Abigail runzelte die Stirn.

„Wofür?“

„Dass ich nicht früher bemerkt habe, was passiert.“

Sie ergriff meine Hand.

„Du bist jetzt hier.“

Ich schloss für einen Augenblick die Augen.

Diese vier Worte bedeuteten mehr als jede Auszeichnung, die ich jemals erhalten hatte.

Doch draußen auf dem Krankenhausflur begann sich die Lage bereits zu verändern.

Gregory Ferguson hatte inzwischen seinen Anwalt erreicht.

Patricia telefonierte mit einem Mitglied des Krankenhausvorstands.

Und Nicholas versuchte verzweifelt, seinen jüngeren Bruder davon zu überzeugen, dass Abigail keine Beweise besitzen könne.

Keiner von ihnen wusste, dass die Ermittler inzwischen nach einer silbernen Halskette suchten.

Keiner von ihnen ahnte, welche Bedeutung ein kleiner Kompassanhänger haben könnte.

Und vor allem wusste Gregory Ferguson noch nicht, dass sich die Untersuchung nicht länger nur um die Ereignisse im Familienanwesen drehte.

Denn um 00:16 Uhr erhielt Detective Hale einen Anruf.

Der Anrufer stellte sich als Daniel Mercer vor.

Ein ehemaliger Compliance-Mitarbeiter von Ferguson Shipping & Logistics.

Seine Stimme klang angespannt.

„Detective, ich habe gehört, dass Sie heute Abend mit der Familie Ferguson sprechen.“

Hale blieb stehen.

„Woher haben Sie diese Information?“

„Das spielt im Moment keine Rolle. Ich muss Ihnen etwas sagen.“

„Ich höre.“

Am anderen Ende herrschte kurz Stille.

Dann sagte Mercer:

„Wenn Abigail Ferguson tatsächlich im Krankenhaus liegt, dann ist sie nicht die erste Person, die wegen dieser Verträge in Schwierigkeiten geraten ist.“

Hale zog sein Notizbuch hervor.

„Was meinen Sie damit?“

Mercer atmete hörbar ein.

„Vor sechs Monaten habe ich einen Bericht über Unregelmäßigkeiten bei mehreren Transportaufträgen eingereicht. Zwei Tage später wurde ich entlassen.“

„Haben Sie noch eine Kopie des Berichts?“

„Ja.“

„Sind Sie bereit, mit uns zu sprechen?“

„Unter einer Bedingung.“

Hale schwieg.

„Sie müssen verstehen, dass Gregory Ferguson nicht allein gehandelt hat.“

Der Detective blickte durch die Glasscheibe in Richtung Zimmer 3B.

„Wer war noch beteiligt?“

Mercers Antwort kam so leise, dass Hale sie beinahe nicht verstand.

„Jemand, dessen Name Ihnen sehr bekannt vorkommen dürfte.“

„Nennen Sie ihn.“

Eine Pause.

Dann fiel ein Name.

Und in diesem Augenblick begriff Detective Hale, dass der Fall Ferguson möglicherweise weit größer war, als irgendjemand im Charlotte-Krankenhaus vermutet hatte.

Denn die Spur führte nicht nur zu einem milliardenschweren Logistikunternehmen. Sie führte zu einer Person, die seit Jahren als unantastbar galt – und die am nächsten Abend als Ehrengast am Esstisch der Fergusons erwartet wurde.

Richter Hollister.

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