„Ja. Wer ist da?“
„Mein Name ist Thomas Berger. Ich war der Buchhalter Ihres Mannes. Wir müssen dringend über einige Überweisungen sprechen.“
Maria setzte sich an den Küchentisch.
„Welche Überweisungen?“
„Es geht nicht nur um das Geld, das Ihr Mann für seine Affäre ausgegeben hat. Wir haben Zahlungen entdeckt, die über mehrere Monate hinweg von einem gemeinsamen Konto auf verschiedene Firmenkonten umgeleitet wurden. Einige dieser Unternehmen existieren möglicherweise nur auf dem Papier.“
Maria schwieg.
Sie hatte geglaubt, ihr Mann sei untreu gewesen und habe Geld verschwendet. Dass er womöglich in etwas viel Größeres verwickelt war, hatte sie nicht erwartet.
„Warum erzählen Sie mir das?“, fragte sie schließlich.
Thomas atmete tief durch.
„Weil Ihr Name auf einem der Dokumente steht.“
Maria spürte, wie ihr Magen sich zusammenzog.
„Das ist unmöglich. Ich habe nie eine Überweisung genehmigt.“
„Das glaube ich Ihnen. Aber jemand hat eine Unterschrift verwendet, die Ihrer sehr ähnlich sieht.“
Am selben Nachmittag fuhr Maria zurück in die Stadt. Sie wollte die Unterlagen sehen, bevor sie irgendwelche Schlussfolgerungen zog.
Im Büro ihres Mannes empfing sie dessen Geschäftspartner, Herr Schneider. Er sah erschöpft aus. Auf seinem Schreibtisch lagen Aktenordner, Kontoauszüge und Ausdrucke von E-Mails.
„Ich hätte früher auf Sie hören sollen“, sagte er, als Maria eintrat. „Sie haben mich gewarnt, dass etwas nicht stimmt, und ich habe Ihnen nicht geglaubt.“
„Ich bin nicht hier, um eine Entschuldigung zu hören“, antwortete Maria. „Ich möchte wissen, warum mein Name auf diesen Dokumenten steht.“
Schneider schob ihr eine Mappe über den Tisch.
Darin befanden sich Kopien von Überweisungen, Verträgen und einer Vollmacht, die angeblich von Maria unterschrieben worden war. Mit dieser Vollmacht sollte sie der Übertragung eines erheblichen Geldbetrags zugestimmt haben.
Doch Maria erkannte sofort einen Fehler.
„Das ist nicht meine Unterschrift.“
„Wir haben bereits einen unabhängigen Sachverständigen gebeten, sie zu prüfen“, erklärte Schneider. „Das Ergebnis liegt noch nicht vor.“
Maria blätterte weiter. Auf der letzten Seite stand der Name einer Firma, von der sie noch nie gehört hatte: **Nordstern Beteiligungen GmbH**.
Daneben war eine Adresse eingetragen, die sie überraschte.
Es war die Adresse des kleinen Hauses, das ihre Mutter vor vielen Jahren verkauft hatte.
Maria hob den Kopf.
„Was hat diese Firma mit dem Haus meiner Mutter zu tun?“
Schneider sah sie verwirrt an.
„Welches Haus?“
Maria erklärte ihm, dass ihre Mutter früher ein kleines Grundstück am Stadtrand besessen hatte. Sie hatte es verkauft, um die medizinische Behandlung ihres verstorbenen Vaters zu finanzieren. Seitdem hatte Maria nie wieder etwas davon gehört.
Schneider nahm das Dokument zurück und prüfte die Adresse.
„Diese Firma hat vor sechs Monaten ein Grundstück gekauft“, sagte er langsam. „Der Kauf wurde über ein Konto finanziert, auf das Geld aus unserem Unternehmen geflossen ist.“
Maria starrte ihn an.
„Sie wollen mir sagen, dass mein Mann möglicherweise das Geld seiner Firma benutzt hat, um das Grundstück meiner Mutter zu kaufen?“
„Ich sage, dass die Unterlagen darauf hindeuten. Wir müssen herausfinden, wer tatsächlich hinter der Firma steckt.“
In diesem Moment öffnete sich die Bürotür.
Marias Ehemann stand im Eingang.
Er trug einen zerknitterten Anzug, und seine Augen waren gerötet. Als er Maria sah, blieb er wie angewurzelt stehen.
„Was machst du hier?“, fragte er.
Maria schloss die Mappe.
„Ich versuche herauszufinden, warum du meinen Namen auf Dokumenten benutzt hast, die ich nie unterschrieben habe.“
Er warf einen Blick auf Schneider.
„Das ist eine interne Angelegenheit. Sie hat damit nichts zu tun.“
„Dann kannst du sicher erklären, warum ihre Unterschrift auf der Vollmacht steht“, entgegnete Schneider.
Für einen kurzen Augenblick verlor ihr Mann die Fassung.
„Ich wollte nur etwas absichern“, sagte er. „Du verstehst das nicht. Es war nie geplant, dass irgendjemand Geld verliert.“
Maria erhob sich langsam.
„Du hast mich belogen, während ich mich um meine schwerkranke Mutter gekümmert habe. Du hast unser Geld für eine andere Frau ausgegeben. Und jetzt entdecke ich, dass du meinen Namen benutzt hast, um Geschäfte abzuwickeln.“
„Maria, bitte. Lass mich erklären.“
„Du hattest einen ganzen Monat Zeit, mir die Wahrheit zu sagen.“
Er trat einen Schritt auf sie zu, doch sie hob die Hand.
„Bleib stehen.“
Ihre Stimme war nicht laut. Gerade deshalb hörte er auf, sich zu bewegen.
„Wenn du eine Erklärung hast, gib sie deinem Anwalt und den Ermittlern. Ich werde keine weiteren Versprechen von dir akzeptieren.“
Dann nahm sie ihre Tasche und verließ das Büro.
Doch als sie den Parkplatz erreichte, wartete dort eine ältere Frau auf sie.
Maria erkannte sie sofort: Es war Frau Weber, eine ehemalige Nachbarin ihrer Mutter.
„Maria“, sagte die Frau hastig, „ich habe gehört, was passiert ist. Ich weiß nicht, ob es wichtig ist, aber vor einigen Monaten war ein Mann bei deiner Mutter. Er wollte, dass sie bestimmte Papiere unterschreibt.“
Maria blieb stehen.
„Welche Papiere?“
„Er sagte, es gehe um das alte Grundstück. Deine Mutter wollte nicht unterschreiben. Danach hat er ihr gedroht, dass sie Schwierigkeiten bekommen würde, wenn sie weiter Fragen stellte.“
Popular Posts
→- 1
- 2
- 3
- 4
Recently Viewed
Stories you read recently will appear here.



