„Du musst Max heute nichts beweisen“, fügte er hinzu. „Wenn du dich gut fühlst, ist das schön. Wenn du irgendwann nach Hause möchtest, fahren wir. Und wenn du nur deshalb hingehst, weil deine Töchter dich dabeihaben möchten, reicht das vollkommen.“
Ich drehte mich zu ihm.
„Du bist schrecklich darin, mir bei meinem Racheplan zu helfen.“
„Ich weiß. Ich arbeite an einer Beförderung zum vernünftigen Erwachsenen.“
Diesmal lachte ich wirklich.
Und für ein paar Minuten dachte ich nicht an Max.
Die Hochzeit fand in einem eleganten Landhotel außerhalb der Stadt statt. Weiße Blumen säumten den Eingang, auf der Terrasse standen gedeckte Tische, und überall liefen Gäste herum, die sich gegenseitig umarmten und für Fotos posierten.
Ich entdeckte meine Töchter sofort.
Meine zehnjährige Tochter Lily stand neben ihrer Großmutter und suchte die Menge ab. Als sie mich sah, hellte sich ihr Gesicht auf.
„Mama! Du bist gekommen!“
Sie lief zu mir und umarmte mich so fest, dass ich beinahe einen Schritt zurückmachen musste.
Meine dreijährige Sophie folgte ihr mit kleinen, hastigen Schritten.
„Mama schön!“, verkündete sie laut.
Ich spürte, wie sich etwas in meiner Brust löste.
„Danke, Schatz.“
Lily bemerkte Edward.
„Ist das Edward?“
„Ja. Du kennst ihn doch aus dem Büro, wenn du mich manchmal abholst.“
Sie betrachtete ihn aufmerksam.
„Warum ist er so schick?“
Edward ging leicht in die Hocke.
„Weil ich heute eine wichtige Aufgabe habe.“
„Welche?“
„Darauf zu achten, dass deine Mama einen schönen Tag hat.“
Lily schien mit dieser Antwort zufrieden.
„Gut. Papa hat gesagt, du kommst allein.“
Ich erstarrte kurz.
Edward richtete sich langsam auf.
„Hat er das?“, fragte ich so ruhig wie möglich.
Lily nickte.
„Er hat gesagt, Mama würde bestimmt niemanden mitbringen.“
Ich spürte, wie die alte Wut in mir aufstieg. Nicht, weil Max mich beleidigt hatte. Sondern weil er offenbar selbst unsere Kinder in seine kleinen Machtspiele hineingezogen hatte.
Ich ging vor Lily in die Hocke.
„Schatz, heute musst du dir keine Gedanken darüber machen, was Papa sagt oder denkt. Du darfst die Hochzeit genießen. Das ist alles, worum du dich kümmern musst.“
Sie sah mich prüfend an.
„Bist du wirklich glücklich, Mama?“
Die Frage traf mich unerwartet.
Ich strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Ich arbeite daran.“
Sie nickte, als wäre das eine Antwort, die sie verstehen konnte.
Dann nahm sie meine Hand und führte mich zu Sophie.
Für einen Moment vergaß ich die Hochzeit, Max und Claire.
Ich war einfach nur ihre Mutter.
Und das war wichtiger als jede Inszenierung.
Wir hatten gerade unsere Plätze gefunden, als Max uns entdeckte.
Er stand am anderen Ende der Terrasse, neben Claire, die ein cremefarbenes Kleid trug. Sie sah tatsächlich wunderschön aus. Ihr Haar war kunstvoll hochgesteckt, und sie lachte gerade über etwas, das einer der Gäste gesagt hatte.
Dann sah Max mich.
Sein Lächeln veränderte sich.
Zuerst schien er überrascht. Dann glitt sein Blick zu Edward. Er musterte dessen Anzug, seine Haltung und schließlich unsere Hände, die sich auf dem Weg zu den Tischen kurz berührt hatten.
Max entschuldigte sich bei den Menschen um ihn herum und kam auf uns zu.
„Ronnie.“
„Max.“
Sein Blick blieb an Edward hängen.
„Du hast tatsächlich jemanden mitgebracht.“
Edward lächelte höflich.
„Edward.“
Er streckte die Hand aus.
Max schüttelte sie, aber sein Griff wirkte unnötig fest.
„Und was machst du beruflich, Edward?“
„Ich arbeite mit Ronnie.“
„Ach wirklich?“
Max wandte sich mir zu.
„Du hast nie erwähnt, dass du jemanden datest.“
Ich hob eine Augenbraue.
„Du hast nie gefragt.“
Für eine Sekunde verlor er seine Fassung.
Dann lachte er kurz.
„Na ja. Ich hoffe, du weißt, worauf du dich einlässt.“
Edward antwortete, bevor ich etwas sagen konnte.
„Das hoffe ich auch. Ronnie ist eine großartige Frau.“
Er sagte es völlig selbstverständlich.
Keine Übertreibung. Kein provokanter Blick zu Max. Keine aufgesetzte Show.
Und gerade deshalb schien Max die Bemerkung nicht zu gefallen.
„Nun“, sagte er schließlich, „ich muss mich um meine Gäste kümmern.“
Er ging davon.
Ich atmete aus.
„Das war schrecklich.“
Edward sah mich überrascht an.
„Was genau?“
„Ich habe mich gerade wie eine Schauspielerin in einer schlechten Fernsehserie gefühlt.“
„Du warst überzeugend.“
„Ich hasse dich.“
„Das sagst du nur, weil ich recht habe.“
Bevor ich antworten konnte, erschien Claire neben uns.
Aus der Nähe wirkte sie jünger, als ich sie in Erinnerung hatte. Sie lächelte freundlich, doch ihre Augen wanderten kurz zwischen Edward und mir hin und her.
„Veronica“, sagte sie. „Schön, dass du gekommen bist.“
„Glückwunsch zur Hochzeit.“
„Danke.“
Für einen Augenblick schien Claire etwas sagen zu wollen. Dann blickte sie zu Edward.
„Und du bist?“
„Edward.“
Sie schüttelte seine Hand.
„Du bist also der Grund, warum Max seit zehn Minuten so tut, als wäre mit seiner Krawatte etwas nicht in Ordnung.“
Ich musste lachen, obwohl ich es nicht geplant hatte.
Edward grinste.
„Ich übernehme keine Verantwortung für fremde Krawatten.“
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