„Wo ist er?“
„Bei mir zu Hause.“
Ich sah sie ungläubig an.
„Du hast ihn die ganze Zeit behalten?“
Sie nickte.
„Ich hatte Angst, dass jemand davon erfahren könnte.“
Der Polizeibeamte, der vor der Tür gewartet hatte, trat ein.
„Frau Clara, Sie werden uns den Umschlag übergeben müssen. Wir werden seinen Inhalt dokumentieren und überprüfen.“
Clara stimmte zu.
Doch bevor sie ging, drehte sie sich noch einmal zu mir um.
„Anna, eine Sache musst du wissen. Markus wollte nie, dass du für das bezahlst, was andere getan haben.“
„Was meinst du damit?“
Sie sah mich mit tränengefüllten Augen an.
„Die ursprüngliche Vereinbarung betraf nicht nur sein Unternehmen. Dein Name stand ebenfalls darin.“
Dann verließ sie das Zimmer.
Der Name auf dem Vertrag
Am nächsten Tag erhielt die Polizei den Umschlag.
Die Ermittler untersuchten die Dokumente und stellten fest, dass mehrere Unterschriften überprüft werden mussten.
Auf einem Vertrag tauchte mein Name auf.
Ich hatte dieses Dokument nie gesehen.
Es ging um eine finanzielle Vereinbarung, die angeblich mit meiner Zustimmung abgeschlossen worden war.
„Ich habe das nicht unterschrieben“, sagte ich sofort.
Der Ermittler nickte.
„Das wird untersucht. Wir haben bereits eine Prüfung der Unterschrift veranlasst.“
Dann zeigte er auf eine zweite Zeile.
Dort stand der Name meines Bruders.
Ich konnte nicht mehr ruhig sitzen.
„Warum sollte mein Bruder so etwas tun?“
Der Ermittler antwortete vorsichtig:
„Das können wir erst sagen, wenn wir seine Aussage gehört und die Dokumente überprüft haben.“
In diesem Moment klingelte das Telefon meines Cousins.
Er hörte einige Sekunden zu.
Dann veränderte sich sein Gesicht.
„Was ist passiert?“, fragte ich.
Er legte auf.
„Die Polizei hat deinen Bruder gefunden.“
Ich schluckte.
„Wo ist er?“
„Er ist bereits auf dem Weg hierher.“
Die Wahrheit hinter der Hochzeit
Eine Stunde später betrat mein Bruder das Krankenzimmer.
Er sah nicht aus wie jemand, der gekommen war, um seine Schwester zu besuchen.
Er sah aus, als hätte er seit Tagen nicht geschlafen.
„Anna“, begann er.
Ich hob die Hand.
„Sag mir nur eines: Hast du Markus geholfen, seinen Tod vorzutäuschen?“
Er blickte kurz zum Polizeibeamten.
Dann nickte er.
„Ja.“
Ich schloss die Augen.
„Warum?“
„Weil Markus herausgefunden hatte, dass jemand seine Identität benutzen wollte, um Zugriff auf bestimmte Vermögenswerte zu bekommen. Er wollte Beweise sammeln. Wir dachten, ein vorübergehendes Verschwinden würde die Verantwortlichen dazu bringen, Fehler zu machen.“
„Und warum habt ihr mich nicht eingeweiht?“
Mein Bruder sah zu Boden.
„Weil Markus glaubte, dass du sonst in Gefahr geraten könntest.“
„Ihr habt mich glauben lassen, mein Mann sei tot!“
Er antwortete nicht.
Dann zog er einen weiteren Umschlag aus seiner Jacke.
„Das hier sollte ich dir erst geben, wenn die Polizei alles überprüft hat.“
Der Beamte nahm den Umschlag entgegen und öffnete ihn gemeinsam mit meinem Bruder.
Darin lag ein Brief.
Die Handschrift war eindeutig die von Markus.
Ich erkannte sie sofort.
Der Brief begann mit den Worten:
„Meine geliebte Anna, wenn du diese Zeilen liest, bedeutet das, dass ich dir die Wahrheit nicht selbst sagen konnte. Es tut mir leid, dass du durch mein Schweigen so viel Angst und Schmerz ertragen musstest. Aber es gibt etwas, das du über unsere Hochzeit wissen musst …“
Ich hielt inne.
Der nächste Satz war nur eine Zeile lang.
Doch er veränderte alles.
„Die Person, die an unserem Hochzeitstag das Glas Champagner vorbereitet hat, war nicht diejenige, die du vermutest.“
Ich hob langsam den Kopf.
„Was soll das bedeuten?“
Mein Bruder antwortete nicht.
Der Polizeibeamte blätterte zur letzten Seite.
Dort stand ein weiterer Name.
Ein Name, den ich niemals in diesem Zusammenhang erwartet hätte.
Martin Weber.
Ich sah zur Tür.
Doch Martin war nicht mehr da.
Und plötzlich wurde mir klar, dass der Mann, der uns angeblich helfen wollte, möglicherweise die wichtigste Wahrheit von allen verborgen hatte.
Warum hatte Martin ausgerechnet am Tag nach Markus’ angeblichem Tod ein Foto gemacht? Und was wusste er wirklich über das Glas Champagner?
Die Antwort sollte ich schon bald erfahren – doch bevor die Polizei Martin finden konnte, erhielt ich eine Nachricht von einer unbekannten Nummer:
„Wenn du deinen Mann wirklich wiedersehen willst, darfst du niemandem im Krankenhaus vertrauen.“ 😨😱
Fortsetzung folgt …
Martin stärker als Hauptverdächtigen aufbauen
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