„Vielleicht kannst du es nicht sofort. Vielleicht auch gar nicht. Aber du kannst endlich ehrlich sein.“
Sie nickte.
Dann stand sie auf.
„Ich werde Martin sagen, dass es vorbei ist.“
„Das ist deine Entscheidung.“
Sie schien eine andere Antwort erwartet zu haben.
„Du willst nicht, dass ich das tue?“
„Ich will nicht mehr für dich entscheiden, Lauren. Und ich will auch nicht, dass du etwas nur tust, weil du Angst hast, mich zu verlieren.“
Sie sah mich lange an.
Dann ging sie.
—
Am Abend erhielt ich eine Nachricht von Rachel.
*Der Vorstand hat Martin bis zum Abschluss der Prüfung von seinen Aufgaben im Zusammenhang mit den betroffenen Ausgaben entbunden. Außerdem wurde eine externe Prüfung angeordnet.*
Kurz darauf folgte eine zweite Nachricht.
*Lauren war gerade noch einmal hier. Sie hat einen Umschlag für dich hinterlassen.*
Ich antwortete nicht sofort.
Erst eine Stunde später fuhr ich zurück zum Verwaltungsgebäude. Rachel hatte den Umschlag in meinem Büro abgelegt.
Mein Name stand darauf.
Ich öffnete ihn.
Darin lag der goldene Ehering, den Lauren mir vor fünf Jahren angesteckt hatte.
Und ein Brief.
*Ethan,*
*ich weiß, dass ich nicht erwarten kann, dass du mir sofort verzeihst. Ich habe gestern etwas verloren, das ich für selbstverständlich gehalten habe: deinen Respekt und vielleicht auch dein Vertrauen.*
*Ich möchte dir sagen, dass Martin nicht der erste Mann war, mit dem ich diese Grenze überschritten habe. Ich habe dir nicht alles erzählt. Es gab schon vor Monaten eine Situation, über die ich geschwiegen habe.*
*Ich weiß, dass du die Wahrheit verdienst. Deshalb werde ich dir morgen alles erzählen – auch wenn du danach endgültig gehst.*
Ich las den Brief zweimal.
Dann setzte ich mich langsam auf meinen Stuhl.
Es gab also noch etwas.
Etwas, das Lauren bisher verschwiegen hatte.
Ich legte den Ring neben den Brief und sah auf die Uhr.
Morgen würde ich erfahren, wie lange sie mich tatsächlich belogen hatte.
Doch gerade als ich das Licht ausschalten wollte, erschien eine neue Nachricht auf meinem Telefon.
Sie kam von Martin.
*Ethan, bevor Lauren dir morgen etwas erzählt, solltest du wissen, dass sie nicht die ganze Wahrheit sagt. Frag sie, wer die Suite wirklich bezahlt hat – und warum mein Name auf der Buchung steht.*
Ich starrte auf den Bildschirm.
Denn plötzlich ging es nicht mehr nur um eine Affäre.
Es ging um eine Entscheidung, die jemand bewusst getroffen hatte.
Und ich hatte das Gefühl, dass der nächste Morgen alles verändern würde.
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