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## Teil 2 – Das Geheimnis hinter den unschuldigen Tomaten
„Nehmt sie fest!“
Der Befehl des Beamten hallte durch die Straße.
Seine Kollegin, die junge Polizistin Anna, sah ihn fassungslos an.
„Warten Sie! Was haben Sie entdeckt? Diese Frau ist kaum in der Lage, ihren eigenen Karton zu tragen!“
Der ältere Beamte, Kommissar Petrow, legte die Tomate vorsichtig zurück.
„Sehen Sie sich die Schale genau an.“
Anna beugte sich hinunter.
Zunächst erkannte sie nichts Besonderes. Doch als Petrow eine kleine Lampe einschaltete, wurden mehrere feine Markierungen sichtbar. Es waren keine gewöhnlichen Druckstellen. Auf jeder Tomate befand sich eine andere Kombination aus winzigen Zeichen.
Auch auf den Gurken und Karotten waren solche Markierungen zu erkennen.
Die alte Frau begann zu zittern.
„Bitte“, flüsterte sie. „Ich habe doch nichts getan. Ich muss nur das Geld für die Medikamente meines Sohnes zusammenbekommen.“
Petrow sah sie ernst an.
„Dann erklären Sie mir, warum jemand Ihre Ware auf diese Weise gekennzeichnet hat.“
Die Frau senkte den Kopf.
„Ich weiß es nicht.“
Doch ihre Stimme klang nicht überzeugend.
### Eine Kiste voller Fragen
Anna bat ihre Kolleginnen und Kollegen, die Umgebung abzusichern. Niemand sollte die Gemüsebox oder ihren Inhalt unnötig berühren.
Dann wandte sie sich an die alte Frau.
„Wie heißen Sie?“
„Elena Dimitrova.“
„Und woher haben Sie das Gemüse?“
„Aus meinem Garten. Ich baue es selbst an.“
„Alle diese Lebensmittel?“
Elena nickte hastig.
„Ja. Mein Sohn kann nicht arbeiten. Er ist krank. Ich muss für uns beide sorgen.“
Anna betrachtete die Frau genauer. Ihre Hände waren rau, ihre Kleidung abgetragen. Auf den ersten Blick passte alles zu ihrer Geschichte.
Doch etwas beunruhigte die Polizistin.
Die Frau hatte behauptet, bereits viele Kunden gehabt zu haben. Trotzdem war der Karton fast vollständig gefüllt. Außerdem hatte sie bei jeder Frage nervös zur gegenüberliegenden Straßenseite geblickt.
„Wohnt Ihr Sohn bei Ihnen?“, fragte Anna.
Elena nickte.
„Ja. Er braucht regelmäßig Medikamente.“
„Wie alt ist er?“
„Vierzig.“
„Wie heißt er?“
„Nikolai.“
Petrow notierte den Namen.
„Wir werden überprüfen, ob Ihre Angaben stimmen. Bis dahin müssen Sie uns begleiten.“
Elena begann zu weinen.
„Bitte nehmen Sie mir nicht auch noch das Gemüse weg. Das ist alles, was ich habe.“
Anna antwortete ruhig:
„Wir wollen herausfinden, was hier passiert. Wenn Sie uns die Wahrheit sagen, können wir Ihnen auch helfen.“
### Die Markierungen führen zu einer Adresse
Auf der Polizeiwache wurden die Tomaten und das übrige Gemüse von Fachleuten untersucht.
Dabei stellte sich heraus, dass die Markierungen nicht zufällig entstanden waren. Sie bildeten ein einheitliches Kennzeichnungssystem, das mit mehreren bereits untersuchten Lieferungen übereinstimmte.
Die Polizei hatte seit Wochen Hinweise auf einen organisierten Handel mit gestohlenen Waren erhalten. Verschiedene Lieferungen waren auf ungewöhnlichen Wegen verschwunden, und die Verantwortlichen hatten offenbar versucht, ihre Herkunft zu verschleiern.
Die Zeichen auf dem Gemüse passten zu einem Teil dieser Spuren.
Petrow trat in den Besprechungsraum.
„Wir haben einen möglichen Zusammenhang gefunden.“
Anna sah auf.
„Mit dem Fall der verschwundenen Lieferungen?“
Er nickte.
„Genau. Wir müssen jetzt herausfinden, ob Frau Dimitrova davon wusste oder ob jemand sie benutzt hat.“
Anna dachte an das erschrockene Gesicht der alten Frau.
„Vielleicht ist sie nur eine Botin.“
„Vielleicht“, antwortete Petrow. „Aber wir dürfen nichts annehmen, bevor wir die Fakten kennen.“
Die Ermittler fanden schließlich heraus, dass ein Teil der Waren aus einem Lager stammte, das vor einigen Wochen bei einem Einbruch betroffen gewesen war.
Die Gemüsebox war offenbar nicht nur ein gewöhnlicher Verkaufsstand gewesen. Sie hatte dazu gedient, bestimmte Waren unauffällig weiterzugeben.
Doch wer hatte Elena diese Aufgabe gegeben?
Und warum?
### Die Geschichte ihres Sohnes
Am Abend wurde Elena erneut befragt.
Anna setzte sich ihr gegenüber und stellte eine Tasse Tee auf den Tisch.
„Frau Dimitrova, ich möchte Ihnen etwas zeigen.“
Sie legte ein Foto des beschlagnahmten Gemüses auf den Tisch.
„Diese Markierungen sind mit einem größeren Fall verbunden. Wir glauben, dass jemand Sie für seine Geschäfte benutzt hat.“
Elena presste die Lippen zusammen.
„Ich weiß nicht, was Sie meinen.“
Anna sprach vorsichtig weiter.
„Sie haben gesagt, Ihr Sohn sei krank und brauche Medikamente. Wir möchten wissen, ob das stimmt.“
Da brach Elena in Tränen aus.
„Ja. Mein Sohn ist wirklich krank. Er hatte vor einem Jahr einen schweren Unfall und kann seitdem nicht mehr regelmäßig arbeiten. Ich habe ihn gepflegt, seit sein Vater gestorben ist.“
„Wie heißt der Mann, der Ihnen das Gemüse gegeben hat?“
Elena schwieg lange.
Schließlich flüsterte sie:
„Ein Mann namens Georgi.“
Petrow, der hinter der Tür gewartet hatte, kam herein.
„Wie sieht dieser Mann aus?“
Elena beschrieb ihn so genau, wie sie konnte. Sie erklärte, dass Georgi vor einigen Wochen zu ihr gekommen sei. Er habe behauptet, er könne ihr helfen, Geld für die Behandlung ihres Sohnes zu verdienen.
Zuerst habe er ihr nur Gemüse zum Verkauf gebracht.
Später habe er sie gebeten, bestimmte Kisten an andere Personen weiterzugeben.
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