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## Teil 2 – Die Tomaten, die ein dunkles Geheimnis verbargen

„Nehmt sie fest!“

Kommissar Petrows Stimme durchschnitt die Geräusche der belebten Straße.

Die junge Polizistin Anna konnte kaum glauben, was sie gerade gehört hatte.

„Aber warum? Was hat diese Frau getan?“

Petrow hielt die Tomate gegen das Licht.

„Sehen Sie sich die Markierungen an. Das sind keine zufälligen Kratzer.“

Anna beugte sich näher. Auf der roten Schale erkannte sie winzige Zeichen, die offenbar mit einem besonderen Stempel angebracht worden waren. Als Petrow eine zweite Tomate untersuchte, entdeckte er dieselben Zeichen. Auch auf den Gurken und Karotten waren sie zu finden.

Die alte Frau presste ihre Hände an die Brust.

„Bitte, ich habe nichts Böses getan! Ich muss nur Geld für meinen Sohn verdienen!“

Petrow sah sie ernst an.

„Dann erklären Sie uns, warum Ihr Gemüse mit denselben Markierungen versehen ist wie Waren aus einem Lager, das vor wenigen Wochen ausgeraubt wurde.“

Das Gesicht der Frau wurde kreidebleich.

Anna blickte zwischen den beiden hin und her.

Jetzt verstand sie, dass dieser Einsatz alles andere als gewöhnlich werden würde.

### Die Frau mit dem unschuldigen Lächeln

„Wie heißen Sie?“, fragte Anna vorsichtig.

„Elena Dimitrova.“

„Und woher haben Sie diese Tomaten?“

„Aus meinem Garten. Ich habe sie selbst angebaut.“

Petrow schüttelte langsam den Kopf.

„Das glaube ich Ihnen nicht. Zumindest nicht, solange wir die Herkunft nicht überprüft haben.“

Elena begann zu weinen.

„Mein Sohn ist krank. Sein Name ist Nikolai. Er braucht Medikamente, und meine Rente reicht kaum für das Nötigste. Ein Mann hat mir angeboten, mit dem Verkauf etwas dazuzuverdienen.“

„Welcher Mann?“, fragte Petrow sofort.

Elena schwieg.

Anna zog einen Stuhl aus einem nahegelegenen Café heran.

„Setzen Sie sich erst einmal. Niemand muss hier schreien. Wir möchten verstehen, was passiert ist.“

Die alte Frau setzte sich langsam.

„Er heißt Georgi. Er kam vor ungefähr einem Monat zu mir. Er wusste, dass mein Sohn krank ist, und sagte, er könne mir helfen.“

„Was genau sollte er für Sie tun?“

„Er brachte mir die Kisten. Ich sollte das Gemüse verkaufen und ihm später einen Teil des Geldes geben.“

Petrow wurde aufmerksam.

„Hat er Ihnen gesagt, woher das Gemüse stammt?“

Elena schüttelte den Kopf.

„Er sagte, es komme von einem Großhändler.“

„Und warum haben Sie uns nicht gleich von ihm erzählt?“

Die alte Frau blickte auf ihre Hände.

„Weil er mir Angst gemacht hat.“

### Die Wahrheit über Nikolai

Auf der Polizeiwache wurde Elena zunächst befragt. Die Gemüsebox und ihr Inhalt wurden gesichert und untersucht.

Anna blieb in ihrer Nähe.

Sie konnte nicht vergessen, wie die alte Frau immer wieder von den Medikamenten ihres Sohnes gesprochen hatte.

Als die erste Befragung beendet war, fragte Anna:

„Darf ich Ihnen eine persönliche Frage stellen?“

Elena nickte.

„Wie geht es Ihrem Sohn wirklich?“

Die alte Frau schluckte.

„Nicht gut. Vor einem Jahr hatte er einen schweren Unfall. Seitdem kann er nur eingeschränkt arbeiten. Ich kümmere mich um ihn, so gut ich kann.“

„Warum haben Sie keine Hilfe beantragt?“

Elena lächelte traurig.

„Ich dachte, ich müsse alles selbst schaffen. Mein Mann ist seit Jahren tot. Nikolai ist mein einziges Kind. Ich wollte nicht, dass er sich auch noch Sorgen um mich macht.“

Anna schwieg einen Moment.

„Sie hätten nicht allein bleiben müssen.“

Elena sah sie an.

„Das weiß ich jetzt.“

Dann erzählte sie, dass Georgi ihr zunächst nur kleine Mengen Gemüse gebracht hatte. Mit der Zeit wurden die Kisten größer. Als sie Fragen stellte, habe er sie beruhigt und gesagt, sie solle sich keine Gedanken machen.

Doch eines Tages hatte sie auf einer Tomate dieselben merkwürdigen Zeichen entdeckt, die nun auch die Polizei gefunden hatte.

Sie hatte Georgi darauf angesprochen.

Seine Antwort war knapp gewesen:

„Verkaufen Sie einfach, was ich Ihnen bringe. Und stellen Sie keine Fragen.“

Von diesem Tag an hatte Elena Angst.

### Die Spur führt zum alten Lagerhaus

Die Spezialisten bestätigten, dass die Markierungen mit Kennzeichnungen aus einem größeren Ermittlungsverfahren übereinstimmten.

Vor einigen Wochen waren aus einem Lagerhaus zahlreiche Waren verschwunden. Die Polizei vermutete, dass eine Gruppe die Herkunft gestohlener Lieferungen verschleierte und verschiedene Personen für den Weiterverkauf einsetzte.

Die Zeichen auf dem Gemüse waren ein wichtiger Hinweis.

Kommissar Petrow ließ die bisherigen Erkenntnisse zusammentragen.

„Wir müssen herausfinden, wer Georgi ist und woher die Lieferungen kommen“, sagte er.

Anna blickte auf das Foto der Gemüsebox.

„Elena könnte uns zu ihm führen.“

„Vielleicht. Aber wir müssen ihre Aussagen überprüfen.“

Kurz darauf fanden die Ermittler einen weiteren Hinweis: Ein Zeuge hatte einen Mann beschrieben, der regelmäßig Kisten in der Nähe eines verlassenen Lagerhauses abholte.

Die Beschreibung passte zu Georgi.

Die Polizei überprüfte die Adresse und fand dort tatsächlich weitere Hinweise auf die verschwundenen Waren. Die Ermittlungen wurden ausgeweitet.

### Der Mann, der alles abgestritten hatte

Georgi wurde einige Tage später von den Ermittlern aufgesucht und zur Befragung gebracht.

Er bestritt zunächst, Elena zu kennen.