„Das kann nicht sein.“
„Was kann nicht sein?“
Harper zog ihr Handy aus der Tasche und öffnete ihren Kalender.
„Daniel hat mir gestern erzählt, dass er um diese Zeit bereits im Fitnessstudio gewesen sei. Er hat sogar behauptet, er hätte dort jemanden getroffen.“
„Wen?“
„Einen Freund von der Arbeit. Ich kenne ihn nicht persönlich.“
Sie sah mich an.
„Ethan, ich habe Daniel geglaubt.“
Ich legte eine Hand auf ihre Schulter.
„Jetzt wissen wir nicht, ob er die Wahrheit gesagt hat. Die Polizei wird das überprüfen.“
Harper blickte auf ihr Handy.
„Ich habe noch etwas.“
Sie öffnete einen Nachrichtenverlauf.
Vor zwei Wochen hatte Daniel ihr geschrieben, dass Violet „zu viele Fragen“ stelle und dass Harper dafür sorgen müsse, dass ihre Tochter sich aus den Angelegenheiten der Erwachsenen heraushalte.
Damals hatte Harper die Nachricht als genervte Bemerkung aufgefasst.
Jetzt las sie sie, als wären es Worte eines völlig fremden Menschen.
„Warum habe ich das nicht ernst genommen?“, flüsterte sie.
„Weil du ihm vertraut hast.“
„Und wenn Violet versucht hat, mich zu warnen?“
Ich antwortete nicht sofort.
Dann sagte ich: „Dann sorgen wir jetzt dafür, dass sie gehört wird.“
Mein Handy klingelte.
Es war das Krankenhaus.
Die Ärztin teilte mir mit, dass Violet bei Bewusstsein gewesen sei und kurz mit dem medizinischen Team gesprochen habe.
Ich schloss die Augen vor Erleichterung.
„Kann ich sie sehen?“
„Ja. Aber bitte bedenken Sie, dass sie noch sehr erschöpft ist. Lassen Sie ihr Zeit, und drängen Sie sie nicht, über das Geschehene zu sprechen.“
„Natürlich.“
Ich beendete das Gespräch und sah Harper an.
„Sie ist wach.“
Harper begann sofort zu weinen.
Wir stiegen ins Auto.
Während wir zum Krankenhaus fuhren, stellte ich mir nur eine Frage:
Was hatte meine Tochter in jener Nacht gesehen, das sie so verzweifelt hatte warnen wollen?
Und würde sie sich sicher genug fühlen, es uns zu erzählen?
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