagte sie. „Wir beantragen, dass bis zur Prüfung keine ungewöhnlichen Übertragungen oder Änderungen der Stimmrechte vorgenommen werden.“

„Und die Aufnahme?“

„Ich habe eine unveränderte Kopie gesichert. Das Original bleibt auf deinem Gerät. Wir werden die Herkunft dokumentieren und sie nur dort vorlegen, wo es rechtlich sinnvoll ist.“

„Gut.“

„Mara, noch etwas: Der Vorstand wird Fragen stellen. Du musst nicht jede Einzelheit deiner Beziehung vor allen erzählen.“

Ich blickte auf die leuchtenden Etagenzahlen.

„Ich werde nur sagen, was für das Unternehmen wichtig ist.“

„Das ist richtig.“

Als sich die Aufzugstüren öffneten, wartete mein Vater bereits im Flur.

Henry Bennett sah mich an. Sein Blick blieb an meiner Wange hängen.

Für einen Moment sagte er nichts.

Dann fragte er leise: „Hat er dich verletzt?“

Ich nickte.

Sein Kiefer spannte sich an.

„Ich hätte bei der Zeremonie sein sollen.“

„Dad, das ändert nichts an dem, was Grant getan hat.“

Er senkte den Kopf.

„Nein. Aber ich hätte neben dir stehen sollen.“

Ich nahm seine Hand.

„Jetzt bist du hier.“

Er drückte meine Finger und führte mich in den Konferenzraum.

## Die Sitzung

Am langen Tisch saßen bereits neun Vorstandsmitglieder. Nina hatte ihren Platz neben dem Vorsitzenden eingenommen. Auf einem Bildschirm waren die aktuellen Beteiligungsverhältnisse von Northstar dargestellt.

Als ich eintrat, erhoben sich mehrere Personen.

Der Vorsitzende, Robert Hayes, deutete auf den freien Stuhl.

„Ms. Bennett, wir haben von der Unterbrechung Ihrer Hochzeit erfahren. Bevor wir über geschäftliche Fragen sprechen, möchten wir wissen, ob Sie medizinische Hilfe benötigen.“

„Danke. Ich werde mich darum kümmern.“

Er nickte.

„Dann beginnen wir.“

Nina legte eine Kopie des Dokuments auf den Tisch, das Grant unter die Heiratsurkunde geschoben hatte.

„Dieses Dokument sollte die Stimmrechtsanteile von Mara Bennett auf Grant Mercer übertragen“, erklärte sie. „Die genaue rechtliche Wirkung muss geprüft werden. Unsere Mandantin hat es nicht unterschrieben.“

Ein Vorstandsmitglied blätterte durch die Seiten.

„Warum wurde ein solches Dokument überhaupt in die Hochzeitsmappe gelegt?“

„Das können wir derzeit nicht abschließend beantworten“, sagte Nina. „Wir haben jedoch eine Aufnahme, die zeigt, wie Grant die Unterschrift vor der Zeremonie verlangt und wie er auf die Weigerung unserer Mandantin reagiert.“

Robert sah mich an.

„Möchten Sie die Aufnahme vorführen?“

Ich atmete tief ein.

„Ja. Aber ich möchte, dass sie ausschließlich für diese Prüfung verwendet und vertraulich behandelt wird.“

Nina bestätigte, dass die Datei unverändert gesichert worden war. Dann wurde die Aufnahme abgespielt.

Zuerst hörte man die Stimmen der Gäste. Dann Grants Forderung.

*„Mara, unterschreib es.“*

Meine Antwort.

*„Nein.“*

Ein kurzes Geräusch.

Dann Stille.

Die Aufnahme lief weiter. Man hörte Grants Stimme, wie er mir sagte, ich solle ihn nicht noch einmal in Verlegenheit bringen. Danach waren Vivians Worte zu hören, und schließlich Dereks Bemerkung, dass das Dokument bereits Wochen zuvor vorbereitet worden sei.

Niemand am Tisch sprach.

Als die Aufnahme endete, blieb Robert lange still.

„Hat jemand von Ihnen diese Übertragung genehmigt?“, fragte er in die Runde.

Keiner antwortete.

Nina schloss ihre Mappe.

„Wir empfehlen, sämtliche Unterlagen zur Vorbereitung dieses Dokuments zu sichern und zu prüfen, ob weitere Versuche unternommen wurden, die Stimmrechte unserer Mandantin zu verändern.“

Robert nickte.

„Das wird veranlasst.“

## Die Zahl, die niemand erwartet hatte

Ein Vorstandsmitglied namens Patricia Moore beugte sich über die Unterlagen.

„Mara, uns wurde bisher mitgeteilt, dass Sie zwölf Prozent der stimmberechtigten Anteile kontrollieren.“

Ich sah sie an.

„Das ist richtig.“

„Aber laut dem aktuellen Register und den Treuhandunterlagen sind weitere Anteile Ihnen zugeordnet.“

Nina öffnete eine zweite Mappe.

„Nach Abschluss der rechtlichen Übertragungen kontrolliert Frau Bennett einundfünfzig Prozent der Stimmrechte.“

Am Tisch entstand ein leises Raunen.

Robert sah von den Unterlagen zu mir.

„Wusste Grant Mercer davon?“

„Nein. Er wusste nur von den zwölf Prozent, die ich ihm gegenüber erwähnt hatte.“

„Warum haben Sie ihm den vollständigen Umfang nicht offengelegt?“

Ich überlegte kurz.

„Weil ich wollte, dass er mich als seine Partnerin sieht und nicht als Zugang zu einem Unternehmen. Ich habe ihm vertraut. Ich hatte keinen Grund, ihm meine gesamte finanzielle Situation offenzulegen.“

Patricia blätterte weiter.