Beide hatten damals nicht viel Geld. Doch sie waren stolz darauf, dass sie an einen Menschen geglaubt hatten, bevor die Welt ihn feierte.
Und dann, eines Tages, geschah etwas, das der Taxifahrer bis heute nicht vergessen hatte.
Er erfuhr, dass Juan Gabriel bei einer Veranstaltung in der Stadt auftreten würde.
Er beschloss, dorthin zu fahren, in der Hoffnung, den Sänger wenigstens aus der Ferne sehen zu können.
Er nahm das Plakat mit.
Nach dem Auftritt gelang es ihm tatsächlich, sich Juan Gabriel zu nähern. Er erzählte ihm von der Fahrt im Regen, von dem unbezahlten Teil der Taxifahrt und von dem Versprechen, das sie sich damals gegeben hatten.
Der Sänger hörte ihm aufmerksam zu.
Dann nahm er das Plakat, unterschrieb es und schrieb eine kurze Widmung darunter.
„Für meinen Freund, der an mich glaubte, als ich noch ganz am Anfang stand. Mit Dankbarkeit, Juan Gabriel.“
Der alte Mann atmete tief durch.
„Von diesem Tag an war das Plakat für uns mehr als ein Bild. Es erinnerte uns daran, dass man niemals aufhören sollte, an die Träume anderer Menschen zu glauben.“
Er blickte auf den Boden.
„Meine Frau stellte es in unser Wohnzimmer. Jedes Mal, wenn sie traurig war, sah sie es an und sagte: ‚Siehst du? Gute Menschen gibt es noch.‘“
Juan Gabriel spürte, wie ihm Tränen über die Wangen liefen.
Er hatte Tausende von Menschen getroffen. Unzählige Autogramme gegeben, auf großen Bühnen gestanden und vor riesigen Menschenmengen gesungen.
Aber nur selten erfuhr er, welche Bedeutung eine einzige Begegnung im Leben eines anderen Menschen behalten hatte.
Nun stand dieser Mann vor ihm.
Ein Mann, der ihm einst geholfen hatte, als er selbst noch ein junger Träumer gewesen war.
Und jetzt musste derselbe Mann das wertvollste Erinnerungsstück seiner Familie verkaufen, um die Medikamente für seine kranke Frau bezahlen zu können.
Juan Gabriel blickte auf das Plakat.
„Wie heißt Ihre Frau?“, fragte er leise.
„Carmen“, antwortete der alte Mann. „Sie liegt seit einigen Wochen zu Hause. Der Arzt hat ihr Medikamente verschrieben, aber unsere Ersparnisse sind aufgebraucht.“
Er wischte sich über die Augen.
„Ich wollte das Plakat niemals verkaufen. Glauben Sie mir. Ich habe es all die Jahre beschützt. Als wir in eine kleinere Wohnung ziehen mussten, nahm ich es mit. Als ich mein Taxi verlor, nahm ich es mit. Als wir kaum noch genug zu essen hatten, ließ ich es an der Wand hängen.“
Seine Stimme brach.
„Aber jetzt braucht Carmen Hilfe. Und ich kann nicht zulassen, dass sie leidet, nur weil ich an einem alten Erinnerungsstück festhalte.“
Juan Gabriel kniete sich vor den Mann.
„Wie viel brauchen Sie für die Behandlung Ihrer Frau?“
Der Verkäufer schüttelte den Kopf.
„Ich möchte nicht mehr als die 300 Pesos, die ich verlangt habe. Ich will niemanden ausnutzen.“
Juan Gabriel legte vorsichtig eine Hand auf seine Schulter.
„Sie nutzen niemanden aus. Sie versuchen, Ihre Frau zu retten und ihr zu helfen. Daran ist nichts Falsches.“
Dann zog er seine Geldbörse hervor.
Der alte Mann hob erschrocken die Hände.
„Nein, mein Herr. Ich möchte nur das Geld für das Plakat. Ich will keine Almosen.“
Juan Gabriel hielt inne.
Er verstand, dass dieser Mann nicht um Mitleid bat. Er wollte seine Würde bewahren, selbst in einer Zeit, in der das Leben ihm fast alles genommen hatte.
Deshalb sagte er:
„Dann machen wir es so. Ich kaufe das Plakat zu einem Preis, der dem entspricht, was es für mich und für Ihre Familie bedeutet.“
Er nannte ihm einen Betrag, der weit über den verlangten 300 Pesos lag.
Der alte Verkäufer starrte ihn an.
„Das kann ich nicht annehmen“, flüsterte er.
„Doch“, antwortete Juan Gabriel. „Nicht, weil Sie arm sind. Sondern weil Ihre Geschichte für mich einen Wert hat, den man nicht in Pesos messen kann.“
Der Mann begann zu weinen.
Doch Juan Gabriel war noch nicht fertig.
Er bat seinen Begleiter, Kontakt zu seinem Team aufzunehmen, damit die Familie Unterstützung bei der Organisation der medizinischen Versorgung erhalten konnte.
Dann fragte er den Verkäufer nach seiner Adresse.
„Warum möchten Sie das wissen?“, fragte der alte Mann verwundert.
Juan Gabriel lächelte durch seine Tränen hindurch.
„Weil ich Carmen kennenlernen möchte. Ich möchte ihr persönlich danken, dass sie vor so vielen Jahren an einen jungen Mann geglaubt hat, der noch nichts vorzuweisen hatte.“
Der Verkäufer bedeckte sein Gesicht mit den Händen.
Zum ersten Mal seit langer Zeit weinte er nicht aus Angst vor dem nächsten Tag.
Er weinte, weil er sich daran erinnerte, dass die Welt trotz aller Schwierigkeiten noch immer unerwartete Freundlichkeit bereithalten konnte.
Doch gerade als Juan Gabriel das Plakat vorsichtig an sich nehmen wollte, griff der alte Mann nach seinem Arm.
„Warten Sie, mein Herr. Es gibt noch etwas, das Sie wissen sollten.“
Juan Gabriel sah ihn fragend an.
Der Verkäufer zog einen kleinen, vergilbten Umschlag aus seiner Jackentasche.
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