# 😱 TEIL 2: „Du hast mir den Ehering zurückgegeben“ – Doch als Lauren den Ordner öffnete, entdeckte sie, was Ethan längst wusste

Als sich die Türen des Hawthorne Grand hinter mir schlossen, hörte ich den Jubel aus dem Festsaal nur noch gedämpft.

Draußen war die Luft eisig. Ich blieb einen Augenblick unter dem Vordach stehen und sah auf meine linke Hand.

Fünf Jahre lang hatte dort ein goldener Ring gesessen.

Jetzt war da nur noch ein heller Streifen auf meiner Haut.

Mein Telefon vibrierte.

Eine Nachricht von Rachel.

*Der Ordner ist beim Vorstandsvorsitzenden angekommen. Er hat den Eingang bestätigt. Was soll ich jetzt tun?*

Ich antwortete:

*Gar nichts. Lass die Unterlagen für sich sprechen. Und bitte geh nach Hause. Du hast genug getan.*

Dann stieg ich in mein Auto.

Ich fuhr nicht nach Hause. Noch nicht.

Das Haus, in dem Lauren und ich fünf Jahre lang gelebt hatten, fühlte sich plötzlich nicht mehr wie ein Zuhause an. Ich wollte nicht mitten in der Nacht vor einer leeren Garderobe stehen und feststellen, dass ihre Jacke fehlte. Ich wollte auch nicht auf ihr Auto warten oder mir ausmalen, welche Erklärung sie mir diesmal geben würde.

Stattdessen fuhr ich zu einem kleinen Hotel am anderen Ende der Stadt.

Dort nahm ich ein Zimmer, stellte meine Aktentasche neben das Bett und setzte mich ans Fenster.

Um Mitternacht begann das neue Jahr.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich keinen Wunsch, den ich mit Lauren teilen wollte.

—

Im Festsaal war die Feier inzwischen verstummt.

Lauren stand noch immer neben Megan. In ihrer Hand lag der goldene Ring, den Ethan ihr zurückgegeben hatte.

„Warum hat er seinen Ring in die Schachtel gelegt?“, fragte sie.

Megan antwortete nicht sofort.

„Weil er offenbar nicht mehr vorhat, ihn zu tragen.“

Lauren lachte kurz, doch das Lachen klang unsicher.

„Er übertreibt. Morgen ist alles wieder normal.“

Megan sah sie an.

„Glaubst du das wirklich?“

Lauren hob den Blick.

„Natürlich. Ethan ist wütend. Er braucht immer ein bisschen Zeit, um sich zu beruhigen.“

„Lauren, er ist gegangen.“

„Er kommt zurück.“

„Er hat dich heute Abend mit Martin gesehen.“

Lauren verdrehte die Augen.

„Du hast doch selbst gesagt, dass ich zu viel Champagner getrunken habe.“

„Ich habe gesagt, dass du zu ihm zurückkommen würdest. Ich habe nicht gesagt, dass du nichts falsch gemacht hast.“

Lauren schwieg.

Martin trat näher und legte ihr eine Hand auf den Rücken.

„Lass uns nach oben gehen“, sagte er. „Die Suite ist vorbereitet.“

Megan blickte ihn an.

„Vielleicht sollte Lauren heute lieber nach Hause fahren.“

Martin lächelte dünn.

„Das ist eine Sache zwischen Lauren und mir.“

„Nein“, erwiderte Megan. „Das ist eine Sache zwischen Lauren und ihrem Ehemann.“

Martin nahm seine Hand von Laurens Rücken.

„Pass auf, was du sagst.“

Lauren sah zwischen ihnen hin und her.

Zum ersten Mal an diesem Abend schien sie zu bemerken, dass nicht alle bereit waren, ihre Entscheidungen mit einem Lächeln zu überdecken.

Sie steckte den Ring in ihre Handtasche.

„Ich muss nachdenken“, sagte sie.

Dann ging sie in Richtung Aufzug.

Martin folgte ihr nicht.

—

Am nächsten Morgen um 8:15 Uhr erhielt ich einen Anruf vom Vorstandsvorsitzenden, Richard Coleman.

„Ethan, ich hoffe, ich störe Sie nicht.“

„Nein. Was gibt es?“

„Wir haben die Unterlagen geprüft, die Sie gestern Abend übermitteln ließen. Ich möchte Sie bitten, heute persönlich zu erscheinen.“

Ich setzte mich auf.

„Geht es um Martin?“

„Es geht um mehrere Vorgänge, die wir nicht länger ignorieren können.“

„Ich komme.“

Eine Stunde später betrat ich das Verwaltungsgebäude unserer Firma.

Richard erwartete mich bereits in seinem Büro. Neben ihm saß Rachel aus der Personalabteilung. Auf dem Tisch lagen die Kopien, die ich zusammengestellt hatte.

„Wir haben die Hotelrechnungen und die Reservierungen geprüft“, begann Richard. „Die Suite wurde tatsächlich auf Laurens Namen gebucht. Allerdings wurde die Rechnung über ein internes Veranstaltungskonto abgerechnet.“

Ich sah ihn an.

„Wer hat die Buchung genehmigt?“

Richard schob mir ein Blatt hin.

Darauf stand Martins Name.

„Er hat angegeben, die Suite werde für einen Geschäftspartner benötigt“, erklärte Richard. „Eine entsprechende Veranstaltung oder Besprechung ist in unserem Kalender jedoch nicht dokumentiert.“

Rachel ergänzte:

„Außerdem haben wir Nachrichten gefunden, die darauf hindeuten, dass Martin und Lauren die Übernachtung gemeinsam geplant hatten.“

Ich blickte auf die Ausdrucke.

Es war nicht nur der Kuss gewesen.

Nicht nur die Suite.

Nicht nur die Champagnerbestellung.

Es war die Selbstverständlichkeit, mit der beide davon ausgegangen waren, dass niemand Fragen stellen würde.

„Was passiert jetzt?“, fragte ich.

Richard faltete die Hände.

„Wir werden eine unabhängige Untersuchung einleiten. Martin erhält Gelegenheit, die Buchung zu erklären. Bis dahin wird er keine Entscheidungen treffen, die mit den betreffenden Ausgaben oder der Veranstaltung zusammenhängen.“

„Und Lauren?“

„Sie ist keine Führungskraft in unserem Unternehmen. Aber wir müssen klären, ob sie an der Abrechnung beteiligt war oder davon wusste.“

Ich nickte.