Sofia und Mark standen noch immer an Deck und stießen mit ihren Gläsern an. Das Meer lag ruhig vor ihnen, und die untergehende Sonne tauchte den Horizont in ein wunderschönes Rot. Für sie war alles vorbei. Daniel würde niemals zurückkehren, und niemand würde erfahren, was wirklich geschehen war.
„Auf unser neues Leben“, sagte Mark und küsste Sofia auf die Stirn.
Sie lächelte.
„Endlich müssen wir uns nicht mehr verstecken. Das ganze Vermögen gehört bald uns.“
Doch gerade als Mark die Champagnerflasche abstellte, begann Sofias Handy zu klingeln.
Eine unbekannte Nummer.
Sie runzelte die Stirn und nahm ab.
„Hallo?“
Am anderen Ende blieb es zunächst still. Dann hörte sie eine Männerstimme.
„Guten Abend, Frau Sofia. Ich hoffe, Sie genießen Ihre Bootsfahrt.“
Sofia erstarrte.
„Wer ist da?“
„Jemand, der gerade eine interessante Entdeckung gemacht hat.“
Mark bemerkte sofort, wie sich ihr Gesicht veränderte.
„Was ist los?“, flüsterte er.
Sofia hob die Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen.
„Wovon sprechen Sie?“
Der Mann am Telefon antwortete ruhig:
„Ihr Mann hat offenbar vergessen, Ihnen etwas über seine Yacht zu erzählen.“
In diesem Moment ertönte hinter ihnen ein lautes Signal.
Beide drehten sich erschrocken um.
Am Horizont näherte sich ein kleines Rettungsboot. Daneben blinkten die Lichter eines größeren Schiffes. Mark stellte sein Glas ab und ging zum Geländer.
„Das kann nicht sein“, murmelte er.
Sofia spürte, wie ihre Hände zu zittern begannen.
„Vielleicht haben sie etwas gesehen“, sagte sie leise.
Doch dann klingelte Marks eigenes Handy.
Er nahm ab.
„Ja?“
Eine Stimme sagte nur wenige Worte:
„Mark, wir haben Daniel gefunden.“
Das Glas in seiner Hand glitt ihm beinahe aus den Fingern.
„Was?“
„Er lebt. Und er ist bereits auf dem Weg zurück.“
Sofia wich langsam zurück.
„Nein … das ist unmöglich.“
Mark sah sie an. Zum ersten Mal seit Beginn ihres Plans war in seinem Gesicht keine Spur von Überlegenheit mehr zu erkennen.
„Wir müssen hier weg“, sagte er hastig.
Doch bevor einer von beiden reagieren konnte, ertönte eine Durchsage aus dem Lautsprecher des näher kommenden Schiffes:
„An Bord der Yacht befinden sich zwei Personen, die dringend Fragen beantworten müssen. Bleiben Sie an Deck und unternehmen Sie nichts.“
Sofia blickte auf das dunkle Wasser.
Sie konnte nicht verstehen, wie Daniel überlebt haben sollte. Sie hatte doch selbst gesehen, wie er ins Meer gestürzt war.
Wenig später legte das Rettungsboot an.
Zwei Beamte stiegen auf die Yacht. Einer von ihnen hielt ein Mobiltelefon in der Hand.
„Frau Sofia?“
Sie antwortete nicht.
Der Beamte zeigte ihr ein Foto.
Darauf war Daniel zu sehen. Er saß in einem Krankenhausbett, erschöpft, aber bei Bewusstsein. Neben ihm stand ein Arzt.
Unter dem Bild befand sich eine Nachricht:
„Ich weiß jetzt, wer mich verraten hat.“
Sofia begann zu weinen.
„Das ist nicht wahr …“
Doch der Beamte ließ sich nicht beeindrucken.
„Sie werden uns jetzt erklären müssen, was heute Nacht auf diesem Boot passiert ist.“
Mark versuchte noch, sich herauszureden. Doch dann entdeckten die Ermittler etwas in seiner Jackentasche: einen Umschlag mit Dokumenten, die Daniel eindeutig zugeordnet werden konnten.
Als Sofia den Umschlag sah, wurde sie kreidebleich.
Denn darin befand sich nicht nur ein Vertrag über Daniels Vermögen.
Es war auch ein Brief, den Daniel bereits mehrere Tage vor der Bootsfahrt geschrieben hatte.
Und auf der ersten Seite stand ein Satz, der alles verändern sollte:
„Falls mir etwas zustößt, soll meine Frau erfahren, dass ich längst die Wahrheit über sie kenne.“
Sofia sah Mark entsetzt an.
„Was bedeutet das?“
Mark schwieg.
Zum ersten Mal begriff sie, dass Daniel möglicherweise schon vor ihrer grausamen Tat wusste, was sie und Mark geplant hatten.
Doch was hatte er entdeckt? Und warum hatte er ihnen trotzdem die Gelegenheit gegeben, mit ihm aufs Meer hinauszufahren?
Als Sofia schließlich die letzte Seite des Briefes aufschlug, begann sie zu schluchzen.
Dort stand ein Name, mit dem sie niemals gerechnet hatte …
Sofia starrte auf die letzte Seite des Briefes.
Ihre Lippen bewegten sich, doch zunächst brachte sie kein einziges Wort heraus.
Dort stand der Name Isabella.
Ihre eigene Mutter.
„Nein … das kann nicht sein“, flüsterte sie.
Mark riss ihr den Brief aus der Hand und überflog die Zeilen. Plötzlich verlor auch er jede Farbe im Gesicht.
„Woher hat Daniel diese Informationen?“, murmelte er.
Einer der Beamten nahm ihm das Schreiben ab.
„Vielleicht sollten wir alle gemeinsam herausfinden, was hier passiert ist.“
Sofia schüttelte heftig den Kopf.
„Meine Mutter hatte nichts mit Daniel zu tun! Sie ist seit Jahren tot!“
Der Beamte blätterte zur nächsten Seite.
Dort stand:
„Sofia, wenn du diesen Brief liest, bedeutet das, dass etwas geschehen ist, vor dem ich dich immer bewahren wollte. Deine Mutter und ich kannten uns lange, bevor wir uns begegneten. Sie hat mir damals ein Geheimnis anvertraut. Ich habe ihr versprochen, es erst dann zu enthüllen, wenn die Wahrheit nicht länger verborgen bleiben kann.“
Sofia begann zu zittern.
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