# 😱 TEIL 2 – Das Geheimnis unter dem Ashford-Anwesen
Der erste Schlag gegen die Schlafzimmertür ließ den Türrahmen erzittern.
„Mr. Cole! Öffnen Sie sofort!“
Ethan blickte zu Naomi. Sie stand neben der verborgenen Treppe und presste das Handtuch gegen ihre Seite. Ihr Hochzeitskleid lag halb geöffnet auf dem Boden, und das Blut hatte einen dunklen Fleck im weißen Stoff hinterlassen.
„Du musst zuerst deine Verletzung versorgen lassen“, sagte er.
„Wenn wir jetzt bleiben, wird mein Vater den Schlüssel bekommen.“
„Dann nehmen wir ihn mit.“
Naomi schüttelte den Kopf.
„Du weißt nicht, was dort unten ist.“
„Dann werden wir es herausfinden.“
Ein weiterer Schlag traf die Tür.
Ethan nahm sein Jackett vom Stuhl und legte es Naomi um die Schultern. Danach griff er nach seinem Telefon. Kein Empfang. Er versuchte es erneut, doch auf dem Display erschien nur die Meldung, dass keine Verbindung hergestellt werden konnte.
„Der Störsender“, flüsterte Naomi.
„Kannst du dich bewegen?“
„Langsam.“
„Dann gehen wir langsam.“
Er half ihr die ersten Stufen hinunter. Die Treppe war schmal und führte in einen niedrigen Gang aus altem Backstein. Hinter ihnen schloss sich die Bodenplatte mit einem leisen Klicken.
Für einen Moment war es vollkommen still.
Dann hörten sie Schritte über ihren Köpfen.
Jemand betrat das Schlafzimmer.
„Wo sind sie?“, rief eine Männerstimme.
Naomi blieb stehen.
Ethan legte einen Finger an die Lippen.
Die Schritte wanderten durch den Raum. Eine Schublade wurde aufgerissen. Dann hörten sie Grants Stimme.
„Sie können nicht weit sein. Findet sie.“
Naomi schloss die Augen.
„Er weiß, dass wir den Zugang gefunden haben.“
„Vielleicht weiß er nur, dass wir verschwunden sind.“
Sie gingen weiter.
Nach ungefähr zwanzig Metern erreichten sie eine eiserne Tür. Naomi zog den Schlüssel aus ihrer Handtasche und steckte ihn in das Schloss.
Er passte.
Als sie ihn drehte, öffnete sich die Tür mit einem langen Knarren.
Dahinter lag ein Raum, der viel größer war, als Ethan erwartet hatte.
An den Wänden standen Aktenschränke. In der Mitte befand sich ein schwerer Holztisch, auf dem mehrere versiegelte Kisten lagen. Eine Reihe alter Monitore war ausgeschaltet. Daneben stand ein Telefon mit einem spiralförmigen Kabel.
Und an der gegenüberliegenden Wand hing eine Fotografie.
Ethan trat näher.
Das Bild zeigte zwei junge Frauen vor dem Ashford-Anwesen.
Eine war Naomi.
Die andere sah ihr so ähnlich, dass er zunächst glaubte, in einen Spiegel zu blicken.
„Wer ist das?“, fragte er.
Naomi antwortete nicht.
Sie ging langsam auf das Bild zu und berührte den Rahmen.
„Meine Schwester.“
Ethan drehte sich zu ihr um.
„Du hast eine Schwester?“
„Hatte.“
„Was bedeutet das?“
Naomi schluckte.
„Mein Vater sagte, sie sei vor zwölf Jahren gestorben. Ihr Name war Evelyn. Sie war drei Jahre älter als ich.“
Ethan betrachtete das Foto erneut.
„Warum hast du mir nie von ihr erzählt?“
„Weil ich nicht wusste, ob sie wirklich tot ist.“
Sie zog einen kleinen Umschlag aus ihrer Handtasche. Darin befand sich ein altes Foto, auf dessen Rückseite eine handschriftliche Nachricht stand:
*Wenn du jemals den Raum findest, glaube nicht dem ersten Dokument. Suche nach dem zweiten Namen.*
„Meine Mutter hat mir das kurz vor ihrem Tod gegeben“, erklärte Naomi. „Ich habe jahrelang versucht, herauszufinden, was sie damit meinte.“
Ethan sah auf die Aktenschränke.
„Und du glaubst, die Antwort liegt hier?“
Naomi nickte.
Sie gingen zum Tisch. Auf einer der Kisten klebte ein vergilbtes Etikett:
**ASHFORD FOUNDATION – PRIVATE RECORDS**
Ethan öffnete sie nicht sofort. Er fotografierte zunächst das Etikett und die Umgebung mit seinem Telefon. Dann prüfte er die übrigen Kisten.
Eine enthielt alte Kontoauszüge. Eine andere war mit Grundstücksunterlagen gefüllt. In einer dritten lagen mehrere Ordner mit Verträgen, deren Seiten mit unterschiedlichen Stempeln versehen waren.
Naomi zog einen Ordner heraus.
Auf dem Deckblatt stand:
**Projekt Northlake – Interne Vermögensverwaltung**
„Das kenne ich“, flüsterte sie.
„Was ist Northlake?“
„Ein Unternehmen, das mein Vater angeblich vor Jahren verkauft hat.“
Sie blätterte vorsichtig durch die Unterlagen. Auf mehreren Seiten tauchten dieselben Namen auf: Grant Ashford, Victor Hale und eine Reihe von Firmen, die Ethan noch nie gehört hatte.
Dann fand Naomi eine Liste mit Überweisungen.
Sie starrte darauf.
„Das Geld der Stiftung.“
„Bist du sicher?“
„Meine Mutter hatte eine Stiftung gegründet, um medizinische Einrichtungen und Frauenhäuser zu unterstützen. Nach ihrem Tod erklärte mein Vater, die Stiftung sei aufgelöst worden.“
Sie zeigte auf mehrere Beträge.
„Aber hier sind Zahlungen, die noch Jahre danach erfolgt sind.“
Ethan fotografierte jede Seite, ohne die Reihenfolge der Dokumente zu verändern.
„Wir geben das einem unabhängigen Anwalt und den zuständigen Behörden.“
Naomi nickte.
Dann entdeckte sie eine dünne Mappe, die unter den anderen Papieren lag.
Auf der Vorderseite stand ein Datum, das zwölf Jahre zurücklag.
Darunter ein Name:
**EVELYN ASHFORD – STATUS: VERSTORBEN**
Naomis Hände begannen zu zittern.
„Das ist ihre Akte.“
Sie öffnete die Mappe.
Auf den ersten Seiten befanden sich Kopien von Krankenhausunterlagen. Danach folgten ein Bericht über einen angeblichen Unfall und eine Sterbeurkunde.
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