## Das Versprechen unter dem alten Olivenbaum
Einige Wochen später waren die Untersuchungen abgeschlossen.
Es stellte sich heraus, dass Nadir den ursprünglichen Verkauf tatsächlich veranlasst hatte. Andere Beteiligte hatten das Pferd anschließend weiterverkauft, ohne seine vollständige Vorgeschichte offenzulegen. Ob dabei jemand absichtlich getäuscht hatte, ließ sich nicht in allen Punkten nachweisen.
Karim entschied, die rechtlichen Möglichkeiten prüfen zu lassen. Gleichzeitig finanzierte er ein Programm für die tierärztliche Versorgung und den Schutz von Pferden, die nach langen Transporten oder aus schlechter Haltung gerettet wurden.
Leila sollte das Programm gemeinsam mit erfahrenen Fachleuten aufbauen.
„Du hast mir beigebracht, dass Verantwortung nicht bedeutet, alles kontrollieren zu können“, sagte Karim eines Abends, während sie Sultan auf der Weide beobachteten. „Sie bedeutet, für das zu sorgen, was von uns abhängig ist.“
Leila lächelte.
„Und du hast gelernt, zuzuhören, bevor du Befehle gibst.“
Sultan kam langsam auf sie zu und senkte den Kopf. Leila strich ihm über die Stirn. Karim blieb zunächst ein paar Schritte entfernt und wartete, bis das Pferd von selbst näher kam.
Diesmal versuchte er nicht, seine Macht zu beweisen.
Er ließ dem Tier Zeit.
„Weißt du“, sagte er, „als ich dir damals versprach, dich zu heiraten, wenn du das Pferd zähmst, dachte ich, ich hätte die Kontrolle über die Situation.“
Leila lachte leise.
„Du dachtest, du könntest mit einem Versprechen bestimmen, was ich tun würde.“
„Und du hast mir gezeigt, dass ich mich geirrt hatte.“
Er nahm ihre Hand.
„Ich möchte, dass unsere Ehe auf einer anderen Grundlage steht. Nicht auf Reichtum, nicht auf Macht und nicht auf einem Versprechen, das ich im Zorn gemacht habe. Sondern darauf, dass wir einander respektieren und frei entscheiden, welchen Weg wir gemeinsam gehen.“
Leila blickte ihn liebevoll an.
„Dann haben wir beide noch viel zu lernen.“
Unter dem alten Olivenbaum standen sie eine Weile schweigend nebeneinander.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren fühlte Karim sich nicht verpflichtet, jedem zu beweisen, dass er der Stärkste war.
Und Sultan, der einst als unkontrollierbares Pferd gegolten hatte, graste ruhig auf der Weide.
Doch gerade als Leila glaubte, die Geschichte sei endlich zu einem friedlichen Ende gekommen, entdeckte sie in einer der zurückgegebenen Akten ein kleines, gefaltetes Blatt.
Darauf stand eine handschriftliche Notiz:
„Sultan war nicht das einzige Pferd, das aus den alten Stallungen verschwunden ist.“
Darunter befand sich eine Liste mit drei weiteren Namen.
Leila sah Karim an.
„Wir müssen noch einmal nachsehen.“
Karim nahm das Blatt entgegen. Sein Gesicht wurde ernst.
Denn wenn die Notiz stimmte, war Sultan nicht das Ende eines alten Geheimnisses.
Er war erst der Anfang.
Fortsetzung folgt in Teil 4 …
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