„Das ist von enormer Bedeutung, weil das Geld direkt von meinem Kreditrahmen abgebucht wurde“, korrigierte ihn Savannah.

Gertrude presste ihre dünnen Lippen fest zusammen. „Es sollte ein privates Darlehen sein.“

## TEIL 3 – DAS DARLEHEN, VON DEM NIEMAND WISSEN DURFTE

„Ein privates Darlehen?“, wiederholte Savannah.

Ihre Stimme war so ruhig, dass Douglas unwillkürlich einen Schritt zurückwich.

Gertrude straffte die Schultern.

„Ja. Zwischen Familienmitgliedern hilft man sich schließlich gegenseitig.“

Savannah blickte auf den Kontoauszug.

38.000 Dollar.

Das war mehr, als manche Menschen in einem ganzen Jahr verdienten.

Und ihre Schwiegermutter sprach darüber, als hätte sie sich zwanzig Dollar für Lebensmittel geliehen.

„Wann wollten Sie mich über dieses Darlehen informieren?“, fragte Savannah.

Gertrude öffnete den Mund.

Schloss ihn wieder.

Douglas trat vor.

„Savannah, hör auf, meine Mutter wie eine Kriminelle zu behandeln.“

Walter verschränkte die Arme.

„Dann beantwortet doch einfach die Frage.“

Douglas sah seinen Schwiegervater an.

„Sie verstehen das nicht.“

„Dann erklär es mir.“

Eine unangenehme Stille breitete sich in der Küche aus.

Schließlich sagte Gertrude:

„Ich brauchte das Geld für eine Investition.“

Savannah hob eine Augenbraue.

„Welche Investition?“

„Eine geschäftliche Gelegenheit.“

„Mit wem?“

Gertrude sah zu Douglas.

Er senkte den Blick.

Savannah bemerkte es sofort.

„Douglas“, sagte sie langsam, „was hast du deiner Mutter versprochen?“

Er antwortete nicht.

Sie nahm das nächste Blatt aus der roten Mappe.

„Ich habe heute Morgen bereits mit der Bank gesprochen. Die Transaktion wurde über die Zusatzkarte und eine anschließende Überweisung abgewickelt. Ich habe sie weder veranlasst noch genehmigt.“

Douglas presste die Lippen zusammen.

„Du musst nicht aus allem eine Untersuchung machen.“

Savannah legte das Papier ab.

„Doch. Genau das werde ich tun.“

Walter trat neben seine Tochter.

„Savannah, du solltest dich hinsetzen.“

Sie schüttelte den Kopf.

„Nein, Papa. Ich habe lange genug gesessen und darauf gewartet, dass mein Mann Verantwortung übernimmt.“

Dann wandte sie sich wieder Douglas zu.

„Ich möchte jetzt wissen, wo die 38.000 Dollar geblieben sind.“

Gertrude atmete tief ein.

Und antwortete:

„Wir haben damit eine Firma gegründet.“

Savannah erstarrte.

„Wir?“

Gertrude nickte.

„Douglas und ich.“

Savannah sah ihren Mann an.

„Du hast eine Firma gegründet?“

Douglas schwieg.

„Mit meinem Geld?“

Sein Schweigen war Antwort genug.

## TEIL 4 – DIE FIRMA AUF DEM PAPIER

Walter zog einen Stuhl zurück.

„Ich glaube, jetzt sollten wir uns alle setzen.“

Diesmal widersprach Savannah nicht.

Sie nahm am Küchentisch Platz.

Douglas setzte sich ihr gegenüber.

Gertrude blieb stehen, als könne sie dadurch die Kontrolle über das Gespräch behalten.

„Wie heißt die Firma?“, fragte Savannah.

Douglas räusperte sich.

„D&G Architectural Concepts.“

Savannah starrte ihn an.

„Architektur?“

Er nickte.

„Wir wollten eine eigene Beratungsfirma aufbauen.“

„Wer ist wir?“

„Meine Mutter und ich.“

Savannah lehnte sich zurück.

„Und warum hast du mir nichts davon erzählt?“

Douglas verschränkte die Arme.

„Weil du sowieso alles kritisiert hättest.“

„Ich habe dich elf Monate lang gefragt, was du beruflich machen möchtest.“

„Du hast mich unter Druck gesetzt.“

Savannah schüttelte langsam den Kopf.

„Ich habe dir angeboten, deine Weiterbildung zu bezahlen. Ich habe dir Kontakte vermittelt. Ich habe dir sogar vorgeschlagen, einen Businessplan mit dir durchzugehen.“

Douglas wurde rot.

„Genau das ist dein Problem. Du musst immer alles kontrollieren.“

Walter schlug die Hände auf den Tisch.

„Junger Mann, meine Tochter hat dir Unterstützung angeboten. Das ist nicht dasselbe wie Kontrolle.“

Gertrude mischte sich ein.

„Douglas wollte endlich beweisen, dass er ohne seine Frau erfolgreich sein kann.“

Savannah betrachtete sie.

„Indem er mein Geld benutzt?“

Gertrude schwieg.

„Und warum brauchten Sie dafür 38.000 Dollar?“

Douglas antwortete:

„Für die Registrierung, Ausstattung und erste Geschäftsausgaben.“

Savannah öffnete ihren Laptop.

„Dann möchte ich die Rechnungen sehen.“

Er lachte nervös.

„Du willst jetzt eine komplette Buchprüfung durchführen?“

„Ja.“

Sein Lächeln verschwand.

Savannah blickte ihm direkt in die Augen.

„Wenn das Geld tatsächlich für eine Firma verwendet wurde, sollte es Unterlagen geben.“

Douglas schwieg.

Und zum ersten Mal an diesem Morgen wirkte er nicht wütend.

Sondern besorgt.

## TEIL 5 – DER ANRUF AUS BUCKHEAD

Um 10:16 Uhr klingelte Savannahs Geschäftshandy.

Auf dem Display erschien der Name ihrer Assistentin.

Rachel Morgan.

Savannah nahm ab.

„Rachel, ist beim Meeting alles in Ordnung?“

„Ja, Savannah. Aber wir haben ein Problem.“

Savannah richtete sich auf.

„Welches?“

Rachel senkte die Stimme.

„Ein externer Berater hat sich heute Morgen bei unserem Beschaffungsteam gemeldet.“

„Und?“

„Er behauptet, über persönliche Kontakte zur Projektleitung zu verfügen.“

Savannah runzelte die Stirn.

„Wie heißt die Firma?“

Eine kurze Pause.

Dann sagte Rachel:

„D&G Architectural Concepts.“

Savannah blickte langsam zu Douglas.

Er wurde kreidebleich.

„Rachel“, sagte Savannah, „wer hat diese Firma empfohlen?“

„Das versuchen wir gerade herauszufinden.“

„Wurde bereits ein Vertrag unterschrieben?“

„Nein. Der Antrag wurde zur Prüfung zurückgestellt.“

Savannah schloss kurz die Augen.

Ein Glück.

„Bitte bewahrt sämtliche Unterlagen und Nachrichten auf. Ich möchte außerdem, dass unsere Compliance-Abteilung die Angelegenheit unabhängig prüft.“

„Natürlich.“

Savannah beendete das Gespräch.

Douglas starrte sie an.

„Was war das?“

Sie legte das Telefon auf den Tisch.