Hoffnung.
Aber Hoffnung war gefährlich, wenn man sie mit Gewissheit verwechselte.
Und ich hatte bereits einmal den Preis dafür bezahlt, den falschen Menschen zu vertrauen.
Als ich zu Opals Haus zurückkehrte, stand die graue Limousine wieder auf der anderen Straßenseite.
Diesmal fuhr sie nicht weg.
Ich blieb am Gartentor stehen und tat so, als würde ich in meiner Tasche nach dem Schlüssel suchen.
Der Fahrer saß hinter der Windschutzscheibe. Ich konnte sein Gesicht nicht deutlich erkennen.
Dann hob er sein Handy.
Ich ging sofort ins Haus.
„Opal!“
Sie kam aus der Küche.
„Was ist passiert?“
„Das Auto ist wieder da.“
Opal zog die Vorhänge zu und bat mich, mich von den Fenstern fernzuhalten. Danach fotografierte sie das Fahrzeug aus sicherer Entfernung und notierte die Uhrzeit.
„Wir rufen die Polizei, wenn sich die Situation bedrohlich entwickelt“, sagte sie. „Und wir bewahren jede Nachricht auf. Niemand wird dich dazu bringen, allein mit deiner Schwester oder deinem Mann zu sprechen.“
Ich nickte, doch meine Hände zitterten.
In diesem Moment klingelte mein Handy.
Eine Nachricht von Monica.
Ich weiß, dass du mit Russell Keane gesprochen hast.
Ich las den Satz zweimal.
Dann kam die nächste Nachricht.
Du solltest aufhören, in alten Unterlagen herumzustöbern. Du weißt nicht, was du damit anrichten kannst.
Ich zeigte Opal den Bildschirm.
Sie sagte zunächst nichts.
„Woher weiß sie von Russell?“, fragte ich schließlich.
„Es gibt mehrere Möglichkeiten“, antwortete Opal. „Vielleicht beobachtet dich jemand. Vielleicht hat jemand in deinem Umfeld gesprochen. Wir sollten nicht raten, sondern dokumentieren, was wir tatsächlich wissen.“
Ich machte Screenshots von beiden Nachrichten.
Dann schrieb ich Monica eine Antwort.
Wenn du nichts zu verbergen hast, brauchst du meine Fragen nicht zu fürchten.
Ich bereute die Nachricht fast sofort.
Monica antwortete innerhalb weniger Sekunden.
Du hast keine Ahnung, was Trevor für dich vorbereitet hat.
Bevor ich zurückschreiben konnte, klingelte das Telefon erneut.
Diesmal war es eine unbekannte Nummer.
Ich nahm ab, sagte aber nichts.
Eine Frauenstimme flüsterte:
„Rebecca Hale?“
„Wer ist da?“
„Mein Name ist Evelyn Price. Ich habe früher für Ihre Firma gearbeitet.“
Ich setzte mich langsam auf einen Stuhl.
„Woher haben Sie meine Nummer?“
„Das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass ich gehört habe, dass Sie wieder draußen sind.“
Ich sah zu Opal. Sie deutete mir, das Gespräch auf Lautsprecher zu stellen.
„Evelyn, wissen Sie etwas über die Überweisung an Halston Ridge Supply?“
Am anderen Ende herrschte Stille.
Dann sagte sie:
„Ich weiß, dass Sie diese Zahlung nicht genehmigt haben.“
Mir stockte der Atem.
„Woher wissen Sie das?“
„Weil ich die ursprünglichen Buchungsunterlagen gesehen habe. Und weil ich nach Ihrem Ausscheiden aus der Firma eine E-Mail erhalten habe, in der ich angewiesen wurde, bestimmte Dateien zu löschen.“
„Von wem?“
Evelyn atmete hörbar aus.
„Von Monica.“
Ich presste die Finger gegen meine Stirn.
Vier Jahre lang hatte ich geglaubt, alle Beweise seien verschwunden. Doch möglicherweise hatte jemand die Wahrheit gekannt und geschwiegen.
„Warum haben Sie sich damals nicht gemeldet?“, fragte ich.
„Weil ich Angst hatte. Ich hatte eine Familie, einen Kredit und keine Möglichkeit, gegen zwei Menschen anzutreten, die sich gegenseitig deckten.“
„Und warum melden Sie sich jetzt?“
Evelyn schwieg so lange, dass ich dachte, die Verbindung sei abgebrochen.
Dann sagte sie: „Weil ich heute etwas erhalten habe.“
„Was?“
„Eine Kopie eines Dokuments, das ich vor vier Jahren für unmöglich gehalten hätte.“
Ich stand auf.
„Welches Dokument?“
Ihre Stimme wurde leiser.
„Die ursprüngliche Zahlungsfreigabe. Nicht die Kopie, die bei Ihrem Prozess verwendet wurde.“
Opal trat näher.
„Haben Sie dieses Dokument noch?“, fragte ich.
„Ja. Ich habe es damals ausgedruckt, bevor ich die Anweisung bekam, die Dateien zu löschen. Ich habe es all die Jahre aufbewahrt.“
Zum ersten Mal seit unserer Entlassung aus dem Gefängnis fühlte ich, dass die Vergangenheit vielleicht nicht vollständig verschlossen war.
„Ich möchte es sehen“, sagte ich.
„Nicht am Telefon“, erwiderte Evelyn. „Und Sie müssen mir etwas versprechen.“
„Was?“
„Wenn Sie das Dokument sehen, dürfen Sie Trevor nicht kontaktieren. Ganz gleich, was darauf steht.“
Ich schluckte.
„Warum?“
Evelyn antwortete nicht sofort.
Dann sagte sie einen Satz, der mir den Boden unter den Füßen wegzog.
„Weil Trevor nicht der Einzige war, der Ihre Unterschrift gefälscht hat.“
Die Verbindung brach ab.
Ich blieb reglos stehen.
Opal nahm mir vorsichtig das Handy aus der Hand und legte es auf den Tisch.
„Wir werden das Schritt für Schritt angehen“, sagte sie. „Zuerst sprechen wir mit Russell. Dann lassen wir das Dokument auf legalem Weg sichern und überprüfen.“
Ich nickte, aber meine Gedanken rasten.
Wenn Evelyn die Wahrheit sagte, bedeutete das, dass noch jemand an der Verschwörung beteiligt gewesen sein könnte.
Jemand, den ich kannte.
Jemand, dem ich vertraut hatte.
Und während ich versuchte, mich an jede Person zu erinnern, die damals Zugang zu meinen Geschäftsdokumenten gehabt hatte, erschien eine weitere Nachricht auf meinem Handy.
Sie kam von Trevor.
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