„Ich verkaufe Gemüse an verschiedene Leute. Das ist doch nicht verboten.“
Petrow legte ihm ein Foto der markierten Tomaten vor.
Georgi betrachtete es nur kurz.
„Damit habe ich nichts zu tun.“
Dann wurden ihm weitere Unterlagen gezeigt, die mit den verschwundenen Lieferungen in Verbindung standen.
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich.
Die Ermittler hatten inzwischen mehrere Aussagen gesammelt. Außerdem gab es Dokumente, die seine Kontakte zu den betroffenen Lagerhäusern belegten.
Georgi versuchte, Elena als allein Verantwortliche darzustellen.
Doch seine Darstellung passte nicht zu den übrigen Erkenntnissen.
Nach und nach wurde deutlich, dass er mehrere Menschen angesprochen hatte, die dringend Geld benötigten. Er hatte ihnen harmlose Tätigkeiten versprochen und ihnen verschwiegen, dass die Waren aus illegalen Geschäften stammten.
Elena war eine von ihnen.
Aber war sie wirklich ahnungslos gewesen?
Das musste die Untersuchung noch klären.
### Nikolai kennt ein wichtiges Detail
Anna entschied sich, Nikolai aufzusuchen.
Das Haus der Dimitrovas lag in einer ruhigen Seitenstraße. Der Garten war klein, aber ordentlich. Neben der Eingangstür standen mehrere Blumentöpfe.
Elena öffnete die Tür.
„Frau Anna? Ist etwas passiert?“
„Nein. Ich möchte nur mit Ihrem Sohn sprechen, wenn er einverstanden ist.“
Nikolai saß im Wohnzimmer.
Er wirkte erschöpft, begrüßte Anna aber freundlich.
„Meine Mutter hat mir erzählt, dass Sie bei der Polizei arbeiten.“
Anna nickte.
„Wir untersuchen die Sache mit dem Gemüse. Ihre Mutter hat uns von einem Mann namens Georgi erzählt.“
Nikolai blickte zu seiner Mutter.
„Ich wusste, dass dieser Mann Ärger bringen würde.“
Elena senkte den Kopf.
„Ich wollte dir doch nur helfen.“
„Ich weiß, Mama.“
Nikolai wandte sich an Anna.
„Georgi war einmal hier. Er hat meiner Mutter Geld angeboten und behauptet, er kenne Leute, die ihr Arbeit geben könnten. Ich habe ihm nicht vertraut.“
„Warum nicht?“, fragte Anna.
„Weil er ständig versuchte, meine Mutter von mir fernzuhalten. Er wollte nicht, dass ich Fragen stellte. Einmal sagte er sogar, ich solle mich um meine Gesundheit kümmern und mich aus seinen Angelegenheiten heraushalten.“
Anna notierte sich seine Aussage.
„Haben Sie noch etwas bemerkt?“
Nikolai dachte nach.
Dann sagte er:
„Ja. Er hatte einmal einen Umschlag dabei. Als er ihn öffnete, sah ich darin ein Foto von einem Lagerhaus. Ich erinnere mich an den Namen auf dem Schild.“
Anna sah sofort auf.
„Wissen Sie noch, wie es hieß?“
Nikolai nannte den Namen.
Es war dieselbe Adresse, die die Ermittler bereits überprüften.
### Das Geheimnis hinter der Kiste
Am folgenden Tag wurden weitere Unterlagen ausgewertet.
Dabei stellte sich heraus, dass die Markierungen auf dem Gemüse nicht nur mit gestohlenen Lieferungen zusammenhingen. Sie waren auch auf Dokumenten zu finden, die bei einem früheren Ermittlungsverfahren sichergestellt worden waren.
Die Gemüsebox war offenbar dazu benutzt worden, kleine Lieferungen unauffällig weiterzugeben.
Der eigentliche Plan war größer als ein einfacher Straßenverkauf.
Georgi hatte versucht, die Waren über mehrere Zwischenpersonen in Umlauf zu bringen. So sollte es schwieriger werden, die Lieferungen bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen.
Die Polizei fand außerdem Hinweise darauf, dass weitere Menschen beteiligt gewesen sein könnten.
Als Petrow Anna die Ergebnisse erklärte, schüttelte sie den Kopf.
„Und Elena wusste wirklich nicht, was sie da verkaufte?“
„Ihre Aussagen passen zu mehreren anderen Hinweisen“, antwortete er. „Aber wir müssen alles sorgfältig prüfen. Ihre schwierige Lebenssituation allein beweist weder Unschuld noch Schuld.“
Anna nickte.
Sie wusste, dass Petrow recht hatte.
Mitgefühl durfte die Ermittlungen nicht ersetzen.
Aber es durfte auch nicht verschwinden.
### Eine unerwartete Entdeckung im Garten
Einige Tage später bat Elena darum, noch einmal mit Anna zu sprechen.
Die Polizistin besuchte sie gemeinsam mit Petrow.
Elena führte sie in den kleinen Garten.
Dort standen mehrere Beete mit Tomatenpflanzen, Gurken und Kräutern.
„Das ist mein richtiger Garten“, erklärte sie. „Hier habe ich früher alles selbst angebaut.“
Sie zeigte auf eine alte Holzkiste.
„Georgi hat mir gesagt, ich solle diese Kiste aufbewahren. Er wollte sie irgendwann wieder abholen.“
Petrow sah Anna an.
„Was befindet sich darin?“
Elena öffnete den Deckel.
Darin lagen einige alte Lieferscheine, ein Notizbuch und mehrere Papiere.
Die Ermittler sicherten die Gegenstände und ließen sie untersuchen.
Im Notizbuch fanden sich Einträge, die mit den bereits bekannten Lieferungen übereinstimmten. Einige Namen und Daten konnten mit weiteren Zeugenaussagen abgeglichen werden.
Damit hatten die Ermittler einen wichtigen zusätzlichen Beleg.
Elena hatte die Kiste aufbewahrt, weil Georgi ihr gesagt hatte, sie enthalte Unterlagen für die spätere Abrechnung.
Sie hatte nicht verstanden, welche Bedeutung die Papiere tatsächlich hatten.
### Die Entscheidung über Elena
Die Ermittlungen dauerten noch mehrere Wochen.
Elena musste weiterhin Fragen beantworten und ihre Aussagen überprüfen lassen. Die Polizei behandelte sie nicht automatisch als unschuldig, nur weil sie alt und arm war.
Doch die gesammelten Beweise zeigten zunehmend, dass Georgi sie gezielt angeworben und unter Druck gesetzt hatte.
Er hatte ihre Sorge um Nikolai ausgenutzt und ihr falsche Versprechungen gemacht.
Gegen Georgi und weitere Beteiligte wurden entsprechende rechtliche Schritte eingeleitet.
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