Dann wandte sie sich an Maxim.
„Wir werden herausfinden, was damals passiert ist.“
***
Am Abend erhielt Sofia eine weitere Nachricht.
Diesmal kam sie von einer unbekannten Telefonnummer.
Sie enthielt nur einen Satz:
**„Petar Iliev ist nicht nach Deutschland gezogen. Er lebt seit Jahren unter einem anderen Namen – und er hat etwas, das Viktor unbedingt zurückhaben will.“**
Darunter stand eine Adresse in Plovdiv.
Sofia las die Nachricht zweimal.
Dann nahm sie ihren Mantel vom Haken.
Maxim sah sie fragend an.
„Du willst hinfahren?“
„Ja.“
„Dann komme ich mit.“
Sofia schüttelte den Kopf.
„Nicht, weil ich dir nicht vertraue. Ich möchte nur nicht, dass du dich in etwas hineinziehen lässt, das dich gefährden könnte.“
Maxim blieb ruhig.
„Sofia, du hast mir beigebracht, dass man Menschen nicht nach ihren Narben beurteilen darf. Jetzt solltest du mich nicht nach meiner Angst beurteilen.“
Sie sah ihn lange an.
Schließlich nickte sie.
Am nächsten Morgen machten sie sich auf den Weg nach Plovdiv.
Die Adresse führte sie zu einem unscheinbaren Haus in einer ruhigen Seitenstraße. An der Klingel stand ein anderer Name.
Maxim klopfte.
Lange geschah nichts.
Dann hörten sie Schritte.
Die Tür öffnete sich einen Spalt.
Ein älterer Mann mit grauem Haar sah sie misstrauisch an.
Sofia zeigte ihm das Foto.
Sein Gesicht veränderte sich sofort.
„Woher haben Sie das?“, flüsterte er.
„Ich bin Sofia Dimova.“
Der Mann wich zurück, als hätte er einen Geist gesehen.
Dann öffnete er die Tür vollständig.
„Kommen Sie herein“, sagte er. „Aber wir haben nicht viel Zeit.“
Er führte sie in ein kleines Arbeitszimmer, verschloss die Tür und zog eine Schublade auf. Daraus nahm er einen dicken Umschlag, der mit einem roten Band verschnürt war.
„Ich habe jahrelang geschwiegen“, sagte er. „Nicht, weil ich vergessen hätte, was passiert ist. Sondern weil ich Angst hatte, dass man meiner Familie etwas antun könnte.“
Sofia setzte sich ihm gegenüber.
„Was wissen Sie über den Brand?“
Petar Iliev legte den Umschlag auf den Tisch.
„Ich weiß, wer die Tür kontrollieren sollte. Ich weiß, wer den Prüfbericht verändert hat. Und ich weiß, dass Viktor Stanev nicht allein gehandelt hat.“
Er löste das Band.
Im Umschlag lagen mehrere Dokumente und eine kleine Speicherkarte.
Petar schob sie Sofia hin.
„Auf dieser Karte befindet sich eine Aufnahme aus dem Überwachungssystem des Gebäudes. Sie wurde damals offiziell als unbrauchbar eingestuft. Ich habe eine Kopie aufbewahrt.“
Maxim sah ihn ungläubig an.
„Warum haben Sie sie nicht früher veröffentlicht?“
Petar senkte den Blick.
„Weil auf der Aufnahme nicht nur Viktor zu sehen ist.“
Sofia spürte, wie ihr Herz schneller schlug.
„Wer noch?“
Petar hob den Kopf.
„Die Person, die damals dafür gesorgt hat, dass Sie überhaupt in diesem Raum waren.“
Sofia erstarrte.
Sie hatte geglaubt, der schlimmste Teil ihrer Geschichte sei das Feuer gewesen.
Doch vielleicht war der wahre Schock nicht das, was ihr damals widerfahren war.
Vielleicht war es der Name des Menschen, dem sie bis heute vertraute.
Petar schob ihr die Speicherkarte über den Tisch.
„Wenn Sie diese Aufnahme ansehen, wird nichts mehr so sein wie zuvor.“
Sofia nahm sie an sich.
Und zum ersten Mal seit dem Brand hatte sie keine Angst mehr davor, in einen Spiegel zu sehen.
Sie hatte Angst vor dem, was sie gleich erkennen würde.
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