„Er sagte, ich müsse keine Fragen stellen“, erklärte Elena. „Er würde mich bezahlen, und ich könnte endlich die Medikamente kaufen.“

Anna sah sie an.

„Haben Sie gewusst, dass die Waren möglicherweise gestohlen waren?“

Elena schüttelte den Kopf.

„Nein. Ich dachte, er arbeitet mit einem Großmarkt zusammen.“

Petrow blieb ernst.

„Und als Sie die Zeichen auf dem Gemüse bemerkt haben?“

Elena blickte zu Boden.

„Da hatte ich Angst.“

### Der Mann, der im Hintergrund blieb

Die Polizei überprüfte Georgis Angaben und fand heraus, dass er bereits in Verbindung mit mehreren verdächtigen Lieferungen stand.

Sein Name war den Ermittlern nicht unbekannt.

Er hatte sich offenbar gezielt Menschen gesucht, die dringend Geld brauchten. Ihnen hatte er kleine Aufgaben angeboten und dabei verschwiegen, woher die Waren stammten.

Elena war eine von ihnen gewesen.

Doch die Ermittler mussten noch klären, ob sie tatsächlich unwissentlich geholfen hatte oder mehr über das Geschäft wusste, als sie zugab.

Am nächsten Morgen erhielt die Polizei einen Hinweis auf einen Lagerraum am Stadtrand.

Petrow organisierte die notwendigen Maßnahmen und ließ die Adresse überprüfen.

Dort fanden die Beamten weitere Kisten mit Gemüse, Verpackungsmaterial und Unterlagen, die mit den Markierungen übereinstimmten.

Außerdem entdeckten sie Dokumente, die auf mehrere Lieferungen aus verschiedenen Lagerhäusern hinwiesen.

Georgi wurde später von der Polizei angetroffen und zur Befragung gebracht.

Zunächst bestritt er jede Beteiligung.

Doch die gesicherten Unterlagen und die Aussagen weiterer Zeugen widersprachen seiner Darstellung.

Die Ermittlungen gingen weiter.

### Anna besucht die alte Frau

Während die Ermittlungen liefen, konnte Anna eine Sache nicht vergessen.

Elena hatte immer wieder von den Medikamenten ihres Sohnes gesprochen.

Deshalb erkundigte sie sich bei der zuständigen Stelle, ob die Familie Unterstützung erhalten konnte. Dabei wurde deutlich, dass Elena tatsächlich in schwierigen finanziellen Verhältnissen lebte und ihr Sohn medizinische Hilfe benötigte.

Die Polizistin besuchte die Adresse, die Elena angegeben hatte.

Es war ein kleines Haus am Rand der Stadt. Der Garten war verwildert, und neben der Eingangstür standen mehrere leere Blumentöpfe.

Als Elena die Tür öffnete, wirkte sie erschöpft.

„Frau Anna?“

„Guten Tag. Ich wollte nachsehen, wie es Ihnen geht.“

Elena bat sie herein.

Im Wohnzimmer saß ein Mann in einem Rollstuhl. Er war blass, aber wach und aufmerksam.

„Das ist mein Sohn Nikolai“, sagte Elena.

Anna begrüßte ihn.

„Ihre Mutter hat uns von Ihrer Krankheit erzählt.“

Nikolai blickte zu seiner Mutter.

„Hat sie Ihnen auch erzählt, warum sie auf der Straße Gemüse verkauft?“

Anna nickte.

„Wir wissen inzwischen, dass ein Mann sie für seine Geschäfte ausgenutzt haben könnte.“

Nikolai schloss kurz die Augen.

„Ich habe sie gewarnt.“

Elena sah ihn erschrocken an.

„Nikolai, bitte …“

Doch ihr Sohn sprach weiter.

„Ich wusste, dass dieser Georgi nicht vertrauenswürdig war. Ich habe meiner Mutter gesagt, sie soll nichts für ihn tun. Aber sie wollte unbedingt meine Medikamente bezahlen.“

Anna wurde still.

„Haben Sie Georgi persönlich getroffen?“

Nikolai nickte.

„Einmal. Er hat meiner Mutter versprochen, dass sie leicht Geld verdienen könne. Ich habe ihm nicht geglaubt.“

Damit bekam der Fall eine neue Wendung.

Nikolai hatte möglicherweise weitere Informationen über Georgi.

### Die Wahrheit kommt ans Licht

Bei einer weiteren Befragung erklärte Nikolai, dass Georgi seine Mutter unter Druck gesetzt hatte.

Er habe ihr immer wieder eingeredet, dass sie die einzige Möglichkeit verliere, ihrem Sohn zu helfen, wenn sie nicht weiter mitmache.

Außerdem habe Georgi behauptet, die Waren seien legal erworben worden.

Elena hatte ihm geglaubt, weil sie verzweifelt gewesen war.

Als sie später die ungewöhnlichen Markierungen entdeckte und Fragen stellte, habe er ihr gedroht, sie bei der Polizei als Hauptverantwortliche darzustellen.

Deshalb hatte sie geschwiegen.

Die Ermittler verglichen ihre Aussagen mit den gesicherten Unterlagen und den Informationen weiterer Zeugen.

Einige Angaben ließen sich bestätigen. Andere mussten noch überprüft werden.

Doch nach und nach wurde klarer, dass Georgi eine größere Rolle spielte, als zunächst angenommen.

Er hatte mehrere Menschen für seine Zwecke eingespannt und versucht, die Verantwortung auf diejenigen abzuwälzen, die am wenigsten Einfluss hatten.

Die Polizei leitete die entsprechenden Ermittlungen ein. Elena wurde nicht einfach aufgrund ihres Alters oder ihrer traurigen Geschichte freigesprochen. Aber die Beweise zeigten, dass sie unter erheblichem Druck gestanden hatte und offenbar nicht über den gesamten Umfang der Geschäfte informiert gewesen war.

### Eine zweite Chance

Einige Wochen später erhielt Elena eine Nachricht von Anna.

Die Ermittler hatten die wichtigsten Angaben überprüft. Elena musste sich weiterhin für ihre Beteiligung verantworten und mit den zuständigen Stellen zusammenarbeiten. Gleichzeitig wurde ihr Zugang zu einer sozialen Beratungsstelle vermittelt.

Dort half man ihr, Unterstützung für die Versorgung ihres Sohnes zu beantragen.

Als Anna sie erneut besuchte, saß Elena im Garten und sortierte kleine Töpfe mit Kräutern.

„Ich habe wieder angefangen, etwas anzubauen“, sagte sie.

Anna lächelte.

„Diesmal ohne fremde Kisten?“

Elena lächelte zum ersten Mal seit Tagen.

„Nur mein eigenes Gemüse.“

Nikolai saß auf der Terrasse und beobachtete sie.

„Meine Mutter wollte nie etwas Schlechtes tun“, sagte er. „Sie wollte nur, dass ich gesund werde.“