—Weil ich solche Analysen schon einmal gesehen hatte. Bei einer anderen Frau. Aber da war es zu spät.
Laura drückte seine Hand. Einen Monat später brachte sie ein kleines, aber gesundes Mädchen zur Welt.
# Kapitel 2: Das Geheimnis, das Victor niemals ans Licht bringen wollte
Einen Monat nach der Geburt ihrer Tochter saß Laura am Fenster des Krankenzimmers und hielt das kleine Mädchen in ihren Armen. Sie hatte ihr den Namen Sophie gegeben.
Sophie war winzig, ihre Hände waren kaum größer als Lauras Daumen, und jedes Mal, wenn sie sich bewegte, schien die ganze Welt für einen Augenblick stillzustehen.
Laura liebte ihre Tochter mehr als alles andere.
Doch sobald sie an Victor dachte, überkam sie eine kalte Angst.
Der Mann, der ihr jahrelang versprochen hatte, sie zu beschützen, hatte möglicherweise versucht, ihr und ihrem ungeborenen Kind zu schaden. Sie konnte noch immer nicht begreifen, wie jemand, der sie jeden Morgen küsste und abends liebevoll nach ihrem Befinden fragte, ein solches Geheimnis verbergen konnte.
Dr. Marta bemerkte ihre Unruhe.
„Laura, Sie müssen nicht heute alle Antworten finden“, sagte sie sanft. „Im Moment sind Sie und Sophie in Sicherheit. Die Ermittler kümmern sich um den Rest.“
Laura blickte auf ihre Tochter.
„Aber ich muss wissen, warum. Was habe ich getan, dass er uns das antun wollte?“
„Sie haben nichts getan, was das rechtfertigt“, antwortete Marta bestimmt. „Die Verantwortung für seine Entscheidungen liegt bei ihm, nicht bei Ihnen.“
Diese Worte blieben Laura im Gedächtnis.
Zum ersten Mal seit Wochen erlaubte sie sich, nicht nach einem Fehler bei sich selbst zu suchen.
## 1. Die Frau vor dem Krankenhaus
Zwei Tage später kam eine Polizeibeamtin namens Anna Keller zu Besuch. Sie brachte einen Ordner mit und setzte sich neben Lauras Bett.
„Wir haben Victor befragt“, erklärte sie. „Er bestreitet, Ihnen absichtlich etwas gegeben zu haben. Er behauptet, er habe die Kräutermischung gekauft, weil sie angeblich für Schwangere geeignet gewesen sei.“
„Und glauben Sie ihm?“, fragte Laura.
Anna antwortete vorsichtig.
„Wir müssen uns an die Beweise halten. Die Untersuchung der Mischung hat jedoch mehrere Fragen aufgeworfen. Wir haben außerdem Nachrichten gefunden, die darauf hindeuten, dass Ihr Mann sich über Ihre medizinischen Beschwerden informiert hat, ohne Sie darüber zu informieren.“
Laura erinnerte sich an die vergangenen Monate.
An die Abende, an denen Victor darauf bestanden hatte, dass sie ihren Tee austrank.
An die Tage, an denen sie ungewöhnlich müde gewesen war und er ihr gesagt hatte, das sei eben normal in einer Schwangerschaft.
An die Momente, in denen sie sich entschuldigt hatte, weil sie nicht mit ihm ausgehen konnte.
„Er hat immer gesagt, ich solle mir keine Sorgen machen“, flüsterte sie.
Anna machte sich eine Notiz.
„Wir möchten auch herausfinden, ob andere Menschen davon wussten. Kennen Sie jemanden, der Ihnen vielleicht etwas über Victor erzählen könnte?“
Laura dachte lange nach.
Dann fiel ihr eine Frau ein.
Clara, Victors jüngere Schwester.
Die beiden hatten früher ein gutes Verhältnis gehabt. Doch ungefähr sechs Monate zuvor hatte Clara plötzlich aufgehört, Laura zu besuchen. Als Laura sie danach gefragt hatte, erklärte Victor, seine Schwester sei eifersüchtig auf ihr Glück und wolle ihre Ehe zerstören.
Laura hatte ihm geglaubt.
Jetzt fragte sie sich, ob Clara vielleicht etwas gewusst hatte.
„Können Sie sie finden?“, fragte Laura.
Anna nickte. „Wir werden sie kontaktieren.“
## 2. Die Nachricht, die alles veränderte
Am folgenden Nachmittag erhielt Laura über die Polizei eine Nachricht von Clara.
*Laura, ich weiß nicht, ob du mir jemals verzeihen kannst. Aber ich muss dir etwas erzählen. Ich habe versucht, dich zu warnen. Victor hat dafür gesorgt, dass du meine Nachrichten nicht bekommen hast. Bitte lass mich mit dir sprechen.*
Laura las die Nachricht mehrmals.
Sie erinnerte sich an eine Nacht im sechsten Schwangerschaftsmonat. Damals hatte Victor ihr Telefon genommen und behauptet, es sei beschädigt. Am nächsten Morgen hatte er ihr ein neues gekauft und erklärt, einige Kontakte seien leider verloren gegangen.
Sie hatte sich darüber geärgert, aber keinen Verdacht geschöpft.
Nun fühlte sich diese Erinnerung plötzlich anders an.
Laura bat Anna, ein Treffen mit Clara im Krankenhaus zu organisieren. Die Polizei stimmte zu und sorgte dafür, dass das Gespräch an einem sicheren Ort stattfinden konnte.
Als Clara den Raum betrat, sah sie erschöpft aus. Sie blieb zunächst an der Tür stehen.
„Es tut mir so leid“, sagte sie.
Laura hielt Sophie enger an sich.
„Was wolltest du mir sagen?“
Clara setzte sich langsam.
„Vor einigen Monaten war ich bei Victor zu Hause. Ich wollte ihm Unterlagen zurückbringen, die er bei mir vergessen hatte. Als ich in die Küche kam, sah ich ihn etwas in eine Dose mit Kräutern mischen. Als er mich bemerkte, wurde er wütend und sagte, ich solle mich um meine eigenen Angelegenheiten kümmern.“
Laura spürte, wie ihr Herz schneller schlug.
„Warum hast du mir nichts gesagt?“
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