„Was für ein Geheimnis?“
Der Beamte las weiter:
„Mark weiß mehr, als er dir erzählt. Er war nicht zufällig in dein Leben getreten. Und er ist auch nicht der Mann, für den du ihn hältst.“
Sofia drehte sich langsam zu ihrem Liebhaber um.
„Mark? Was soll das bedeuten?“
Er wich ihrem Blick aus.
„Das ist Unsinn. Daniel versucht nur, uns gegeneinander auszuspielen.“
Doch Sofia kannte diese Stimme. Sie hatte Mark oft genug gehört, um zu erkennen, wann er log.
„Du hast gesagt, du hättest Daniel erst durch mich kennengelernt.“
Mark schwieg.
„Du hast mir versprochen, dass du mich liebst!“, rief sie.
Einer der Beamten bat sie, sich zu beruhigen. Doch Sofia konnte nicht mehr aufhören, Fragen zu stellen.
Schließlich öffnete der zweite Beamte einen weiteren Umschlag, der zusammen mit dem Brief gefunden worden war.
Darin befanden sich alte Fotografien.
Auf dem ersten Bild standen Daniel und Sofias Mutter vor einem kleinen Haus. Auf dem zweiten hielt Isabella ein Baby im Arm. Und auf dem dritten stand Mark neben ihr – allerdings war er darauf noch ein kleines Kind.
Sofia nahm das Foto mit zitternden Fingern.
„Das … das ist Mark?“
Der Beamte nickte.
„Nach ersten Erkenntnissen könnte dieses Bild aus der Zeit stammen, bevor Sie Ihren Mann kennengelernt haben.“
Mark schloss die Augen.
„Ich wollte es dir irgendwann erzählen.“
Sofia sah ihn fassungslos an.
„Was erzählen?“
Er atmete tief durch.
„Deine Mutter kannte meine Familie. Daniel wusste davon. Er hatte Unterlagen gefunden, die beweisen, dass unsere Familien schon seit Jahrzehnten miteinander verbunden sind.“
„Das erklärt immer noch nicht, warum du mich geheiratet hast!“
Mark antwortete nicht.
In diesem Moment klingelte erneut das Telefon eines Beamten.
Er nahm den Anruf entgegen, hörte einige Sekunden zu und sah dann Sofia an.
„Frau Sofia, Ihr Mann möchte mit Ihnen sprechen.“
Sie erstarrte.
„Daniel?“
Der Beamte nickte und schaltete den Lautsprecher ein.
Eine erschöpfte, aber vertraute Stimme erklang:
„Sofia …“
Sie begann zu weinen.
„Daniel, bitte …“
„Nein“, unterbrach er sie ruhig. „Du musst mir jetzt zuhören. Ich habe dir jahrelang vertraut. Ich wollte glauben, dass unsere Ehe etwas Echtes war.“
„Ich kann alles erklären!“
„Dann erklär mir eines: Warum hat Mark vor drei Tagen versucht, meine Unterschrift unter ein Dokument zu bekommen, das mein gesamtes Vermögen übertragen sollte?“
Sofia blickte entsetzt zu Mark.
Daniel sprach weiter:
„Ich habe damals nicht unterschrieben. Und ich habe auch nicht vergessen, was deine Mutter mir vor ihrem Tod gesagt hat.“
Eine kurze Pause entstand.
Dann sagte er den Satz, der Sofia endgültig den Boden unter den Füßen wegzog:
„Du hast nicht nur den falschen Mann geliebt, Sofia. Du hast dein ganzes Leben lang eine Lüge geglaubt.“
„Welche Lüge?“, fragte sie unter Tränen.
Daniel antwortete:
„Frag Mark, warum er wirklich in dein Leben gekommen ist. Und frag ihn, was damals mit dem Testament deiner Mutter geschehen ist.“
Mark sprang plötzlich auf.
„Das reicht!“
Doch die Beamten hielten ihn zurück.
Sofia stand regungslos da. Das Meer, das wenige Stunden zuvor noch wie der Beginn eines neuen Lebens ausgesehen hatte, lag nun dunkel und bedrohlich hinter ihr.
Sie blickte wieder auf das Foto ihrer Mutter.
Auf der Rückseite stand eine handgeschriebene Nachricht:
„Für Sofia. Wenn du eines Tages die Wahrheit erfährst, vergiss nicht, wer dich wirklich beschützt hat.“
Doch darunter befand sich noch ein zweiter Satz.
Ein Satz, den Daniel offenbar bis zu diesem Moment niemandem gezeigt hatte:
„Mark ist nicht der Einzige, der von diesem Geheimnis profitiert hat.“
Sofia hob langsam den Kopf.
„Wer ist dann noch daran beteiligt?“
Am anderen Ende der Leitung wurde es still.
Dann antwortete Daniel mit leiser Stimme:
„Dein eigener Vater.“
Sofia ließ das Foto fallen.
Denn sie hatte ihr ganzes Leben geglaubt, ihr Vater sei vor vielen Jahren gestorben.
Doch Daniel behauptete gerade, dass dieser Mann noch lebte …
Fortsetzung folgt im nächsten Teil … 👇😨
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