„Deine Firma hat versucht, einen Auftrag bei meinem Arbeitgeber zu bekommen.“

Gertrude hob das Kinn.

„Na und? Das nennt man Geschäftstüchtigkeit.“

Savannah antwortete nicht sofort.

Sie betrachtete ihren Mann.

„Douglas, hast du meinen Namen benutzt, um deiner Firma Zugang zu unserem Projekt zu verschaffen?“

Er wich ihrem Blick aus.

„Ich habe nur erwähnt, dass wir verheiratet sind.“

Savannah spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog.

„Wem gegenüber?“

„Ein paar Leuten.“

„Welche Leute?“

„Savannah, du übertreibst.“

Sie stand auf.

„Nein. Du hast gerade möglicherweise einen Interessenkonflikt geschaffen, der meine berufliche Glaubwürdigkeit gefährden kann.“

Douglas lachte bitter.

„Da ist sie wieder. Die große Karrierefrau.“

Savannah sah ihn lange an.

Dann sagte sie:

„Ich habe jahrelang gearbeitet, um mir das Vertrauen meiner Kollegen zu verdienen. Und du hast meinen Namen benutzt, ohne mich zu fragen.“

Gertrude winkte ab.

„Eine Ehefrau sollte sich freuen, wenn ihr Mann erfolgreich werden will.“

Savannah drehte sich zu ihr.

„Ich würde mich freuen, wenn er erfolgreich würde, ohne mich anzulügen.“

## TEIL 6 – DIE ZWEITE ÜBERWEISUNG

Walter hatte bisher schweigend zugehört.

Nun nahm er die rote Mappe und blätterte durch die Unterlagen.

„Savannah, hier stimmt noch etwas nicht.“

Sie trat neben ihn.

„Was meinst du?“

Er zeigte auf zwei Transaktionen.

Die erste war die Überweisung über 38.000 Dollar.

Die zweite, drei Wochen später, betrug 12.500 Dollar.

Empfänger:

Peachtree Executive Services.

Savannah runzelte die Stirn.

„Diese Firma kenne ich nicht.“

Douglas bewegte sich unruhig auf seinem Stuhl.

Walter bemerkte es.

„Du aber offenbar schon.“

Douglas schüttelte den Kopf.

„Das ist nur ein Dienstleister.“

„Für was?“, fragte Savannah.

„Geschäftsentwicklung.“

Sie nahm ihr Telefon.

„Dann können wir die Firma kontaktieren und die Rechnung anfordern.“

„Das ist nicht nötig“, sagte Douglas hastig.

Savannah hielt inne.

„Warum nicht?“

Er schwieg.

Gertrude trat näher.

„Savannah, du hast deinen Standpunkt deutlich gemacht. Vielleicht sollten wir jetzt alle etwas essen.“

Savannah sah auf den großen Topf auf dem Herd.

Das Gumbo köchelte noch immer.

Sie hatte tatsächlich gekocht.

Während ihr Mann und seine Mutter geglaubt hatten, sie hätten gewonnen.

„Nein“, sagte sie ruhig. „Wir sind noch nicht fertig.“

Sie blickte wieder zu Douglas.

„Was hat Peachtree Executive Services für euch getan?“

Er rieb sich über die Stirn.

„Sie haben uns geholfen, Geschäftskontakte zu finden.“

„Welche Kontakte?“

Er antwortete nicht.

Savannah öffnete die Website des Unternehmens.

Es handelte sich um eine kleine Beratungsfirma, die Geschäftsanbahnungen und Vermittlungsleistungen anbot.

Dann entdeckte sie einen Namen.

Brandon Ellis.

Sie kannte ihn.

Brandon war früher als externer Beschaffungsberater bei ihrem Arbeitgeber tätig gewesen.

Sein Vertrag war vor sechs Monaten ausgelaufen.

Savannah spürte, wie ihr Herz schneller schlug.

„Douglas.“

Er blickte auf.

„Hast du Brandon Ellis bezahlt, damit er dir Informationen über unser Buckhead-Projekt gibt?“

Douglas wurde blass.

„So war das nicht.“

Walter legte die Mappe langsam auf den Tisch.

„Dann erklär uns, wie es war.“

Douglas schwieg.

Und dieses Schweigen veränderte alles.

## TEIL 7 – DER MOMENT, IN DEM SAVANNAH AUFHÖRTE ZU VERHANDELN

Savannah ging zum Fenster.

Draußen bewegten sich die Bäume im leichten Wind.

Menschen gingen mit ihren Hunden spazieren.

Autos fuhren die Straße entlang.

Die Welt schien vollkommen normal.

Doch in ihrer Küche zerfiel gerade das Bild ihrer Ehe.

Sie dachte an die letzten elf Monate.

An die vielen Abende, an denen sie erschöpft nach Hause gekommen war.

An Douglas, der auf dem Sofa saß und behauptete, er arbeite an etwas Großem.

An die Rechnungen.

An die Entschuldigungen.

An die Art, wie er jedes Gespräch über Geld in einen Streit über ihren angeblichen Hochmut verwandelt hatte.

Und dann erinnerte sie sich an den Morgen.

An seine Hand auf ihrer Schulter.

An den Stoß.

An den Versuch, sie daran zu hindern, zur Arbeit zu gehen.

Sie drehte sich um.

„Douglas, ich möchte, dass du heute eine andere Unterkunft findest.“

Er sprang auf.

„Du kannst mich nicht einfach hinauswerfen!“

Savannah nickte.

„Ich werde nichts außerhalb der rechtlichen Regeln tun. Mein Anwalt wird die Wohnsituation klären. Aber ich werde nicht länger so tun, als sei das hier eine normale Auseinandersetzung.“

Gertrude hob die Stimme.

„Du zerstörst deine Ehe wegen ein paar Rechnungen!“

Savannah sah sie an.

„Nein. Ich ziehe eine Grenze, weil Ihr Sohn mich körperlich bedrängt hat, meine Arbeit kontrollieren wollte und ohne meine Zustimmung erhebliche finanzielle Verpflichtungen eingegangen ist.“

Douglas schüttelte den Kopf.

„Du stellst mich dar wie ein Monster.“

Savannah antwortete ruhig:

„Ich beschreibe, was passiert ist.“

Walter trat neben sie.

„Meine Tochter muss sich nicht weiter rechtfertigen.“

Douglas blickte zu den beiden Instandhaltungsarbeitern, die bisher im Eingangsbereich gewartet hatten.

„Und was ist mit denen? Wollt ihr mich einschüchtern?“

Walter schüttelte den Kopf.

„Nein. Die beiden werden heute keine Schlösser austauschen, solange die rechtliche Lage nicht geklärt ist. Sie sind hier, um sicherzustellen, dass meine Tochter nicht allein mit diesem Konflikt umgehen muss.“

Savannah blickte ihren Vater dankbar an.

Dann wandte sie sich wieder Douglas zu.