Für meine wunderschöne Frau. Sei brav, ruh dich aus und denk an mich. Ich liebe dich.
Ich starrte auf die Worte.
Darunter stand eine zweite, hastig hinzugefügte Zeile.
Übrigens: Meine Mutter hat den Code für die Haustür. Sie kommt morgen früh vorbei, um die Vorbereitungen für den Brunch zu kontrollieren.
Ich ließ die Karte sinken.
Sylvia hatte also vor, während Marks Abwesenheit in mein Haus zu kommen und meine Arbeit zu kontrollieren.
Ich nahm mein Handy heraus und schrieb ihr eine Nachricht.
Sylvia, ich werde morgen keine Gästezimmer reinigen und keine Vorbereitungen für Ihren Brunch übernehmen. Bitte stimmen Sie jeden Besuch vorher mit mir ab.
Ihre Antwort kam weniger als eine Minute später.
Du vergisst offenbar, wer dich in diese Familie aufgenommen hat.
Ich legte das Handy auf den Tisch.
Dann schrieb ich nur einen Satz zurück.
Nein. Ich beginne gerade, mich daran zu erinnern, wer ich vor dieser Familie war.
Kapitel 4: Der Besuch am nächsten Morgen
Am nächsten Morgen weckte mich das Klingeln an der Haustür kurz nach acht.
Ich hatte kaum geschlafen. Mein Rücken schmerzte, und das Baby hatte mich in der Nacht mehrmals geweckt. Trotzdem stand ich auf, zog einen bequemen Morgenmantel über mein Kleid und ging zur Tür.
Sylvia stand davor.
Neben ihr befand sich eine Frau mit einem Notizbuch, vermutlich die Haushälterin, die Sylvia für den Brunch engagiert hatte.
„Du bist spät dran“, sagte meine Schwiegermutter zur Begrüßung.
Ich blickte auf die Uhr.
„Es ist acht Uhr sieben.“
„Meine Freunde kommen morgen früh. Wir müssen die Räume vorbereiten.“
„Dann sollten Sie sich mit der Person abstimmen, die Sie dafür engagiert haben.“
Sylvia sah an mir vorbei in den Flur.
„Lass uns hinein.“
Ich blieb in der Tür stehen.
„Haben Sie einen Termin mit mir vereinbart?“
Ihre Augen wurden schmal.
„Ich bin Marks Mutter.“
„Das beantwortet meine Frage nicht.“
Die Frau mit dem Notizbuch sah plötzlich sehr interessiert auf ihre Schuhe.
Sylvia beugte sich zu mir.
„Du machst einen großen Fehler, Clara. Mein Sohn hat genug Probleme, ohne dass du ihm auch noch Schwierigkeiten bereitest.“
„Ich habe ihn nicht gebeten, auf eine Kreuzfahrt zu fahren.“
„Er braucht Erholung!“
„Dann wünsche ich ihm eine erholsame Reise.“
Sie starrte mich an, als hätte ich sie geohrfeigt.
„Du wirst das bereuen.“
Ich schloss die Tür nicht. Ich schlug sie auch nicht zu.
Ich sah sie lediglich an und sagte ruhig:
„Bitte gehen Sie jetzt.“
Sylvia blieb noch einen Moment stehen. Dann drehte sie sich abrupt um und marschierte zu ihrem Wagen.
Ich schloss die Tür und lehnte mich dagegen.
Mein Baby bewegte sich.
„Schon gut“, flüsterte ich und strich über meinen Bauch. „Mama kümmert sich darum.“
Um zehn Uhr rief Frau Bennett an.
Sie hatte die ersten Unterlagen geprüft und wollte sich am Nachmittag mit mir treffen. Außerdem hatte sie mir geraten, meine medizinische Versorgung und meine praktische Unterstützung für die letzten Schwangerschaftswochen unabhängig von Mark zu organisieren.
Ich hatte gerade eine Liste mit möglichen Ansprechpartnern geschrieben, als mein Telefon klingelte.
Mark.
Ich nahm ab.
„Hallo.“
„Was hast du meiner Mutter angetan?“
Keine Begrüßung. Keine Frage, wie es mir ging.
„Ich habe ihr gesagt, dass sie einen Besuch vorher mit mir abstimmen muss.“
„Sie wollte dir helfen!“
„Sie wollte kontrollieren, ob ich ihre Gästezimmer gereinigt habe.“
„Warum musst du aus allem ein Problem machen?“
Ich schloss die Augen.
„Mark, ich bin hochschwanger und brauche Unterstützung. Du hast mich allein gelassen, die gemeinsamen Kreditkarten gesperrt und deiner Mutter erlaubt, unangekündigt in unser Haus zu kommen. Was genau erwartest du von mir?“
Er schwieg kurz.
Dann sagte er etwas, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.
„Ich habe dir doch gesagt, dass du dich um alles kümmern sollst. Und wenn du das nicht schaffst, müssen wir vielleicht nach der Geburt darüber reden, ob du überhaupt in der Lage bist, dich um unser Kind zu kümmern.“
Ich hielt das Telefon fester.
„Was soll das heißen?“
„Es heißt, dass ich keine Frau brauche, die ständig Probleme macht.“
„Mark, drohst du mir gerade damit, mir unser Kind wegzunehmen?“
„Ich sage nur, dass du dich zusammenreißen solltest.“
Dann legte er auf.
Ich stand regungslos im Wohnzimmer.
Für einen Augenblick wollte ich ihn sofort zurückrufen. Ich wollte ihn anschreien, ihn fragen, wie er es wagen konnte.
Doch dann erinnerte ich mich an Frau Bennetts Worte.
Beginnen Sie mit den Fakten.
Ich notierte Datum und Uhrzeit des Anrufs und schrieb so genau wie möglich auf, was Mark gesagt hatte. Anschließend schickte ich meiner Anwältin eine sachliche Zusammenfassung.
Danach rief ich meine Ärztin an, um meinen nächsten Termin zu bestätigen und zu fragen, welche Unterstützung ich in den kommenden Wochen organisieren sollte.
Erst dann setzte ich mich wieder hin.
Mark hatte geglaubt, dass ich nach seinem Anruf in Panik geraten würde.
Doch er hatte etwas Entscheidendes übersehen.
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