Claire lächelte ebenfalls. Dann wurde ihr Gesicht ernster.

„Veronica, könnten wir später kurz miteinander sprechen? Allein?“

Mein Lächeln verschwand.

„Worum geht es?“

Sie sah zu Max hinüber. Er stand einige Meter entfernt und sprach mit einem älteren Ehepaar.

„Es geht um etwas, das ich dir vor der Hochzeit hätte sagen sollen.“

Ich spürte ein unangenehmes Ziehen im Magen.

„Was denn?“

Claire öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder.

„Nicht hier“, flüsterte sie. „Bitte.“

Dann ging sie zurück zu Max.

Ich sah Edward an.

„Das gefällt mir nicht.“

„Mir auch nicht.“

„Vielleicht will sie mir erzählen, dass Max mich schon während unserer Ehe betrogen hat.“

Edward schwieg einen Moment.

„Das könnte sein.“

„Oder dass sie schwanger ist.“

„Auch möglich.“

„Oder dass sie mich hasst.“

„Ronnie, du kannst nicht jedes unangenehme Gespräch in deinem Kopf zehnmal durchspielen, bevor es überhaupt stattgefunden hat.“

Ich sah ihn an.

„Doch. Ich bin darin hervorragend.“

Er lächelte, aber seine Augen blieben aufmerksam.

„Dann lass uns wenigstens abwarten, was sie wirklich sagen will.“

Die Zeremonie begann eine halbe Stunde später.

Ich saß neben Edward, während Lily und Sophie mit den anderen Kindern auf den vorderen Plätzen saßen. Als Max Claire das Eheversprechen gab, betrachtete ich die beiden.

Ich hatte geglaubt, dieser Moment würde mich zerstören.

Doch das tat er nicht.

Ich war traurig, ja. Nicht, weil ich Max zurückhaben wollte, sondern weil ich mich daran erinnerte, wie fest ich einmal an unsere gemeinsame Zukunft geglaubt hatte.

Ich trauerte um die Frau, die ich vor seinen Bemerkungen über meinen Körper gewesen war. Um die Leichtigkeit, mit der ich früher einen Raum betreten hatte, ohne mich zu fragen, wie ich darin aussah.

Und ich trauerte um die Jahre, in denen ich seine Meinung mit der Wahrheit verwechselt hatte.

Als die Gäste applaudierten, spürte ich Edwards Hand neben meiner.

Er drängte sich nicht auf. Er fragte nicht, ob alles in Ordnung sei.

Er war einfach da.

Und zum ersten Mal an diesem Tag war mir egal, ob Max uns beobachtete.

Beim anschließenden Empfang saßen wir an einem Tisch in der Nähe der Terrasse. Lily erzählte mir begeistert von den Blumen, Sophie versuchte, heimlich eine zweite Nachspeise zu bekommen, und Edward ließ sich von ihr erklären, warum ein Stück Schokoladenkuchen eindeutig als Gemüse durchgehen sollte.

Ich lachte so sehr, dass mir die Augen tränten.

Dann bemerkte ich Max auf der anderen Seite des Raumes.

Er beobachtete uns.

Nicht nur mich und Edward. Auch Lily und Sophie.

Sein Gesicht war schwer zu deuten.

Kurz darauf kam ein Kellner an unseren Tisch und übergab mir einen kleinen, gefalteten Zettel.

„Von der Braut“, sagte er.

Ich öffnete ihn.

Bitte komm um halb vier in den kleinen Wintergarten. Ich muss dir etwas zeigen. Es geht um Max. Und um deine Töchter.

Ich las die Nachricht zweimal.

Edward bemerkte meine Miene.

„Was ist los?“

Ich reichte ihm den Zettel.

Er las ihn und sah mich an.

„Du musst nicht hingehen.“

„Wenn es um die Mädchen geht, muss ich wissen, was sie meint.“

„Dann gehen wir gemeinsam.“

Ich nickte.

Doch als wir uns erhoben, trat Max plötzlich vor uns.

Sein Lächeln war verschwunden.

„Wohin wollt ihr?“

Ich hielt den Zettel in meiner Hand.

„Das geht dich nichts an.“

Sein Blick fiel auf das Papier.

„Hat Claire dir etwas geschrieben?“

Ich antwortete nicht.

Max trat näher und senkte die Stimme.

„Ronnie, ich sage dir das nur einmal. Misch dich nicht in Dinge ein, die du nicht verstehst.“

Edward stellte sich nicht drohend zwischen uns. Er blieb einfach an meiner Seite.

„Sie kann selbst entscheiden, mit wem sie spricht“, sagte er ruhig.

Max ignorierte ihn.

Er sah nur mich an.

„Du hast keine Ahnung, was Claire dir erzählen will.“

Dann beugte er sich ein wenig vor und flüsterte:

„Und wenn du unsere Familie wirklich liebst, wirst du diesen Zettel zerreißen und nach Hause fahren.“

Ich sah ihn lange an.

Früher hätte mich dieser Satz vielleicht zum Schweigen gebracht. Ich hätte mich gefragt, ob ich ungerecht war, ob ich überreagierte, ob ich wieder einmal etwas falsch machte.

Doch diesmal faltete ich den Zettel sorgfältig zusammen und steckte ihn in meine Tasche.

„Unsere Ehe ist vorbei, Max“, sagte ich. „Aber ich werde immer die Mutter deiner Kinder sein. Wenn jemand etwas zu sagen hat, das sie betrifft, werde ich zuhören.“

Sein Gesicht wurde hart.

Ich nahm Edwards Hand.

Und gemeinsam gingen wir in Richtung Wintergarten.

Was Claire uns dort zeigen wollte, konnte ich nicht ahnen.

Aber als wir die Tür öffneten, sah ich auf dem Tisch einen dicken braunen Umschlag.

Daneben lag ein Dokument mit meinem Namen.

Und darunter stand eine Überschrift, bei der mir das Blut in den Adern gefror:

„Vereinbarung über das Sorgerecht – Entwurf vor der Hochzeit.“

Claire stand am Fenster.

Sie drehte sich zu mir um, und ihre Augen glänzten vor Tränen.