# TEIL 2: Juan Gabriel brach in Tränen aus, als der alte Straßenverkäufer ihm verriet, warum er dieses Plakat niemals hatte verkaufen wollen
Juan Gabriel blieb regungslos stehen.
Der alte Mann hielt das vergilbte Plakat mit beiden Händen fest. Seine Finger zitterten leicht, und in seinen Augen lag eine tiefe Traurigkeit, die Juan Gabriel nicht mehr losließ.
„Sie sagten, Sie hätten diesen jungen Mann damals im Regen mitgenommen?“, fragte Juan Gabriel leise.
Der alte Taxifahrer nickte.
„Ja, mein Herr. Es war im Jahr 1975. Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen.“
Er strich vorsichtig über den alten Holzrahmen und begann, weiterzuerzählen.
„Es war ungefähr zwei Uhr morgens. Der Regen prasselte so heftig auf mein Taxi, dass ich kaum die Straße sehen konnte. Ich wollte eigentlich schon Feierabend machen, als ich einen jungen Mann am Straßenrand stehen sah.“
„Er war völlig durchnässt. Seine Kleidung klebte an seinem Körper, und unter dem Arm trug er eine kleine Tasche.“
„Ich hielt an und fragte ihn, wohin er müsse.“
„Er nannte mir eine Adresse und stieg ein. Während der Fahrt entschuldigte er sich dafür, dass er mein Auto nass machte.“
Der alte Mann lächelte schwach.
„Stellen Sie sich das vor! Ein junger Mann, der selbst kaum etwas zu besitzen schien, entschuldigte sich bei einem einfachen Taxifahrer dafür, dass er dessen Sitze nass machte.“
Juan Gabriel senkte den Blick.
Er konnte sich an jene Jahre erinnern. An die Nächte, in denen er von einer besseren Zukunft geträumt hatte. An die Ablehnungen, die Enttäuschungen und die unzähligen Male, in denen er nicht wusste, wie es weitergehen sollte.
Der alte Mann fuhr fort.
„Während der Fahrt erzählte er mir, dass er Sänger werden wollte. Er sprach von seinen Liedern, von seiner Mutter und davon, dass er eines Tages Menschen mit seiner Musik glücklich machen wollte.“
„Ich hörte ihm zu und fragte schließlich: ‚Junger Mann, glauben Sie wirklich, dass Sie es schaffen werden?‘“
Der Verkäufer hielt inne.
„Wissen Sie, was er mir antwortete?“
Juan Gabriel schüttelte langsam den Kopf.
Der alte Mann lächelte.
„Er sagte: ‚Ich weiß nicht, ob ich jemals berühmt werde. Aber solange ich noch eine Stimme habe, werde ich singen. Vielleicht gibt es irgendwo einen Menschen, der genau das hören muss, was ich zu sagen habe.‘“
Für einen Augenblick schien die Geräuschkulisse des Marktes in der Ferne zu verschwinden.
Juan Gabriel spürte, wie ihm die Kehle eng wurde.
Diese Worte klangen wie die Gedanken eines jungen Mannes, der noch nicht wusste, wie weit ihn das Leben tragen würde.
„Als wir an seiner Adresse ankamen“, erzählte der Taxifahrer weiter, „stellte ich fest, dass er nicht genug Geld für die gesamte Fahrt hatte.“
Der alte Mann lachte leise.
„Er suchte in seinen Taschen, zählte seine Münzen und entschuldigte sich. Ich sagte ihm, er solle sich keine Sorgen machen.“
„Ich erklärte ihm, dass ich selbst einen Sohn hatte, der von einer großen Zukunft träumte. Und ich sagte zu ihm: ‚Wenn Sie eines Tages wirklich berühmt werden, dann vergessen Sie bitte nicht die Menschen, die Ihnen geholfen haben, als Sie noch ganz am Anfang standen.‘“
Der alte Taxifahrer blickte Juan Gabriel direkt an.
„Der junge Mann wurde plötzlich ganz still. Dann nahm er meine Hand und sagte: ‚Das werde ich niemals vergessen.‘“
Juan Gabriel konnte seine Gefühle kaum noch verbergen.
Er wusste, dass der Mann vor ihm nicht einfach irgendeine Erinnerung erzählte.
Es war eine Erinnerung aus einer Zeit, in der niemand sicher wissen konnte, ob aus einem Traum jemals Wirklichkeit werden würde.
Doch dann kam der Teil der Geschichte, den Juan Gabriel niemals erwartet hätte.
„Bevor der junge Mann ausstieg, fragte ich ihn nach seinem Namen.“
Der Verkäufer machte eine kurze Pause.
„Er sagte: ‚Juan Gabriel. Eines Tages werden die Menschen meine Lieder kennen.‘“
Der alte Mann lächelte, und seine Augen wurden feucht.
„Ich lachte damals nicht über ihn. Ich glaubte ihm. Ich weiß nicht warum, aber ich hatte das Gefühl, dass dieser junge Mann etwas Besonderes in sich trug.“
Juan Gabriel nahm seine Sonnenbrille ganz ab.
Er sah den alten Mann an, doch er brachte zunächst kein Wort heraus.
Der Verkäufer bemerkte seine Reaktion, ohne zu verstehen, was in diesem Moment in ihm vorging.
„Einige Wochen später“, fuhr der Mann fort, „sah ich seinen Namen auf einem Plakat. Ich erkannte ihn sofort. Ich kaufte das Plakat mit meinem ersten freien Geld und brachte es nach Hause.“
„Meine Frau lachte und fragte, warum ich das Bild eines jungen Sängers aufhängen wolle, den damals kaum jemand kannte.“
Der alte Mann lächelte liebevoll.
„Ich sagte ihr: ‚Warte nur. Eines Tages wird dieser Mann so viele Menschen glücklich machen, dass die ganze Welt seinen Namen kennt.‘“
Er strich erneut über den Rahmen.
„Als ich Juan Gabriel später im Radio hörte, rief ich meine Frau und sagte: ‚Siehst du? Ich habe dir doch gesagt, dass er es schaffen wird!‘“
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