Martha wusste, dass sie nicht länger warten konnte. Wenn sie den Winter in ihrer kleinen Hütte verbringen würde, müsste sie entweder mehr Brennholz beschaffen oder einen Weg finden, die Wärme zu bewahren. Doch das Holz wurde immer teurer, und ihre Ersparnisse reichten kaum noch aus, um die nötigsten Dinge zu kaufen.
An einem kalten Novembermorgen nahm sie eine Laterne, eine Schaufel und eine alte Decke und machte sich auf den Weg zu einer Höhle am Fuß des Berges.
Sie kannte diesen Ort seit ihrer Kindheit. Der Eingang lag verborgen hinter dichtem Gestrüpp und schroffen Felsen. Im Sommer war die Höhle kaum mehr als ein dunkler Hohlraum im Gestein gewesen. Doch Martha erinnerte sich daran, dass es dort selbst an den heißesten Tagen angenehm kühl blieb. Und im Winter, so überlegte sie, könnte das Gestein ihr helfen, die schlimmste Kälte draußen zu halten.
Sie betrat die Höhle und hielt die Laterne hoch.
Der Raum war größer, als sie ihn in Erinnerung hatte. Die Decke wölbte sich über ihr, und an der Rückwand war der Boden trocken. Es roch nach feuchter Erde und altem Stein, aber es gab keine Anzeichen dafür, dass Wasser regelmäßig eindrang.
Martha ging langsam durch den Raum und prüfte jede Ecke. Sie klopfte mit einem Stein gegen die Wände, suchte nach lockeren Felsstücken und untersuchte den Boden auf Risse.
Dann traf sie ihre Entscheidung.
Sie würde hier schlafen.
Noch am selben Tag begann sie, die Höhle herzurichten. Sie entfernte lose Steine, schleppte trockenes Gras hinein und sammelte dicke Äste, aus denen sie einen einfachen Bettrahmen bauen konnte. Über den Rahmen legte sie Bretter und mehrere Lagen Decken. Sie brachte eine alte Truhe für ihre Kleidung mit und stellte eine kleine Kiste daneben, in der sie Mehl, Bohnen und andere haltbare Lebensmittel aufbewahrte.
Doch sie dachte nicht nur an sich selbst.
Am hinteren Ende der Höhle richtete sie einen getrennten Bereich für ihre Tiere ein. Sie legte trockenes Stroh aus und schuf einen Platz, an dem sie sich vor dem eisigen Wind zurückziehen konnten. Den Eingang sicherte sie mit einer stabilen Holzkonstruktion, die den Wind brechen sollte, ohne die Luftzufuhr vollständig zu blockieren.
Als die Dorfbewohner hörten, was sie vorhatte, lachten einige laut.
„Eine Höhle ist kein Zuhause“, sagte ein Rancher, der eines Nachmittags an ihrer Hütte vorbeikam.
„Und wenn der Schnee den Eingang verschüttet?“, fragte ein anderer.
Martha ließ sich nicht provozieren.
„Dann hoffe ich, dass ich besser vorbereitet bin als diejenigen, die nur darüber lachen“, antwortete sie ruhig.
Die Männer tauschten Blicke aus. Für sie war die Sache damit entschieden. Martha Hert hatte den Verstand verloren.
Doch Martha hatte etwas beobachtet, das den anderen entgangen war. Die Temperaturen fielen nachts immer schneller, und der Wind änderte seine Richtung. Die Vögel verschwanden früher als gewöhnlich aus den höheren Lagen. Die Tiere wurden unruhig, und die Wolken über den Gipfeln sammelten sich zu einer dunklen, schweren Decke.
Der Winter kam nicht einfach näher.
Er war bereits unterwegs.
In den folgenden Tagen verlegte Martha nach und nach ihre wichtigsten Vorräte in die Höhle. Sie stapelte Holz an einem trockenen Platz, kontrollierte ihre Decken und bereitete genügend Nahrung für mehrere Wochen vor. Außerdem markierte sie den Weg zwischen der Höhle und einem zweiten Ausgang, den sie entdeckt hatte. Sollte der Haupteingang durch Schnee oder herabfallende Äste blockiert werden, wollte sie nicht ohne Ausweg dastehen.
Sie wusste, dass ihre Unterkunft nicht perfekt war. Ein Felssturz, eindringendes Wasser oder eine schlechte Luftzirkulation konnten gefährlich werden. Deshalb hielt sie den Eingang frei, achtete auf Feuchtigkeit und Rauch und sorgte dafür, dass ihre Tiere ausreichend Platz hatten.
Dann kam der erste große Schneefall.
Zunächst wirkte er harmlos. Einzelne Flocken tanzten über die Felder, während die Dächer des Dorfes langsam weiß wurden. Kinder liefen hinaus, um den Schnee mit ihren Stiefeln aufzuwirbeln. Die Männer versicherten sich gegenseitig, dass der Sturm bald vorüberziehen würde.
Doch in der Nacht nahm der Wind zu.
Er heulte zwischen den Berghängen, rüttelte an den Türen und trieb den Schnee in dichten Wolken über die Wege. Am nächsten Morgen waren die Zäune kaum noch zu erkennen. Die schmalen Pfade, die das Dorf mit den Ranches verbanden, verschwanden unter einer weißen Decke.
Martha erwachte in der Höhle und lauschte.
Draußen tobte der Sturm, doch im Inneren war es vergleichsweise ruhig. Die Felsen dämpften das Heulen des Windes. Sie zog ihre Decke enger um die Schultern, stand auf und überprüfte zuerst die Tiere.
Sie waren unruhig, aber geschützt.
Anschließend kontrollierte sie ihre Vorräte. Alles war trocken. Der Eingang war teilweise zugeschneit, doch die Öffnung, die sie für die Luftzufuhr freigehalten hatte, funktionierte noch. Martha entfernte vorsichtig den Schnee, der sich dort angesammelt hatte, und prüfte den zweiten Ausgang.
Dann kehrte sie zu ihrem provisorischen Bett zurück.
Zum ersten Mal seit Wochen musste sie nicht ständig darüber nachdenken, wie viel Brennholz sie in der nächsten Nacht verbrauchen würde.
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