Doch es kam zu spät, um die Folgen ungeschehen zu machen.

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## Gertrudes wahre Absicht

Am frühen Nachmittag kehrte Gertrude in die Küche zurück.

Sie hatte sich umgezogen und trug nun eine elegante cremefarbene Bluse, als müsse sie zu einem wichtigen Termin. In der Hand hielt sie einen Ordner, den Savannah noch nie gesehen hatte.

„Ich habe beschlossen, dass wir diese Angelegenheit vernünftig lösen sollten“, verkündete sie.

Walter sah auf.

„Das ist ein guter Anfang.“

Gertrude ignorierte ihn.

„Savannah, ich weiß, dass du dich verletzt fühlst. Aber du musst verstehen, dass Douglas unter großem Druck stand. Ein Mann, der keinen Erfolg hat, fühlt sich wertlos. Eine gute Ehefrau hilft ihm, sein Selbstvertrauen zurückzugewinnen.“

Savannah sagte nichts.

Gertrude setzte sich.

„Ich habe deshalb einen Vorschlag.“

Sie öffnete ihren Ordner und zog mehrere Dokumente heraus.

„Douglas sollte die Möglichkeit bekommen, sich beruflich neu zu orientieren. Dafür braucht er etwas finanzielle Sicherheit. Wenn du ihm einen Teil deiner Ersparnisse zur Verfügung stellst, kann er eine kleine Firma gründen. Er hat schließlich immer noch gute Ideen.“

Savannah starrte sie an.

Dann sah sie auf die Dokumente.

Es handelte sich um einen groben Geschäftsplan für eine Beratungsfirma im Bereich Architektur und Bauplanung. Einige Seiten enthielten handschriftliche Notizen, andere waren offensichtlich aus dem Internet kopiert worden.

Auf der letzten Seite stand eine Summe: 75.000 Dollar.

Darunter befand sich ein Vorschlag für eine Beteiligung, nach dem Douglas die Geschäftsführung übernehmen und Savannah das Startkapital bereitstellen sollte.

„Wer hat das geschrieben?“, fragte Savannah.

„Ich habe Douglas geholfen, seine Gedanken zu ordnen.“

„Und wann sollte ich davon erfahren?“

Gertrude lächelte angespannt.

„Heute. Wenn du dich beruhigt hast.“

Savannah legte das Dokument zurück auf den Tisch.

„Sie haben also geplant, dass ich 75.000 Dollar investiere, nachdem bereits 38.000 Dollar ohne meine Zustimmung verwendet wurden?“

„Das Geld wäre nicht verloren gewesen! Es wäre eine Investition in die Zukunft deiner Ehe.“

„Auf welcher Grundlage?“

Gertrude blinzelte.

„Wie bitte?“

„Gibt es einen Geschäftsplan mit realistischen Einnahmen? Eine Marktanalyse? Einen Nachweis über mögliche Kunden? Einen Vertrag, der regelt, wie das Geld zurückgezahlt wird?“

Gertrude wurde unruhig.

„Du machst aus allem eine Prüfung.“

„Weil es um 75.000 Dollar geht.“

„Du hast genug Geld!“

Savannah spürte, wie sich eine alte Müdigkeit in ihr ausbreitete.

„Es geht nicht darum, ob ich das Geld habe. Es geht darum, ob ich freiwillig zustimme, es auszugeben.“

„Aber Douglas ist dein Mann!“

„Und ich bin seine Frau. Das bedeutet nicht, dass ich meine finanzielle Selbstständigkeit aufgeben muss.“

Douglas saß still da.

Savannah drehte sich zu ihm.

„Hast du gewusst, dass deine Mutter diesen Plan vorbereitet hat?“

Er blickte auf den Ordner.

„Sie hat ihn mir gezeigt.“

„Und du hast zugestimmt?“

„Ich dachte, es könnte funktionieren.“

„Hast du mir deshalb heute Morgen den Weg versperrt? Wolltest du mich dazu bringen, zu Hause zu bleiben, damit wir über diesen Plan sprechen können?“

Douglas hob den Kopf.

„Nein! Das war nicht deswegen.“

„Dann warum?“

Er öffnete den Mund, doch kein Wort kam heraus.

Gertrude sprang auf.

„Jetzt reicht es! Ich lasse nicht zu, dass du meinen Sohn vor seinem eigenen Schwiegervater verhörst!“

Walter erhob sich ebenfalls.

„Niemand verhört ihn. Er wird gefragt, was er getan hat. Das ist ein Unterschied.“

Gertrude drehte sich zu ihm.

„Sie glauben wohl, Sie können uns mit Ihrem Geld und Ihren Beziehungen einschüchtern!“

„Nein“, sagte Walter ruhig. „Ich glaube, dass Erwachsene für ihre Entscheidungen verantwortlich sind. Das gilt für meinen Schwiegersohn ebenso wie für meine Tochter.“

Savannah stand auf und schob den Ordner zurück zu Gertrude.

„Ich werde keine 75.000 Dollar investieren. Ich werde keine weiteren Schulden für Ihre Lebensplanung übernehmen. Und ich werde nicht aufhören zu arbeiten, nur damit Douglas sich besser fühlt.“

Gertrudes Gesicht verhärtete sich.

„Dann wird diese Ehe nicht lange halten.“

Savannah sah sie an.

„Vielleicht hätte sie früher enden sollen.“

Douglas erstarrte.

Gertrude wirkte, als hätte Savannah ihr gerade eine Ohrfeige verpasst.

Doch Savannah schrie nicht. Sie musste niemanden demütigen, um ihre Entscheidung deutlich zu machen.

„Ich habe lange versucht, unsere Ehe zu retten“, sagte sie. „Aber ich kann sie nicht allein retten. Und ich werde nicht länger so tun, als wäre mein beruflicher Erfolg das Problem, nur weil es einfacher ist, mich dafür verantwortlich zu machen als die eigenen Entscheidungen.“

Sie nahm ihre Laptoptasche vom Stuhl.

„Ich fahre jetzt ins Büro. Rachel wird sich wegen der finanziellen Angelegenheiten melden. Bis dahin unterschreibe ich nichts und überweise kein Geld.“

Douglas stand hastig auf.

„Savannah, warte.“

Sie blieb an der Küchentür stehen, ohne sich umzudrehen.

„Was?“

„Können wir heute Abend reden? Nur wir beide?“

Sie dachte einen Moment darüber nach.

„Wenn wir reden, dann ohne Beleidigungen, ohne Drohungen und ohne deine Mutter als Vermittlerin. Und wenn ich gehe, lässt du mich gehen.“

Douglas nickte langsam.

„In Ordnung.“

„Das werden wir sehen.“

Sie nahm ihren Mantel und verließ die Wohnung.

Diesmal hielt sie niemand auf.