„Ich habe bereits vor meiner Ankunft Berichte über zwei Insassinnen erhalten, die andere Gefangene zur Arbeit zwangen, persönliche Gegenstände einforderten und Menschen einschüchterten, die sich weigerten. Ich wollte herausfinden, wie weit dieses System tatsächlich reicht.“
Sie blickte kurz zu den anderen Frauen in der Küche.
„Heute habe ich es selbst erlebt.“
Wärterin Collins schluckte.
„Warum haben Sie Ihre Identität nicht gleich bei Ihrer Ankunft offengelegt?“
„Weil ich herausfinden musste, ob die Regeln für alle gelten oder nur für diejenigen, die sich nicht wehren können.“
Dann sah Elena auf das Dokument in ihrer Hand.
„Und ich glaube, ich habe die Antwort bekommen.“
Brenda versuchte, ihre Fassung wiederzugewinnen.
„Sie haben überhaupt nichts gegen uns. Es steht Aussage gegen Aussage.“
Elena nickte langsam.
„Dann wird die Untersuchung zeigen, was wirklich passiert ist.“
Sie wandte sich an Collins.
„Ich möchte, dass die beiden getrennt werden, dass die Zeugen geschützt werden und dass die Aufzeichnungen dieser Küche unverzüglich gesichert werden.“
Diesmal widersprach die Wärterin nicht.
Sie rief über ihr Funkgerät Unterstützung und forderte eine leitende Aufsicht an.
Brenda wurde zunehmend nervös.
„Das können Sie nicht machen!“
„Doch“, antwortete Collins. „Und diesmal werde ich die Meldung auch nicht verschwinden lassen.“
Doch Elena war noch nicht fertig.
Sie wandte sich an die ältere Küchenangestellte, die ihr das Handtuch gegeben hatte.
„Sie haben heute gesehen, was passiert ist. Haben Sie schon früher solche Vorfälle erlebt?“
Die Frau blickte zunächst zu Brenda.
Dann zu Monica.
Ihre Stimme zitterte.
„Ja.“
Brenda fuhr herum.
„Halt den Mund!“
Die Küchenangestellte zuckte zusammen.
Elena stellte sich neben sie.
„Niemand wird Sie dafür bestrafen, dass Sie die Wahrheit sagen.“
Die Frau atmete tief durch.
„Sie haben auch anderen Frauen das Leben schwer gemacht. Sie nehmen ihnen Essen weg, zwingen sie, ihre Aufgaben zu erledigen, und drohen ihnen, wenn sie sich beschweren. Eine Gefangene wurde sogar in einen anderen Trakt verlegt, nachdem sie versucht hatte, etwas zu melden.“
Elena hörte aufmerksam zu.
„Wie hieß sie?“
Die Frau nannte einen Namen.
Elena blickte sofort zu Collins.
„Ich möchte die Verlegungsunterlagen dieser Gefangenen sehen.“
Collins nickte.
In diesem Moment öffnete sich die Küchentür.
Ein hochrangiger Gefängnisbeamter trat ein. Neben ihm befand sich eine Frau in einem dunklen Anzug, die eine schwarze Aktenmappe trug.
Als sie Elena sah, blieb sie stehen.
„Agent Ward?“
Elena nickte.
„Direktorin Hayes.“
Brenda blickte verwirrt zwischen den beiden hin und her.
Die Direktorin stellte ihre Mappe auf einen Tisch.
„Wir haben soeben die ersten gesicherten Aufnahmen erhalten. Außerdem sind mehrere Beschwerden eingegangen, die offenbar nie offiziell registriert wurden.“
Sie öffnete die Mappe und legte eine Liste auf den Tisch.
„Es geht nicht nur um diese beiden Insassinnen.“
Elena betrachtete die Namen.
Dann blieb ihr Blick an einer Zeile hängen.
Ihr Gesicht wurde ernst.
„Wer hat diese Meldungen unterdrückt?“
Direktorin Hayes schloss die Mappe.
„Das ist genau das Problem. Die Unterschriften stammen von einem Mitarbeiter, der seit zwölf Jahren für dieses Gefängnis arbeitet.“
Collins wurde kreidebleich.
„Das ist unmöglich.“
Hayes sah sie direkt an.
„Es ist leider sehr wahrscheinlich.“
Brenda versuchte, etwas zu sagen, doch diesmal hörte ihr niemand mehr zu.
Elena nahm die Liste und las den Namen noch einmal.
Dann hob sie langsam den Kopf.
„Ich kenne diesen Mann.“
„Woher?“, fragte Hayes.
Elena antwortete zunächst nicht.
Sie erinnerte sich an eine frühere Untersuchung, an verschwundene Berichte und an einen Zeugen, der kurz vor seiner Aussage plötzlich seine Meinung geändert hatte.
Dann sagte sie:
„Weil er bereits einmal versucht hat, eine meiner Ermittlungen zu stoppen.“
Direktorin Hayes sah sie erschrocken an.
„Wollen Sie damit sagen, dass er wusste, dass Sie hierherkommen würden?“
Elena blickte zur Tür.
„Ich weiß es noch nicht.“
In diesem Moment vibrierte ihr Diensttelefon.
Eine Nachricht erschien auf dem Display.
Nur ein einziger Satz:
**„Vertrauen Sie niemandem in der Verwaltung. Sie sind nicht die Einzige, die hier undercover arbeitet.“**
Elena las die Nachricht zweimal.
Dann steckte sie das Telefon weg und sah Direktorin Hayes an.
„Wir müssen unsere Untersuchung ausweiten.“
„Warum?“
Elena blickte kurz zu Brenda und Monica, die inzwischen von zwei weiteren Wärtern aus der Küche geführt wurden.
„Weil diese beiden vielleicht nur die kleinsten Figuren in einem viel größeren Spiel sind.“
Und irgendwo im Verwaltungsgebäude beobachtete ein Mann auf einem Überwachungsmonitor, wie Elena die Küche verließ.
Er nahm sein Telefon.
„Sie hat die Unterlagen gefunden“, sagte er leise.
Am anderen Ende antwortete eine unbekannte Stimme:
„Dann müssen wir dafür sorgen, dass sie die nächste Akte niemals zu Gesicht bekommt.“
**FORTSETZUNG FOLGT … 😱👇**
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