„Warum sollte er mich anrufen?“
„Weil er offenbar etwas weiß, das mit den damaligen Ereignissen zusammenhängt.“
Die Kommissarin legte ein weiteres Blatt auf den Tisch.
„Und es gibt noch etwas. Wir haben herausgefunden, dass Herr Berger kurz nach Daniels Tod eine schriftliche Aussage gemacht hat. Diese Aussage wurde damals allerdings nicht vollständig in die Ermittlungsakte aufgenommen.“
Ich sah sie ungläubig an.
„Warum nicht?“
„Das müssen wir noch klären.“
Dann klingelte es erneut.
Alle drei blickten zur Haustür.
Der Kollege der Kommissarin ging vorsichtig zum Eingang und öffnete.
Draußen stand ein Mann.
Graue Haare. Müdes Gesicht. Eine schmale Narbe über der linken Augenbraue.
Es war derselbe Mann wie auf dem Foto.
Thomas Berger.
Er sah mich an, und seine Augen füllten sich mit Tränen.
„Anna“, sagte er leise. „Es tut mir leid, dass ich so lange geschwiegen habe.“
Ich konnte mich kaum bewegen.
„Was wissen Sie über Daniel?“
Er blickte kurz zu den Polizeibeamten und dann wieder zu mir.
„Ihr Mann hat mir damals etwas anvertraut. Etwas, das ich fünf Jahre lang für mich behalten musste, weil ich Angst hatte.“
„Angst vor wem?“
Er senkte den Kopf.
„Vor Markus Keller.“
Hauptkommissarin Hoffmann trat einen Schritt näher.
„Herr Berger, Sie werden uns jetzt alles erzählen.“
Der Mann nickte langsam.
Dann zog er einen zweiten Umschlag aus seiner Jacke.
„Das hier hat Daniel mir wenige Tage vor seinem Tod gegeben. Er sagte, ich solle es Anna nur dann überreichen, wenn sie den grauen Beutel gefunden hätte.“
Ich nahm den Umschlag mit zitternden Fingern entgegen.
Auf der Vorderseite stand mein Name.
Und darunter eine Zeile in Daniels Handschrift:
**„Für meine Anna. Wenn du das liest, hast du endlich den Mut gefunden, nach der Wahrheit zu suchen. Aber bitte vergiss nicht: Nicht jeder, der bei meiner Beerdigung um mich geweint hat, hat meinen Tod wirklich bedauert.“**
Ich blickte zu Thomas Berger.
„Wer hat meinem Mann etwas angetan?“
Er öffnete den Mund, doch bevor er antworten konnte, klingelte mein Telefon erneut.
Diesmal erschien eine Nummer, die ich sofort erkannte.
Markus Keller.
Ich starrte auf das Display.
Fünf Jahre hatte dieser Mann mir sein Beileid ausgesprochen. Fünf Jahre hatte er mir bei Familienfeiern freundlich zugelächelt. Fünf Jahre hatte er mich gefragt, ob ich mich langsam von meinem Verlust erhole.
Und jetzt rief er an.
Hauptkommissarin Hoffmann bedeutete mir, das Gespräch anzunehmen und ruhig zu bleiben.
Ich drückte auf die grüne Taste.
„Hallo, Markus.“
Am anderen Ende herrschte einen Moment lang Stille.
Dann hörte ich seine Stimme.
„Anna, wir müssen reden. Ich habe gehört, dass du in letzter Zeit Fragen über Daniel stellst.“
Mein Blick wanderte zu dem Brief in meinen Händen.
„Ja“, antwortete ich. „Ich habe endlich angefangen, Fragen zu stellen.“
Seine Stimme wurde plötzlich hart.
„Dann solltest du sehr vorsichtig sein. Manche Wahrheiten zerstören mehr als nur Erinnerungen.“
Ich sah Hauptkommissarin Hoffmann an.
Dann sagte ich:
„Vielleicht. Aber manche Lügen haben fünf Jahre lang gereicht.“
Markus legte auf.
Und in diesem Moment wusste ich, dass die Geschichte meines Mannes noch lange nicht zu Ende erzählt war.
Denn als ich den Umschlag öffnete und den ersten Brief herauszog, entdeckte ich auf der letzten Seite einen Namen, den ich niemals dort erwartet hätte.
Es war der Name einer Person aus meiner eigenen Familie.
**Und plötzlich stellte sich nicht mehr nur die Frage, wer Daniel in jener Sturmnacht etwas angetan hatte – sondern auch, warum jemand aus meiner Familie mir fünf Jahre lang dabei geholfen hatte, die falsche Geschichte zu glauben …**
**Fortsetzung folgt … 😱😨👇**
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