Dann wurde er ernst.
Schließlich sah er zu mir.
„Wann?“, fragte er.
Eine Pause.
„Sind Sie sicher, dass die Unterlagen vollständig sind?“
Wieder eine Pause.
„Nein. Bitte verändern Sie nichts. Ich werde mich darum kümmern.“
Er beendete das Gespräch.
Ich trat näher.
„Was ist passiert?“
Daniel steckte das Telefon ein.
„Die zuständige Stelle hat eine weitere Einreichung erhalten.“
„Von wem?“
„Von deinem Vater.“
Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug.
„Was hat er eingereicht?“
Daniel zögerte.
„Einen Antrag, der sich auf die Verwaltung eines Teils des Grundstücks bezieht.“
„Aber er hat doch keine Berechtigung dazu.“
„Nach den Unterlagen, die wir bisher kennen, ist das nicht ersichtlich. Genau deshalb muss der Antrag geprüft werden.“
Ich schloss die Augen.
Natürlich.
Mein Vater würde nicht einfach aufgeben.
Er hatte den Umzugswagen fortgeschickt, aber das bedeutete nicht, dass er akzeptiert hatte, was geschehen war.
„Was machen wir jetzt?“
Daniel sah mich ruhig an.
„Wir prüfen den Antrag. Wir reichen die relevanten Dokumente ein und erklären, welche Rechte durch den Treuhandvertrag geschützt sind. Und wir werden untersuchen, ob die Unterlagen aus dem Bootshaus damit zusammenhängen.“
Ich nickte.
„Dann machen wir das.“
Daniel lächelte schwach.
„Ich hatte gehofft, dass du das sagen würdest.“
Wir gingen zurück zum Haus.
Auf der Veranda blieb ich stehen und blickte über den See.
Der Wind hatte zugenommen. Kleine Wellen liefen gegen den Steg und zogen sich wieder zurück.
Ich dachte an meine Großeltern.
An ihren Brief.
An den Schlüssel.
An die Karte mit dem geheimnisvollen Uferstreifen.
Und an meinen Vater, der offenbar noch immer glaubte, dass er über mein Leben bestimmen konnte.
Ich wusste nicht, wie lange diese Auseinandersetzung dauern würde.
Ich wusste nicht, was wir in den Dokumenten finden würden.
Und ich wusste nicht, ob meine Familie jemals verstehen würde, warum ich mich geweigert hatte, nachzugeben.
Aber ich wusste eines.
Ich würde nicht zulassen, dass die Erinnerungen meiner Großeltern zu einem bloßen Preis auf einem Immobilienmarkt wurden.
Ich würde das Haus bewahren.
Nicht aus Trotz.
Nicht, um meiner Familie etwas zu beweisen.
Sondern weil es mir anvertraut worden war.
Und weil ich endlich verstanden hatte, dass manche Dinge ihren Wert erst dann zeigen, wenn jemand versucht, sie einem wegzunehmen.
Doch während ich noch am Fenster stand, erhielt Daniel eine weitere Nachricht.
Er las sie schweigend.
Dann hob er den Kopf.
„Mara“, sagte er, „ich glaube, wir müssen uns den nördlichen Uferstreifen genauer ansehen.“
„Warum?“
Er drehte sein Telefon zu mir.
Auf dem Bildschirm war ein Foto zu sehen.
Es zeigte einen kleinen Pfosten am Seeufer, halb verborgen unter Moos und Laub.
Daneben stand eine frische Markierung in roter Farbe.
Und auf dem Pfosten war ein Zeichen eingeritzt, das ich noch nie zuvor gesehen hatte.
Darunter standen vier Wörter:
DIESER BODEN IST VERSPROCHEN.
Ich starrte auf das Bild.
Dann blickte ich zum Wald.
Zum ersten Mal seit dem Tod meiner Großeltern fragte ich mich, ob der Streit um das Haus vielleicht nur der Anfang gewesen war.
Denn wenn meine Familie tatsächlich versucht hatte, sich ein Stück des Grundstücks anzueignen, dann musste es einen Grund geben, warum ausgerechnet dieser Teil des Ufers so wichtig war.
Und ich hatte das ungute Gefühl, dass mein Großvater genau gewusst hatte, was eines Tages geschehen würde.
Fortsetzung folgt …
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